Lokalsport | 16.07.2013

SG Bad Breisig wird 25 Jahre alt

Als Nicole Struse noch das Bad Breisiger Tischtennisteam „verstärkte“

Heute hat die Abteilung Sorgen - Mit Schnuppertraining beim Jubiläum in eine bessere Zukunft

Volker Lange (Mitte) ehrt die Stadtmeister der vergangenen Titelkämpfe. Rechts neben dem Abteilungsleiter steht Robert Hoss. privat

Bad Breisig. Am 18. August feiert die SG Bad Breisig zusammen mit ihren rund 600 Mitgliedern und hoffentlich einem Großteil der Bevölkerung ab 11 Uhr im Rheintalstadion ihr 25-jähriges Bestehen. Dabei präsentieren sich alle Abteilungen und machen durch spezielle Angebote für Anfänger und Fortgeschrittene auf sich aufmerksam. Mit dabei sind im Stadion mit Schnupperkursen für Jung und Alt natürlich auch die Tischtennissportler. Und die wissen auch vom Lauf ihrer 52-jährigen Geschichte in der Badestadt von Höhepunkten und auch von Tiefschlägen zu berichten. Einer Geschichte, die von 1961 bis 1988 bei den Sportfreunden Germania 1921 Oberbreisig, und ab 1988 dann bei der SG Bad Breisig mit interessanten und lustigen Begebenheiten gefüllt wurde.

Einer der 1961 bereits dabei war ist Robert Hoss, und darf somit getrost als einer der „Väter des Bad Breisiger Tischtennis“ bezeichnet werden. Hoss zählte zu den 13 Freunden des kleinen weißen Balles, die am 23. Mai eine Tischtennisabteilung unter dem Mantel der „Germania“ gründeten. Robert Hoss erinnert sich: „In „Honnefs altem Saal“, heute bei „Olgas St. Viktor“, wurde eifrig trainiert - auf einer von „Schäfers Hein“ gefertigten, giftgrün mit superschnellem Lack versehenen und auf Holzblöcken stehenden Platte. Und dann startete die erste Oberbreisiger Tischtennis-Mannschaft im September in die Meisterschaftssaison. Dazu gab es dann zwei neue Tische vom Verein und trotzdem ging die Partie gegen CfT Sinzig V knapp mit 4:7 verloren.“

Zuwachs in den 60er Jahren

Damals, so Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre und auch in der Folgezeit führte der Weg der Abteilung kontinuierlich nach oben. 1965 löste sich die Tischtennisabteilung des TV Niederbreisig auf und viele Spieler schlossen sich den „Germanen“ an und 1968 spielten drei Mannschaften in Bezirksklasse, A- und B-Kreisklasse. „Und dann begann der Aufstieg der Tischtennis-Jugend bis zu einer führenden Position im Kreis“, so Hoss. Kreis- und Bezirksmeister, Bezirks- und Rheinlandpokalsieger tummelten sich in den Reihen der Germania. Höhepunkt waren sicherlich die Erfolge der Mädchenmannschaft, die bei den Südwestpokal-Meisterschaften einen hervorragenden zweiten Platz belegten und die als Damenmannschaft in die höchste Klasse des Verbandes, die Rheinlandliga, aufsteigen konnten. Zu den Höhepunkten dieser Zeit gehörten auch die Besuche beim befreundeten Berliner Sportverein BSC Rehberge mit etwa 40 Abteilungsmitgliedern in der damals noch geteilten Stadt. Und Robert Hoss erinnert sich an ein „Abenteuer“ mit Nicole Struse, die des Öfteren ihre Mutter in Bad Breisig besuchte und dann auch im Verein trainierte. „Die hatte damals erstmals die Deutsche Meisterschaft gewonnen und wir reisten zum jährlichen Aufeinandertreffen nach Niederdürenbach. Dort fragten wir, ob das Mädchen mitspielen könne, da viele unserer Spieler in Urlaub seien. Als das Spiel dann rum war, und Nicole gerade so viel gemacht hatte, wie sie zum Sieg tun musste, haben wir unsere Niederdürenbacher Freunde beim gemütlichen Beisammensein aufgeklärt. Klar, dass aus einem Bierchen dann mehrere wurden.“

Damals, das war die Bad Breisiger Tischtenniswelt noch in Ordnung. Die Jugendarbeit trug Früchte und die Jugendlichen fanden ihre Heimat in den Seniorenmannschaften. Doch dann mussten erstmals Spitzenspieler von „auswärts“ verpflichtet werden, um den Verbleib in der Bezirksliga zu sichern. Daran änderte auch der Zusammenschluss zur SG Bad Breisig 1888 nichts mehr: Die Zeiten, in denen die Sporthalle beim Trainern für die Schüler und Jugendlichen zu klein war und zwölf Tische zu wenig waren, die gehörten der Vergangenheit an.

Nachwuchs wird benötigt

40 Jahre als Funktionär , Spieler , Betreuer - also überall da, wo Not am Mann war - waren für Hoss dann genug und er beobachtet besorgt, wie sich Tischtennis mehr und mehr zur „Randsportart“ entwickelt. Und das sieht auch Volker Lange, der jetzt die Abteilung leitet, ähnlich. Und beide stimmen überein: „Dem Tischtennissport fehlt es zurzeit nicht an Persönlichkeiten aus sportlicher Ebene. An der Basis fehlt es an ehrenamtlichen Helfern, die sich im Verein engagieren.“ So kommt es, dass die SG-Abteilung zurzeit mit drei Herrenmannschaften in den Kreisklassen vor sich hin dümpelt. Die Spitzenspieler wechseln zu Vereinen, wo sie mehr gefordert werden und sich weiter entwickeln können, und was die Jugend anbetrifft, da tut sich im Moment gar nichts. Robert Hoss: „Das Problem ist gravierend. Wir sind eine relativ alte Truppe und wir sterben so langsam aus. Nachwuchs ist nicht in Sicht und es fehlt auch an Leuten, die sich intensiv darum kümmern. Das alles ist ein Problem der Gegenwart und unserer schnelllebigen Zeit.“

Die Richtigkeit dieser Aussage ergänzt Volker Lange: „Vor fünf Jahren hatten wir eine Kooperation mit der Schule für die Ganztagskinder. Das Tischtennis-Angebot schlug ein wie eine Bombe und wir hatten zum Teil 60 Jugendliche um die Platten. Da konnte Michael Lohner und einige Helfer die Arbeit mit den Kids noch mit seinem Beruf vereinbaren. Doch als das nicht mehr ging, da platzte die Bombe wie eine Seifenblase. Danach ging es rapide bergab bis heute zum Nullpunkt.“ Das soll sich jedoch spätestens mit dem Vereinsjubiläum wieder ändern. Hier werden die Tischtennissportler aus der Badestadt mit Schnupperkursen im Stadion auf sich aufmerksam machen. Windgeschützt natürlich und mit Angeboten für alle, die einen Schläger halten und das mit Bewegung und Freude am Sport verbinden wollen. Darüber hinaus stehen die Aktiven der Abteilung zum Smalltalk zur Verfügung und versuchen darüber, dem Sport mit dem kleinen weißen Ball in der Badestadt wieder die Bedeutung zu verschaffen, die aus der Tradition erwachsen ist und da nicht stehen bleiben darf.TER

Nicole Struse, mehrfache deutsche Meisterin und Olympiateilnehmerin - hier mit ihrem Trainer Dennis Leicher beim Bundesligisten TTC Kroppach - „verstärkte“ die Bad Breisiger beim Sieg in N iederdürenbach.

Nicole Struse, mehrfache deutsche Meisterin und Olympiateilnehmerin - hier mit ihrem Trainer Dennis Leicher beim Bundesligisten TTC Kroppach - „verstärkte“ die Bad Breisiger beim Sieg in N iederdürenbach.

Volker Lange (Mitte) ehrt die Stadtmeister der vergangenen Titelkämpfe. Rechts neben dem Abteilungsleiter steht Robert Hoss. Fotos: privat

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