Waldalgesheimerin wird Seelsorgerin in Andernach
Vom Hobby zum Beruf
aus Koblenz
Andernach/Waldalgesheim. – „Dass es was mit Menschen wird, war allen klar“, antwortet Eva Schitthof lachend auf die Frage, ob Familie oder Freunde überrascht waren über ihren Berufswunsch „Seelsorgerin“. Die 28-Jährige Waldalgesheimerin wird am Samstag, 29. August, durch den Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann zur Gemeindereferentin beauftragt. Im Pastoralen Raum Andernach wird sie sich (weiterhin) im Bereich Kinder- und Jugendarbeit sowie Familien einbringen.
Die letzten zwei Jahre ihrer Berufseinführung hat sie in Andernach verbracht und wird hier auch weiterhin bleiben. Ihr Schwerpunkt liegt in der Kinder- und Jugendarbeit. „Ich höre den Mädchen und Jungen sowie Jugendlichen erstmal zu, was sie umtreibt.“ Ihre Erfahrung ist, dass diese Zielgruppe einen vollen Terminkalender hat. „Da will ich ihnen etwas mitgeben, was sie trägt.“ Als Beispiel nennt sie die Erstkommunion: „Ich möchte ihnen zeigen, dass es um mehr geht als um Geschenke, einen Anzug oder ein schönes weißes Kleid.“ Neu hinzukommt für Schitthof jetzt das Themenfeld Familie. „Darauf freue ich mich schon, denn Generationen können so viel voneinander lernen. Dafür möchte ich Räume öffnen“ und auch offenhalten, wie das bereits etablierte Familienfrühstück, das vierteljährlich sonntags vor dem Gottesdienst im Andernacher Pfarrheim neben dem Dom stattfindet. „Hier kommen Familien, aber auch Alleinstehende schnell ins Gespräch.“ Daher freut sie sich darauf, auch weiterhin in diesem Projekt von Pfarrei, Kita und Katholischer Familienbildungsstätte mitarbeiten zu dürfen, wie auch bei der Initiative „Da sein“, bei dem Seelsorger*innen Gespräche auf Friedhöfen im Pastoralen Raum Andernach anbieten. Daneben gibt es zahlreiche weitere Gruppen, die sie gerne unterstützt, wenn sie angefragt wird. „Wir schauen dann zusammen, wie können wir Ideen umsetzen, was braucht es dafür? Dabei ist es mir wichtig, dass sich die Ehrenamtlichen nicht überfordern, sondern ihrem Engagement mit Freude nachgehen können.“
Eine „Möglich-Macherin“
Sie selbst habe einen klassischen „Kirchen-Weg“ hinter sich, sagt sie lachend. Dörflich aufgewachsen war ihre Kindheit und Jugend geprägt von Erstkommunion, Ministranten-Diensten, Gruppenleitung oder Einsätzen als Lektorin in der Kirchengemeinde vor Ort. „Die tollen Erfahrungen, die ich selbst erlebt habe, möchte ich gerne weitergeben.“ Sie hat also sozusagen ihr Hobby zum Beruf gemacht, „mit all der Verantwortung, die mit diesem Hauptamt einhergeht.“ Auf dem Weg dahin hat sie in Mainz ein Doppelstudium in Sozialer Arbeit und Praktischer Theologie absolviert. Ihre Bachelorarbeit hat sie biblischen Frauen gewidmet. Sie ging der Frage nach, ob man diese heutzutage Systemsprengerinnen eines Patriarchats nennen könne. „Das hat mir viel Spaß gemacht. Denn so habe ich Frauenfiguren kennengelernt, die es nicht in unsere Leseordnung geschafft haben.“ Trotzdem hat sich Schitthof gegen eine weitere akademische Laufbahn und für den Weg zur Gemeindereferentin entschieden. „Ich bin gerne bei den Menschen und an der Basis, das hat mir mein Studium und die Ausbildung gezeigt.“ Sie sieht sich als eine Art „Möglich-Macherin“. „Ich möchte Menschen unterstützen, bei dem, was sie bewegt.“ Ihr begegnen immer wieder Menschen, „mit Ideen und Feuer. Sie unterstütze ich bei Fragen der Umsetzung.“
Zwischen Alaaf und Helau
Sie freut sich, dass sie in Andernach bleiben kann. „Ich bin hier angekommen und fühle mich sehr wohl.“ Das liege vermutlich auch am Rhein, denn der verbindet ihre Heimat Waldalgesheim und Andernach. „Das herzlich Rheinische gibt es an beiden Orten“, wie auch den Karneval. „Obwohl es hier einen großen Unterschied gibt: In Andernach ruft man Alaaf und in Waldalgesheim Helau“; doch die bekennende Närrin ist da flexibel. Zuhause ist sie immer noch in einer Showtanz- und Gardegruppe aktiv und fährt regelmäßig zum Training; in St. Sebastian findet man sie dafür wöchentlich bei den Proben des örtlichen Musikvereins, der durch sie eine weitere Klarinettistin gefunden hat. „Das passt richtig gut, denn ohne Musik geht es einfach nicht“, betont die junge Frau, die nicht nur den Spagat zwischen Alaaf und Helau schafft, sondern auch Menschen zu fördern, zu begleiten und zu unterstützen, ohne dabei übergriffig eigene Ideen durchsetzen zu wollen. Daher freut sich Schitthof darüber, wenn Menschen sich mit ihren Ideen an sie wenden und sie ihnen bei der individuellen Umsetzung helfen kann.
Weitere Informationen zum Beruf der Gemeindereferentin bzw. des Gemeindereferentin gibt es auf https://www.wirglaubenandich.de/seelsorgeberufe/gemeindereferentin/ oder telefonisch bei Matthias Beer, Ausbildungsleiter der Pastoralreferent*innen und Gemeindereferent*innen, unter Tel.: 0651-7105-518.
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Bald Gemeindereferentin: Eva Schitthof Foto: Zeljko Jakobovac / Paulinus