Pilot-Projekt im Englischunterricht des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums begeistert die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen
Wie Kuscheltiere zur Völkerverständigung beitragen können
Andernach. Wie kann es gelingen, die vorhandene Neugier, Lernbereitschaft und Begeisterung junger Englischlernerinnen und –lerner optimal zu nutzen, sie früh zum Sprechen zu bringen und sie gleichzeitig für die Kultur englischsprachiger Länder zu begeistern? Die Englischlehrerinnen des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums in Andernach Sabine Bermel und Sabrina Sokol stellten sich im vergangenen Schuljahr dieser Frage und fanden auch eine Antwort: ein „Kuscheltieraustausch“! Insgesamt 48 Fünftklässlerinnen und -klässler des Jahres 2017/18 blicken auf ein erfolgreiches Austauschjahr mit vielen wertvollen Erlebnissen zurück. Die Biberdame Maple und ihr Baby Sugar von der Helen Gorman Elementary Schule aus West Kelowna im kanadischen British Columbia und das Känguru Fernando vom Immanuel College in Adelaide, Australien, haben die Klassen 5c und 5d sowie ihre beiden Englischlehrerinnen im Anfangsunterricht und darüber hinaus begleitet. Die Austauschkuscheltiere nahmen ein komplettes Kalenderjahr über am Schulalltag und der Freizeit ihrer deutschen Freunde teil und waren an Wochenenden, Feiertagen, Kommunionsfeiern, Hochzeiten sowie sportlichen Wettkämpfen und vieles mehr zu Gast bei etlichen Familien in Andernach und Umgebung. Die Schülerinnen und Schüler des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums erkundeten ihre Heimat und überlegten sich fleißig, welche Orte für die Austauschkuscheltiere und letztlich, die dahinter stehenden Partnerschülerinnen und -schüler von Interesse sein könnten. Zu Beginn des Projekts stellten die Sextanerinnen und Sextaner den Kuscheltieren das KSG vor und lernten dabei selbst ihre neue Schule besser kennen. In jeder Englischstunde wurde gelost beziehungsweise gemeinsam entschieden, wen die ausländischen Gäste mit nach Hause begleiten dürfen und es wurde auf Fotos und in Videos festgehalten, was die Kinder gemeinsam mit ihnen erlebten. Und das alles natürlich in Englisch. Der Geysir, der Alte Krahnen, der Runde Turm und andere Andernacher Sehenswürdigkeiten wurden besucht und mit Stolz in Szene gesetzt. Auch bei Klassenfahrten, der Studienfahrt der achten Klassen nach England, Ausflügen, Städtetrips nach Berlin und Paris sowie den Oster- und Sommerurlauben, unter anderem zur Tour de France oder einer Mittelmeerkreuzfahrt waren die Kanadierinnen beziehungsweise der Australier mit dabei. „Es ist faszinierend zu sehen, was für eine große Bedeutung Fernando für die Klasse bekommen hat - das Känguru wird behandelt wie ein echter Mitschüler - und wie produktiv und kreativ die Kinder sind.
Der Schatz an Videos und Fotos ist immens groß und ich werde immer die strahlenden Augen des jeweiligen Kindes vor mir sehen, den das Los ermittelt hat“, freut sich Sabrina Sokol. Da es sich um ein „Austauschprojekt“ handelte, reisten im Gegenzug der Husky Slush und das Einhorn Stella nach Kanada bzw. Australien und lernten dort Land und Leute kennen. Ein reger Kommunikationsfluss über Fotos, Videos, Briefe und E-Mails ist hierbei entstanden. Während die Klasse 5d kontinuierlich mit Stella, einer zehnjährigen australischen Schülerin und deren Freundinnen kommunizierte, bekam im zweiten Halbjahr, als alle Schülerinnen und Schüler bereits so viel Englisch gelernt hatten, dass sie selbstständig Briefe und E-Mails schreiben konnten, jedes Mitglied der Klasse 5c sogar einen individuellen kanadischen Briefkontakt. Die deutschen Schülerinnen und Schüler stellten den kanadischen und australischen Kindern viele Fragen – natürlich auf Englisch – und beide Seiten lernten viel voneinander. Besonders viel Spaß bereitete der 5c das Betrachten der verrückten Frisurkreationen ihrer kanadischen Freunde, die diese am „Crazy Hair Day“ an der Helen Gorman Elementary präsentierten und beide Klassen erfuhren gespannt, wie man in Kanada oder Australien Weihnachten, Halloween und andere Feste feiert.
Die Klasse 5d war sehr überrascht, wie lange ein Paket von Australien nach Deutschland braucht und dass man keine Lebensmittel nach „Down Under“ schicken darf. Alle wunderten sich, dass Stella mit ihrer Gastfamilie an Weihnachten draußen grillte und dass ihre Gastgeberin Ende Januar bei 40 Grad Celsius ihre Geburtstagsparty feierte. Auch davon, dass die zehnjährige Australierin in einem Zoo gemeinsam mit vier weiteren Kindern und einem Tierpfleger eine echte Python halten durfte, waren alle sehr beeindruckt.
Beim Austausch über Partyspiele und Rezepte wurden einige Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Insgesamt stellte man fest, dass die Kinder in Nordamerika und Australien dieselben Dinge bewegen, wie unsere Schülerinnen und Schüler selbst.
Am Ende des Schuljahres bemerkten alle erstaunt, wie schnell das erste Jahr am KSG vergangen war. Die Klasse 5c bedauerte, dass für Maple und Sugar die Zeit für ihren Heimflug gekommen war. Dieses Mal erfolgte die Rückreise aber nicht in einem Paket, sondern in Frau Bermels Koffer. Sie nutzte die Gelegenheit, die kanadische Partnerklasse und ihre engagierte Lehrerin Carol Lee Sproule in den Sommerferien persönlich kennenzulernen. „Nach all den positiven Erfahrungen im Laufe des Schuljahres war der Besuch unserer kanadischen Freunde, mit denen ich einen Tag in der Schule und einen Wandertag im Bowlingcenter verbringen durfte, das Highlight zum Abschluss des Projektes. Die Begeisterung auf beiden Seiten war so groß, dass ich für das nächste Schuljahr mit Marty the Moose – einem kleinen Elch – direkt einen neuen Gast aus British Columbia mit ans KSG bringen durfte,“ äußerte sich Frau Bermel begeistert nach ihrer Rückkehr.
Austauschprojekt soll weiter geführt werden
Fest steht: aufgrund der vielen positiven Erfahrungen geht der Kuscheltieraustausch auch im Schuljahr 2018/2019 weiter. Frau Bermel wird das Projekt mit Marty the Moose und einer neuen kanadischen Klasse über Videos auf andere Lerngruppen verschiedener Altersstufen ausdehnen, während Fernando von Andernach und Stella von Adelaide aus die Klasse 5d auch im neuen Schuljahr begleiten werden. Neben dem unbezahlbaren Mehrwert emotionaler und kultureller Art, den das Projekt bisher lieferte, ließen sich alle thematischen Aspekte, die im Englischbuch der Fünftklässler behandelt werden, wie zum Beispiel Hobbys, Freizeitaktivitäten, Schulalltag und Feste bestens integrieren und der im Lehrbuch vorkommende Wortschatz erfuhr praktischen Nutzen.
Alle „alten“ und „neuen“ Projektteilnehmerinnen und –teilnehmer freuen sich auf ein weiteres Jahr der Völkerverständigung.
Pressemitteilung des
Kurfürst-Salentin-Gymnasiums
