Ein Besuch beim Andernacher Ordens- und Urkundenpapst
Tragen Sie auch einen Breuch?
Der fast 90-jährige Hans Breuch hat eine besondere künstlerische Ader
Andernach. Man muss nicht dort geboren sein, um in der Bäckerjungenstadt einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad zu erlangen. Doch weiß man nie, wofür es gut ist, einen „Herjelaafenen“ nachträglich traditionell durch die „Annenacher Dääf“ (Taufe) zu „heilen“, auch wenn es mehr als 50 Jahre nach dessen Zuzug geschieht. Das war so bei Hans Herbert Breuch der, 1925 im benachbarten Weißenturm geboren, neun Jahre später Andernacher Bürger wurde. Herbert „Molly“ Zins adelte ihn 1985 mit Rheinwasser endgültig zum „Annenacher“.
Der ehemalige Architekt Hans Breuch, ein karnevalistisches Urgestein, lebt mit Ehefrau Gitta in der Martinsbergstraße. Dort findet man den Rastlosen oft in seinem Büro-Anbau, in dem weder die Zeichentische, noch das Arbeitsmaterial einen unbenutzten, ruhenden Eindruck machen. Hans Breuch wird in diesen Tagen 90 Jahre alt, doch sein schöpferischer Motor arbeitet weiter. Seine Liebe zum Detail, sein Blick für Ästhetik, seine Kunstfertigkeit und natürlich eine spürbare Heimatverbundenheit münden noch nach über 70 Jahren schöpferischer Tätigkeit in wahre Kunstobjekte: Urkunden als geradezu kalligraphische Meisterwerke, Karnevalsordens-Entwürfe und kunstvolle Zeichnungen erfreuten bis zum heutigen Tag unzählige Karnevalisten und andere, für unterschiedlichste Leistungen und Ereignisse, geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger. Seine Kreationen bereiten auch anderweitig Freude, wie zum Beispiel der wasser-speiende Funken-Narrenbrunnen in Andernachs Bahnhofstraße, der nach seinem Entwurf gefertigt wurde.
Sein Beruf - die Grundlage
Als 15-jähriger begann Lehrling Hans eine Ausbildung zum technischen Zeichner beim Andernacher Hochbauamt. Hier lernte er seinen, wie er ihn heute noch respektvoll und dankbar nennt, „Meister“ Hans „Bub“ Hunder kennen und schätzen. „Hunders Bub“, der damals auch als Stadtarchivar wirkte, erkannte das herausragende Zeichentalent seines Auszubildenden und weihte ihn schon bald in die Geheimnisse der Kalligraphie (Kunst des Schönschreibens) ein. Hunder gab Hans Breuch die Grundlagen und Impulse für eine heute kaum noch zu überschauende Zahl von Urkunden, Restaurierungen, Einladungsschreiben und vielem mehr.
Während der Kriegsjahre schlossen sich für Breuch der Arbeitsdienst und der Einsatz in der Kriegsmarine an. Dort empfahl sich der Andernacher mit der künstlerischen Ader oftmals u.a. als Portraitzeichner für höherwertige Aufgaben. Später gab Hans Breuch seine Stelle bei der Stadtverwaltung auf und gewann in einem Andernacher Architekturbüro, ergänzt durch ein Fernstudium, weitere bauplanerische Kenntnisse und Fertigkeiten. Mit gesundem Ehrgeiz erlangte er schließlich bei der Architekten-Kammer die Zulassung zum Architekten. Sein eigenes Büro konnte der junge Architekt dann 1959 eröffnen.
Seine Leidenschaft - die Fasenacht
„Da kann man mal alles rauslassen“, antwortet der symphatische und eloquente Senator im Alt-Herren-Corps der Fidelitas 1893 Blaue Funken, als er gefragt wurde, was ihm der Karneval bedeutet. Auch im rheinischen-Brauchtum kann der Vater von drei Kindern, Opa und Uropa auf eine bewegte Zeit und auch auf eine närrische Karriere zurückblicken. 1937 in den Verein eingetreten, startete er als Zwölfjähriger als einer der ersten Mitglieder im Trommlercorps der Karnevalsgesellschaft, das sich in den Folgejahren zum heutigen klangvollen Spielmannszug entwickelte. 1962 wurde Hans Breuch Nachfolger des Tambourmajors Fred Aretz. Die Stabsführung des Spielmannszuges hatte er bis zum Jahr 1975 inne. Auch im Umfeld von Tollitäten erfüllte Hans Breuch 1959 und 1966 als Närrischer Kanzler eine wichtige Aufgabe.
Hans Breuch ist als Gestalter zahlreicher Festausschuss-, Prinzen-, Sessions- und Corpsorden in der Andernacher Karnevalsszene eine gesuchte Adresse. Zigtausende trugen und tragen ein von Breuch entworfenes kleines Kunstwerk auf ihrer Brust. Auch der diesjährige Orden zum 60-jährigen Jubiläum des Festausschusses („Annenache Jeschichte“) stammt aus seiner Feder. Daneben gibt es unzählige, von ihm liebevoll erstellte, Prinzen-, Ehren- und Dankesurkunden, die nun Wohnzimmer, Partykeller oder Arbeitszimmer zieren. Bei der Gestaltung der Urkunden sind ihm oft seine selbst erworbenen Kenntnisse im Bereich der Heraldik (Wappenwessen) hilfreich. Auf einen bestimmten Orden ist das heutige Ehrenmitglied der Blauen Funken besonders stolz: 1950 entwarf er für sein Corps den blau-weißen Funkenorden mit Kanone und Runden Turm. Es war der erste Orden der Gesellschaft. Seine Ideen zu den Ordensmotiven, so sagt er, kommen ihm auch mal im Bett oder auf der Toilette. Zunächst erstellt er eine Freihandzeichnung. Diese bespricht er dann mit dem Auftraggeber und entwickelt sie weiter zu einem Entwurf, der als Grundlage für die Produktion gilt.
Seine Begabung: Die Kalligraphie
Gelegentlich hatte Hans Breuch seinen damaligen „Meister“ Hunder, bei der Gestaltung der Seiten im Golden Buch der Stadt Andernach vertreten. Nach dessen Tod übernahm er dann Ende der 90er-Jahre bis zum Jahr 2010 endgültig die Gestaltung des wertvollen historischen Stadt-Dokuments. Viele prominente Besucher der Stadt setzten ihre Unterschrift unter ein von ihm kalligraphisch, mit verzierten Versalien ausgeschmücktes Meisterwerk, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.
„Illustrierte Erinnerungen - für Andernach und meine Freunde“ hat Hans Breuch seine drei Bücher genannt, die er im Stil der mittelalterlichen Schreibkunst gestaltet und mit vielen Zeichnungen ausgeschmückt hat. Viele Andernacher Motive finden sich auch in Kalendern, die der Heimatverbundene in früheren Jahren für ein ortsansässiges Optik-Fachgeschäft schuf. Sehenswert auch die Landschaftsbilder die Breuch zeichnete, auf Urlaubsreisen und den Touren mit seinem Sportboot, welches er noch bis 2008 auf der Mosel ankern ließ.
Obwohl zweimal schmerzlich verwitwet, begegnet man in Hans Herbert Breuch einem positiv gestimmten, geselligen, humorvollen und aktiven Menschen. Dieser trägt noch immer den persönlichen Lebenstraum in sich: „Kalligraphischer Schreiber in einem Kloster zu sein“. Doch ergänzt er schnell: „Aber nicht als Mönch!“ Auf die Frage nach dem Rezept für sein langes Leben antwortet der bald 90-Jährige mit spürbarer Dankbarkeit und Zuneigung: „Meine Frau Gitta. Ohne die wär ich schon längst tot.“
Orden, Urkunden, Zeichnungen: Eine kleine Auswahl der Werke von Hans Breuch.Foto: MKA
Mit Feder und Tusche: Hans Herbert Breuch kalligraphiert spontan „Blick aktuell“.Foto: MKA
Hans „Bub“ Hunder (l.) und Hans Breuch als Stadt- und Senatsschreiber auf dem Andernacher Marktplatz. Foto: privat
