Bunter Abend vor neuer Kulisse in der ausverkauften Vulkanhalle in Kruft
„Spaß an de Freud“ bei den Elf Kerlchen
Kruft. Als der Krufter Elferrat, flankiert von den Amazonen, pünktlich um 19.11 Uhr in die Vulkanhalle zog, waren die Besucher schon in bester Laune. Stimmungsmacher Patrick Schmitz hatte den Saal schon vor Beginn der Sitzung ordentlich in Fahrt gebracht. Und genau so verlief auch der weitere Abend.
Stimmungsvolle Show
Eine Show, die voller Energie immer mehr Fahrt auf nahm. Sitzungspräsident Frank Berssem führte dabei elegant und gewohnt souverän durch das kurzweilige Programm. Er verstand es, die Narren in der Halle immer weiter in Schwung zu bringen.
Man konnte direkt erkennen, dass sich bei den Elf Kerlchen etwas tut. Nach 15 Jahren hatten sie sich wieder ein neues Bühnenbild zugelegt, dass technisch und künstlerisch von den beiden Vorsitzenden Stefan Heuft und Jürgen Zinken konzipiert und gestaltet wurde.
Die neue Bühnenkulisse strahlt in überwiegend blauen Farben weit in den Saal hinein. In der Mitte gekennzeichnet vom allumfassenden Motto der Elf Kerlchen: „Spaß an de Freud“. Genau das konnte man beim Bunten Abend auch erkennen und spüren. Alle Beteiligten hatten eben diesen Spaß!
Gleich zu Anfang rockte die Kindertanzgruppe unter der Leitung von Sandra Geisen und Heike Pech die Bühne. Die jüngsten Akteure der Elf Kerlchen zeigten mit ihrem Tanz, was im Sommer bei „Rock am Ring“ in Mendig wohl abgehen wird. Anschließend wusste dann Hilde Simon von den Problemen mit ihrem neuen „Schmand-Fon“ zu berichten. Wie schwierig es ist, ohne Wählscheibe und Telefonhörer mit einer schwarzen Dachpfanne zu kommunizieren, schilderte die dienstälteste Büttenrednerin aus Kruft. Wenn dann auch noch Frau und Herrn „Teeleekomm“ nicht richtig zuhören, wenn man was erklären möchte, Das brachte sie glatt zur Verzweiflung und die Zuhörer in Verzückung, die auch noch beim nächsten Punkt anhielt, als Paula Berssem mit Akrobatik und grandiosen Flugeinlagen ihren „Mariechentanz“ dargeboten hatte.
Auch gut verpackte kritische Töne, die Susanne Treins in der Folge zum Gebrauch und Umgang mit den „neuen Medien“ bestens darstellte, gehörten an diesem Abend in das perfekt inszenierte Programm der „Elf Kerlchen“. Wann, wenn nicht an Fastnacht, darf man bzw. Frau sich zu solchen Eigenarten äußern. Die „Generation Kopf-unten“ lässt grüßen, wenn jeder und alles nur noch auf Displays starrend umherläuft und seinem Mitmenschen nebendran lieber eine WhatsApp schickt, als persönlich zu fragen, was er gerade tut? Wahrscheinlich auf sein Display starren…
So konnten die Augen danach noch nicht ganz trocken werden, denn die Tanzgruppe der Jungen Amazonen - Gruppe B nahmen nämlich als Matrosen den ganzen Saal mit auf eine große Seefahrt. Unter der Choreografie von Heike Pinhammer bewiesen die Mädchen, dass sie nicht nur gut tanzen können, sondern auch zugleich enorme Kondition und Ausdauer mit Ihrer Darbietung.
Mit ihren wunderbaren Stimmen und spitze gesungenen Liedern konnten Antonia und Sarah Schmitz dann die Stimmung weiter steigern und ernteten dafür ebensolche Begeisterung und Zugaben wie die Jungen Amazonen zuvor.
Gardetänze und Vorträge
Zu einer Fastnachtsitzung gehören natürlich auch zackige Gardetänze, die die Jungen Amazonen der Gruppe A unter der Leitung von Jasna Kibellus und die Amazonen mit ihrer Trainerin Marion Schüngel danach auf die Bühne brachten. Janosch Käfer hatte keine Schwierigkeiten, vom überschwänglichen Leben als Lottogewinner zu berichten. Man kann prahlen und protzen - koste es was es wolle. Ein herrlich klassischer Vortrag ganz im Sinne des begeisterten Publikums.
Neuer Krufter „König“
Als dann royale Klänge die Halle erfüllten, konnten die Gäste schon erahnen, was kommen sollte: Der neue König von und zu über Kruft betrat in majestätischer Würde den Saal. Begeisterungsstürme und vereinzelt auch Hysterie am Rande der Ohnmacht blieben da nicht aus. Was der neue König von und zu über Kruft mit seinem Adjutanten den „Untertanen“ gesanglich als neue Gesetze präsentierte, ließ die Menge endgültig toben. Jürgen Hesch als König Jürgen I. und Bernhard Treins als sein königlicher Berater konnten abermals ihrem Ruf als Vollbluthumoristen gerecht werden. Die „Untertanen“ dankten es ihnen mit stehenden Ovationen.
„Welcome to the jungle“
Zum Sitzen kam man auch beim nächsten Punkt nicht. Allerhand wilde Tiere stürmten nun die Bühne und zeigten, was im Dschungel alles so los ist. Mit „Welcome to the jungle“ hatte das Herrenballett der Elf Kerlchen seinen fulminanten Auftritt und wusste mit Kapriolen, Überschlägen und akrobatischem Pyramidenbau das Publikum vor der anstehenden Pause auf seiner Seite.
Der Saal verdunkelt, die Bühne schwarz. Das war die Kulisse für den nächsten Act. Das war schon einzigartig, was die Tänzerinnen und Tänzer der Showtanzgruppe der Amazonen da zeigten. In bunten Ganzkörperanzügen konnte man Kopf und Füße nur erahnen. Eine Darbietung erster Klasse. 13 bunte Figuren und sonst nichts. Gerade das war der Reiz dieses Tanzes, zu kraftvoller Musik exzellent inszeniert. Der Saal stand Kopf.
Ein anderer Kopf steckte auch in der Rolle des Ritters Kunibert. Sitzungspräsident Frank Berssem brillierte als Ritter Kunibert von Schloß Berssem. Als sich der Nebel verzog, zog ein entschlossener, unerschrockener und gutaussehender Ritter in den Kampf. Hoch den Humpen auf den keineswegs kopflosen Ritter Kunibert. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Rüstung langsam vollläuft. Diesen Ritter bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Da kommt man auch schon mal etwas später zu seiner „Brumhilde“, wenn man sich mit seinem Steckenpferd Jolante auf der neuen Ortsumgehung „verritten“ hat. Ein herrlicher Vortrag in der Blauen Bütt, der sich auch Thomas Zinken verschrieben hat. Er findet seit Jahren immer wieder den Weg in die „Gehörgänge und Synapsen“ seiner Zuhörer. Als Professor referiert er tiefgreifend über die profanen Dinge des Lebens. Aktuell über die Organisation und das Schaffen des Sandmanns, der an der Uni Sandfort studiert und in Kruft im Sandgässchen lebt. Wozu dienen eigentlich die grünen Kisten an Straßen? Und warum allzu sparsame Streutechnik derer von der Schwäbischen Alb Albträume verursachen können. Fragen über Fragen, die der Professor gekonnt wortwitzig erklärte. Seit einigen Jahren schon sorgen die Kretzer Guggemusiker für ein großes Spektakel auf der Bühne der Elf Kerlchen. Auch in diesem Jahr waren die schwungvollen Rhythmen der Gugge wieder mehr als eine Zugabe wert, bevor die Bühne für das eigentliche Highlight der Sitzung vorbereitet wurde. Das Damenballett von Marion Schüngel brachte mit „Riverdance“ den Saal nun zum Höhepunkt des Bunten Abends. Eine Einheit - in Perfektion getanzt - Gänsehaut pur und herrlich anzusehen. Michael Flatley, der irische Protagonist dieses Tanzstils, hätte seine wahre Freude daran gehabt. Und das hatten die Närrischen Besucher in der Halle auch. Es war ein famoser und lauter Abschluss eines gelungenen und wunderbaren Abends in der Vulkanhalle, der mit einem ebenso lauten Finale aller Akteure auf der Bühne in Kruft mit viel „Spaß an de Freud“ wahrscheinlich noch lange nicht zu Ende war.
