Kulinarik aus Wald“,
Slow-Food-Sommerfest bei Waldgold in Sevenich mit heimischen Wildpflanzen und Aromen“,
aus Höhr-Grenzhausen
Andernach/Sevenich. Bucheckern, Fichtenspitzen, Wildkräuter und Früchte aus Hecken und Waldrändern: Dass die heimische Natur weit mehr zu bieten hat als Brombeeren und Pilze, konnten die Mitglieder des Slow-Food-Conviviums Rhein-Mosel bei ihrem Sommerfest auf dem Hofgut von „Waldgold“ in Sevenich bei Münstermaifeld erfahren.
36 Gäste waren der Einladung gefolgt und genossen am 28. August bei spätsommerlich schönem Wetter einen ebenso informativen wie genussreichen Abend. Organisiert wurde die Veranstaltung einmal mehr von Brigitte und Winfried Heuft aus Andernach, die das Convivium Rhein-Mosel leiten und mit viel Erfahrung für einen rundum gelungenen Ablauf sorgten.
Johannes Frankenfeld, der das Familienunternehmen „Waldgold“ gemeinsam mit seiner Frau Żaneta führt, nahm die Besucher zunächst mit in eine kulinarische Welt, die vielen weitgehend unbekannt geworden ist. Der Wald, so erläuterte er, sei über Jahrtausende nicht nur Lebensraum und Ort der Erholung, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle gewesen. Bucheckern, Eicheln, Beeren, Kräuter und junge Triebe hätten früher selbstverständlich zum Speiseplan gehört. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft sei ein großer Teil dieses Wissens jedoch verloren gegangen.
Das junge Ehepaar Frankenfeld möchte diese fast vergessenen Zutaten wiederentdecken und in die moderne Küche zurückbringen. Auf dem Hofgut im Maifeld entstehen in viel Handarbeit Öle, Pesti, Gewürze, Salze, Sirupe, Aufstriche und weitere Feinkostprodukte aus Wald- und Wildsammlung. Verarbeitet werden unter anderem Bucheckern, Eicheln, Wildobst, Waldkräuter sowie junge Triebe von Fichte, Tanne und Kiefer.
Besonders überrascht zeigten sich die Gäste von der ausgeprägten Aromatik der Früchte und Pflanzen aus Wald und Wiese. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, entfaltete bei der Verkostung eine erstaunliche geschmackliche Intensität: nussig und erdig, würzig, frisch, harzig oder fruchtig. Die Probe machte deutlich, welches kulinarische Potenzial in heimischen Wildpflanzen steckt und wie weit deren Geschmack von vielen standardisierten Lebensmitteln des Alltags entfernt ist.
Johannes Frankenfeld erläuterte zugleich, dass Wildsammlung nicht bedeute, die Natur beliebig auszubeuten. Geerntet werde von Hand, zur richtigen Zeit und nur dort, wo stabile Bestände vorhanden seien. Die Mengen müssten so begrenzt bleiben, dass die natürliche Regeneration nicht beeinträchtigt werde. Waldgold arbeitet dazu mit Förstern, Sammlern und regionalen Partnern zusammen. Die Rohstoffe wachsen ohne künstliche Bewässerung, Düngung oder industrielle Eingriffe und folgen den natürlichen Rhythmen von Wetter und Jahreszeiten.
Das Konzept passt damit in besonderer Weise zu den Grundgedanken von Slow Food: Lebensmittel sollen nicht nur gut schmecken, sondern auch verantwortungsvoll erzeugt und möglichst regional verwurzelt sein. Zugleich geht es darum, traditionelles Wissen zu bewahren und eine vielfältige Esskultur zu fördern.
Nach der Einführung und Verkostung ging der Abend in den geselligen Teil über. Nach bewährter Slow-Food-Tradition hatten die Teilnehmer selbst zubereitete Speisen für ein vielfältiges Salatbuffet mitgebracht. Eine Fleischbeilage aus Löffels Landhaus, einem Restaurant des Slow-Food-Genussführers, ergänzte das Angebot.
Bei gutem Essen, anregenden Gesprächen und spätsommerlicher Atmosphäre wurde bis in den Abend hinein gefeiert. Das Sommerfest zeigte dabei eindrucksvoll, dass kulinarische Entdeckungsreisen nicht unbedingt in ferne Länder führen müssen. Manchmal genügt ein genauerer Blick auf das, was unmittelbar vor der eigenen Haustür wächst.
INFO SLOW-FOOD
Slow-Food ist eine weltweite Kultur- und Non-Profit-Bewegung, die sich für bewusste, regionale und nachhaltige Ernährung einsetzt. Gegründet wurde sie 1986 in Italien von Carlo Petrini (als Protest gegen die Eröffnung einer Fast-Food-Filiale in Rom). Ihr Logo ist eine Schnecke – sie symbolisiert Langsamkeit, Bedacht und Genuss. Ihre Kernphilosophie lautet: Ernährung muss gut, sauber und fair sein.
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Blick in das Hofgut Foto: Foto: Gerold Salzig