Vier Schafe haben eine neue Adresse: Rheinanlagen Andernach
Schafe in den Rheinanlagen
Facebook schenkte der Bäckerjungenstadt eine neue Form von Basisdemokratie
Andernach. Ein Nutzerfoto in der Facebook-Gruppe „Du bist Andernacher, wenn …“ zeigte am vergangenen Mittwoch das neu eingerichtete Gehege und schon war der „shitstorm“ („Sturm der Entrüstung“) entbrannt. Fast 300, zunächst überwiegend ablehnende Wortbeiträge spiegelten die Meinungen zahlreicher Andernacher Bürgerinnen und Bürger zum Einzug von Schafen auf einer „Filetfläche“ in den Andernacher Rheinanlagen wider. In einem kurzfristig arrangierten Interview am neuen Schafsgehege in den Rheinanlagen standen Verantwortliche der Stadtverwaltung dem Nutzer des Offenen Kanals, Kostas Thomopoulos, und „Blick aktuell“ Rede und Antwort.
Bei Wind und Regen und vor einem offenbar glücklichen Schafsquartett erläuterten Oberbürgermeister Achim Hütten, Bürgermeister Claus Peitz und Lutz Kosack vom Stadtplanungsamt die Gründe und Rahmenbedingungen für die neue Maßnahme. Für Dipl. Ökonom Lutz Kosack stellt, nach den neuen Anpflanzungen am Kurfürstendamm und der Rinderhaltung in der Permakultur in Eich, auch die Möglichkeit für Schafe, in den Rheinanlagen zu grasen, einen weiteren Baustein im Rahmen der „Essbaren Stadt“ dar. Die zurückhaltende Tierhaltung in den Rheinanlagen sei jedoch nur ein Versuch, so Achim Hütten. Im Oktober würde das „mobile“ Gehege mit Blick auf fallende Temperaturen und die Hochwassergefahr wieder abgebaut. Ob das Gastspiel der Schafe in Nachbarschaft des Biergartens im kommenden Jahr eine Fortstetzung erfahren soll, müsse noch in den Gremien entschieden werden. Die Kosten bewegten sich im geringfügigen Bereich, da auch hier Mitarbeiter der Perspektive gGmbH für die Tiere Sorge tragen. Die Tierhaltung, auf dem von der Stadt als „Ausgleichsfläche“ (Landschaftspflege-Maßnahme) ausgewiesenen Areal, wurde tierschutzrechtlich mit dem Kreisveterinäramt abgestimmt. Der ebenfalls im Gehege vorgesehene „Einzug“ von Schweinen sei jedoch nicht genehmigt worden.
Auf den Proteststurm in Facebook angesprochen, zogen Achim Hütten und Claus Peitz Vergleiche mit anderen spektakulären Maßnahmen in der Stadt, die nach anfänglichen Bedenken von Bürgerinnen und Bürgern letztlich zu einer Akzeptanz und einem regen Medien-Interesse geführt hätten. Ängste, in der Nacht könne den Tieren von dunklen Gestalten Unheil widerfahren, teilten die städtischen Verantwortlichen nicht, da man diese Erfahrung auch mit den „Gemüsebeeten“ und den Hühnern im Schlossgarten nicht gemacht habe. Man stelle im Gegenteil fest, so Hütten, dass die Bürger mit den Elementen ihrer „Essbaren Stadt“ rücksichtsvoller umgehen würden. „Als ich mir das gestern hier mal angesehen habe, sprachen mich Leute an, die die neue Idee begrüßen und nicht verstehen, dass man etwas dagegen haben kann“, ergänzte er.
Das Facebook-Forum der Andernacher konnte nun schon zum wiederholten Mal einen lokalen demokratischen Prozess in Gang setzen. Erst vor wenigen Wochen wurde auch von dort bewirkt, dass eine nicht vermittelbare Einbahnstraßenregelung am Augsbergweg zu einer neuen Entscheidung fand.
Neu in Andernach: Schafe grasen in der Nähe des Rheintores
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