Politik | 25.03.2014

Generalversammlung des Kreisbauern- und Winzerverbandes Ahrweiler

Abschied nach 33 Jahren

Landrat Pföhler dankte dem Kreisvorsitzenden Hans Boes für seine langjährige Arbeit

Zur Generalversammlung von Hans Boes (3.v.re.) als Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbandes kamen zahlreiche Honoratioren nach Dernau. JOST

Dernau. Dass er an diesem Tag überhaupt bei der Generalversammlung des Kreisbauern- und Winzerverbandes Ahrweiler seine Abschiedsrede halten könne, habe er einer ganzen Reihe von Schutzengeln zu verdanken, gab der Vorsitzende Hans Boes zu.

Landjugendgruppe gegründet

Nach 33 Jahren an der Spitze des 951 Mitglieder starken Verbandes musste er aus Altersgründen laut Satzung sein Amt niederlegen, an diesem Samstag soll sein Nachfolger gewählt werden. So war dies seine letzte Versammlung als Kreisvorsitzender. Der Beifall der gut 200 Mitglieder im „Culinarium“ der Weinmanufaktur Dagernova in Dernau machte noch einmal deutlich, dass die Bauern und Winzer im Lande es sehr schade finden, mit ihm einen streitbaren Fürsprecher ihrer Interessen zu verlieren. Als Ehrengäste begrüßte Boes unter anderem Landrat Dr. Jürgen Pföhler, den Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Leo Blum, und den Vizepräsidenten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Heribert Metternich. Seinen besonderen Dank galt seinen „lebenden Schutzengeln“, den Medizinern Dr. med. Gerhard Kreuter und Dr. med. Klaus Prenzel vom Bad Neuenahrer Krankenhaus. „Ihnen habe ich zu verdanken, dass ich heute hier stehen darf“, rief Boes unter starkem Beifall. So habe er auch noch erleben dürfen, dass einer seiner großen Träume letztlich doch in Erfüllung gegangen sei: Vor wenigen Tagen wurde eine Landjugendgruppe im Kreis Ahrweiler gegründet, die sich gleich engagiert an die Arbeit begebe, wie das bei Landwirten nun einmal üblich ist. Landrat Pföhler betonte, er sei erstmals als Vertreter eines Mitgliedsanwesen, denn der Kreis Ahrweiler seit 2013 die Bauern- und Winzerverband beigetreten. „Wir sind damit der einzige Landkreis Rheinland-Pfalz, wenn nicht gar in ganz Deutschland, der Mitglied in diesem Verband ist. Das ist ein starkes Signal, dass wir fest hinter unsere Bauern und Winzer stehen und deren enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung anerkennen“, sagte er.

Rasante Entwicklung

Von den fast 800 Quadratmetern Fläche des Kreises würden immerhin rund 32 Prozent landwirtschaftlich genutzt. In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich alle Lebensbereiche rasant weiterentwickelt, gerade in der Landwirtschaft, aber auch im Weinbau seien die Auswirkungen des technischen Fortschritts zu spüren. Vor 30 Jahren habe ein Landwirtschaftsbetrieb durchschnittlich zehn Hektar Fläche bewirtschaftet, heute seien es mit 33 Hektar mehr als das Dreifache. Den scheidenden Vorsitzenden bezeichnete Pföhler als „Urgestein der Ahrweiler Land- und Weinwirtschaft“, der in seinen 33 Jahren als Kreisvorsitzender und als ehemaliger Vizepräsident des Gesamtverbandes vieles für die hiesige Region und den Berufsstand bewirkt habe. „Du hast den Bauern Stimme und Gesicht gegeben“, rief Pföhler, und fasste die Eigenschaften von Hans Boes so zusammen: „Handelnd, zupackend, nach zukunftsfähigen Lösungen suchend – so, lieber Hans, kennt man dich.“ Diese Eigenschaften seien in seiner Position besonders wichtig gewesen, denn Deutschland befinde sich in einem starken Umbruch von der Agrar- und Industriegesellschaften zur Dienstleistungsgesellschaft.

Unkonventionelle Wege

Boes habe über drei Jahrzehnte hinweg die vielfältigsten Veränderungen und Entwicklungen unmittelbar vor Ort und damit quasi an vorderster Front begleitet. Er habe den Strukturwandel erlebt und erfahren und dabei unzähligen Berufskollegen mit Rat und Tat vorbildlich zur Seite gestanden. „Wenn es um die Interessen unserer Landwirte ging, hat Hans Boes gerne auch einmal unkonventionelle Wege eingeschlagen“, erinnerte Pföhler unter anderem an die Proteste gegen den Verfall des Milchpreises in Ahrweiler, das vehemente Engagement für den Erhalt der alten Weinbergsterrassen und gegen das Kirr- und Fütterungsverbot beim Wild. „Nicht nur was du gemacht hast, sondern auch wie du es gemacht hast, wird in Erinnerung bleiben“, sagte er voraus. Nicht zu vergessen seine Radiobeiträge als „Wetterbauer“, hier habe er mit Lebenserfahrung, Sachverstand und Naturkenntnis seiner Vorhersagen immer auf eine humorvolle Weise vorgetragen. „Ich weiß nicht, wie oft du recht hattest – aber ich habe dir immer geglaubt“, schmunzelte Pföhler. Auch damit habe er seinem Berufsstand alle Ehre gemacht und zugleich Werbung für den Kreis und die ganze Region.

Prosperität und Nachhaltigkeit

Hauptredner der Generalversammlung war der ehemalige Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Helmut Born. Bei seinem Vortrag zum Thema „Interessen der Bauern verteidigen – Rückblick und Ausblick“ spannte er einen weiten Bogen von der BSE-Krise bis zur europäischen Agrarpolitik. In den vergangenen drei Jahrzehnten habe die Landwirtschaft einen großen Strukturwandel durchgemacht, der noch lange nicht am Ende angelangt sei. „Noch haben wir eine Landwirtschaft, die die Balance schafft zwischen wirtschaftlicher Prosperität und dem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen, und die die Versorgungssicherheit gewährleistet, ohne der Globalisierung auszuweichen“, stellte Born fest. Die gesamte Produktionskette von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen biete in Deutschland fünf Millionen Menschen eine berufliche Perspektive. Er machte aber auch deutlich: „Mit freundlichen Landschaftspflegern und Nischenproduzenten auf Exklusivmärkten allein wird sich diese Dimension nicht halten lassen.“ Der Bauer von heute stehe mit beiden beiden auf dem Acker, im Weinberg oder im Stall, aber so lange Nachhaltigkeit und Artenschutz nur in Deutschland konkret gelebt würde, brauche man entweder eine Angleichung dieser Standards weltweit oder die Kompensation der Mehrkosten, die der heimischen Landwirtschaft durch überzogene Vorschriften entstünden.

Zur Generalversammlung von Hans Boes (3.v.re.) als Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbandes kamen zahlreiche Honoratioren nach Dernau. Foto: JOST

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  • K. Schmidt: Richtig. Und dann weiter unten im Kreisel, wo der Radweg wenn man Richtung Neuenahr will die Ausfahrt kreuzt, kapieren gefühlte 90% der Radfahrer nicht, dass sie an der Stelle keine eingebaute, automatische...
  • Kiefer: Wenn ich sehe wie viele von Landershofen runter nach Ahrweiler ohne Beleuchtung fahren dann wird es mir schlecht. Jeden Morgen dasselbe Spiel

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  • Ulrich Manns : Sehr beeindruckend das Engagement! Eine schöne Kultur, die man unbedingt unterstützen sollte. Danke an alle Beteiligten ???
  • Anne: Wie gut, das jetzt keine Dorfkirmes ist am 19. Januar. Da gäbe es dann eher ein traditionelles Hahneköppen in ausgelassener Stimmung unmittelbar neben dem Tatort anstatt einer Mahnwache…
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