Stadtorchester Andernach „machte die Leinen los“
Zwölf ausgesuchte Werke begeisterten das Publikum
Bereits im 30. Jahr wurden Frühlingskonzerte in der Mittelrheinhalle vorgetragen
Andernach. Bei soliden zweistelligen Außentemperaturen hieß es vor exakt drei Monaten an gleicher Stelle „Willkommen zum Adventskonzert“. Ende März nun lud das Stadtorchester Andernach zu seinen inzwischen 30. Frühlingskonzerten in die Mittelrheinhalle, in deren Garderobe sich zahlreiche Wintermäntel ansammelten. Denn während draußen Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten, tat das Stadtorchester drinnen gut daran, sein Publikum auf warme Gedanken zu bringen und zumindest den kalendarischen Frühling musikalisch zu begrüßen.
Zwölf ausgesuchte Werke hatten es diesmal ins Programmheft geschafft. Thematisch standen die Konzerte in Anlehnung an das Andernacher Naturwahrzeichen, den Geysir, unter dem Motto „Wasser“. Nachdem unter Aufforderung des moderierenden Conferenciers Helmut Jäger sprichwörtlich die Schalmeien gestimmt wurden und der „Herr der sieben Meere“, Stadtkapellmeister Bertram Kleis, vor sein Orchester getreten war, begann sich der Liederbogen zu spannen. Von der Filmmusik „Sea Hawk“ des österreichischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold hin zum Operettenstück „Matrosenchor“ aus der Feder Richard Wagners. Dazwischen kamen die Zuhörer in den Hörgenuss der „Geysir-Sinfonie“, deren Komposition 2006 auf Anregung von Bertram Kleis in Auftrag gegeben und am 1. Juli gleichen Jahres vom Stadtorchester uraufgeführt wurde. Leichte Unterhaltungsmusik stellte auch die Suite „The Irish Washerwoman“ dar, die vom beliebten irischen Komponisten Leroy Anderson stammt. Im Kontrast dazu stand die bedrückende Melodie des Filmklassikers „Das Boot“, die das Ensemble auf imposante Weise atmosphärisch dicht greifbar machen konnte. Und bevor die Konzertpause eingeläutet wurde, erbrachte der städtische Klangkörper noch einen „Gruß an Kiel“ (Friedrich Spohr), noch heute einer der beliebtesten Militärmärsche Deutschlands.
Leinen los und Anker lichten!
Damit das Stadtorchester auch im zweiten Konzertabschnitt klangvoll auf hohe See hinaus segeln konnte, hieß es alsbald „Leinen los“ und „Anker lichten“: „Anchors aweigh“, die inoffizielle Hymne der US Navy, war das treffliche Stück Musikgeschichte dazu, komponiert von Charles Zimmermann. Das anschließende Stück „Fluch der Karibik“ war kein Fluch, sondern Segen für Freunde der modernen Filmmusik, die mit Klaus Badelt einen hochbegabten Vertreter hervorgebracht hat, der vor allem mit dem Hauptthema dieses Werkes beeindruckt. Mit dem traditionellen Shanty „What Shall We Do With The Drunken Sailor“, bei dem die Musiker auch ihr Gesangstalent unter Beweis stellten und einem Medley gewidmet Ariel der Meerjungfrau („Little Mermaid“, Alan Menken) wagte sich das Stadtorchester an das meist gespielte Lied der Welt: „La Paloma“, dessen Wurzeln in Kuba zu finden sind und auf Sebastián de Yradier zurückgeht, wurde inzwischen tausende Male bearbeitet und abgewandelt. Auch die Andernacher Version vom vergangenen Wochenende verstand es, Sehnsüchte und Wunschträume in der Musik spürbar zu machen. Den eigentlichen Schlusspunkt setzte das Orchester mit all seinen Solisten dann mit „Watermelon Man“ und dessen beschwingt jazzigen Sound, den die „Tubafraktion“ publikumsnah in Szene setzte.
Doch das war es noch nicht ganz: „Warum ist es am Rhein so schön?“, „Muss i denn zum Städtele hinaus“ und Deep Purples „Smoke on the water“ gab es als Zugaben noch obendrauf und stellten ein letztes Mal die Wandlungsfähigkeit der Orchestergruppe dar, dessen Anhang erwartungsgemäß viel Applaus spendierte. „Sie können sich immer wieder nochmal steigern“, meinte mit Matthias Busenkell ein Stammgast im Foyer vor dem Nachhauseweg. „Besonders gut“, gefielen der aus Norddeutschland stammenden Friedel Schütte die „nordischen Lieder“. „Erfreut, dass sich auch immer mehr junge Menschen dem Orchester anschließen“, zeigte sich Mathilde Schmidt aus Andernach, wie so viele nicht zum ersten Mal zum Besuch beim Frühlingskonzert. Und bestimmt wie so viele auch nicht zum letzten Mal
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Das Stadtorchester begrüßte den Frühling auf musikalische Art.
Die Klarinetten-Abteilung des Stadtorchesters.
„Schiff ahoi“ rief Moderator Helmut Jäger im weißen Kapitänsoutfit aus.
