Spektakuläres Eröffnungskonzert zur „Nacht der Vulkane“
Alte Klänge im historischen Mauern
Englischer Kammerchor „Alamire“ begeisterte das Publikum in der Abteikirche Maria Laach
Maria Laach. Bevor sie gemeinsam mit zahlreichen Besuchern des Eröffnungskonzerts der Kultur- und Erlebniswoche „Nacht der Vulkane“ am vergangenen Sonntagabend in der Abtei Maria Laach einen wahren Ohrenschmaus erleben durften, hieß Bürgermeister Johannes Bell (Verbandsgemeinde Brohltal) in der Villa Reuther zahlreiche Politiker - darunter den Landtagsabgeordneten Marc Ruland, den Beigeordneten des Kreises Ahrweiler Fritz Langenhorst, die Bürgermeister, Beigeordnete und weitere Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Laacher See - sowie als Vertreter der Sponsoren Stefan Weber (Kreissparkasse Mayen), Sascha Monschauer (Volksbank RheinAhrEifel) sowie Dietmar Reuter und Albert Nies von der Meurin GmbH herzlich willkommen. Bell bedankte sich bei den Gastgebern Nela und Marc Seiler, die ihre Gäste gemeinsam mit Frank Post durch die Ausstellungsräume der Villa Reuther führten. „Die vielen außergewöhnlichen, von Schreinermeister Marc Seiler kreierten Möbel und Wohnaccessoires machen den von der Firma Seiler von Grund auf sanierten Altbau zu einem wahren Schmuckkästchen“, so Johannes Bell, der den Gästen des Abends noch einmal das Programm der achten Nacht der Vulkane vorstellte.
Im Anschluss begab die Gruppe sich in die voll besetzte Abteikirche, wo Abt Benedikt Müntnich die zahlreichen Konzertbesucher herzlich willkommen hieß. „Heute Abend geht es um zweierlei: Zum einen um das Rhein-Vokal-Konzert, das dieses Jahr zum neunten Mal stattfindet und als Highlight im sommerlichen Rheinland-Pfalz gilt, und zum anderen beginnt mit diesem wunderbaren Konzert die Kultur- und Erlebniswoche Nacht der Vulkane, die es bereits seit zehn Jahren gibt“, so Abt Benedikt, der die Besucher mit dem Zitat „Musik stammt aus den himmlischen Sphären“ von Hildegard von Bingen auf den Abend einstimmte.
Unter dem Titel „Vokalmusik von Palestrina“ intonierte sodann der englische Kammerchor „Alamire“ unter der Leitung von David Skinner Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina. „Paradigma affectus amoris - Inbegriff des Affekts der Liebe“, so nannte der jesuitische Gelehrte Athanasius Kircher 1650 Palestrinas Vertonung des Hohelieds. Der Römer, den bereits seine Zeitgenossen nach seiner Vaterstadt Palestrina benannten, veröffentlichte diese Hohelied-Vertonung 1584 als viertes Buch seiner fünfstimmigen Motetten, gewidmet Papst Gregor XIII. Im Konzert intonierte „Alamire“ sechs Motetten aus dieser Sammlung, eingebettet „Missa Nigra sum“. Zu Beginn des Konzerts erklang jene Motette von Jean Lhéritier, die Palestrina in allen Teilen seiner Messe verarbeitet hat. „Nigra sum, sed formosa - schwarz bin ich, doch schön“, sagt die orientalische Geliebte des Königs Salomon im Hohelied des Alten Testaments. Was ursprünglich ein Zyklus erotischer Gedichte war, wurde in einen heiligen Text umgewandelt und von der Kirche auf die Jungfrau Maria bezogen. Zum Abschluss des für viele Besucher unvergesslichen Abends sangen die englischen Gäste das „Surge, propera“, bei dem es sich um ein „Abbild liebender Ungeduld“ handelte.
Das 2005 gegründete Ensemble „Alamire“ besteht aus exzellenten Consort-Sängern und wird von David Skinner geleitet. Wechselnde Ensemblegröße, entsprechend den aufzuführenden Werken und gelegentliche Hinzuziehung von Instrumenten sind charakteristisch für den Klangkörper. Inzwischen gilt das Ensemble als einer der Sterne am Himmel der englischen Chorszene. David Skinner ist ein renommierter Wissenschaftler, der mit zahlreichen Ensembles der Frühen Musik in England gearbeitet hat. „Alamire“ gründete er als Fortsetzung seiner Forschungsarbeit, was ihm eine Ausweitung seiner musikalischen Aktivitäten erlaubte. Heute unterrichtet Skinner am Sidney Sussex College in Cambridge, leitet den dortigen Chor und arbeitet darüber hinaus auf der ganzen Welt mit hochkarätigen Chören. Er hat zahlreiche Artikel über Musik und Musiker der Tudor-Epoche veröffentlicht und bereitet zurzeit die Veröffentlichung der lateinischen Kirchenmusik von John Sheppard vor.
Zum Abschluss des von einer Pause unterbrochenen, etwa 90 Minuten währenden Konzerts bedankte „Alamire“ sich für den rauschenden Applaus des Publikums mit einer von der Fünfstimmigkeit in die Sechsstimmigkeit wechselnden Zugabe, die wiederum mit Standing Ovations beantwortet wurde. Unisono vertraten zahlreiche Konzertbesucher die Meinung: „Das war eine Musik - wie geschaffen für Maria Laach.“
