Lokalsport | 30.06.2014

Brohltaler Radsportler bezwangen den Mont Ventoux

„Atemlos durch die Nacht“

Das Team der „sechsmaligen Ventoux-Bezwinger“ bestand aus Ralf Kaltz, Frank Klotz, Marco Bastiaansen, Lothar Meinert, Uwe Schmitz, Jörg Breuer und Rüdiger Dehesselle.privat

Weibern/Kempenich. Den mit 1911m hohen „Riesen der Provence“ nahmen Marco Bastiaansen (Weibern), Ralf Kaltz (Kempenich), Frank Klotz (Sinzig), Uwe Schmitz und Jörg Breuer (beide Remagen-Kripp) gleich sechsmal hintereinander unter die Räder. Die Herausforderung bestand darin, auf dem Weg von den Startorten Bedoin, Malaucéne und Sault Richtung Gipfel die Gesamtdistanz von 290 Kilometern bei 9000 Höhenmetern innerhalb von 24 Stunden zu bewältigen und damit in den exklusiven Club des Cinglés du Mont Ventoux („Club der Verrückten“) aufgenommen zu werden. Nach intensiver Vorbereitung machte sich die Gruppe gemeinsam mit ihren Betreuern Lothar Meinert (Sinzig) und Rüdiger Dehessele (Kripp) bereits um 4.30 Uhr morgens zur „Grand Départ“ von Bedoin auf den Weg Richtung Gipfel. Obwohl der Mistral, der gefürchtete Nordwestwind an diesem Tag ausblieb, hatten die Sportler dennoch mit extremen Witterungsbedingungen zu kämpfen. So kletterte das Thermometer im Laufe des Tages über 30 Grad im Tal, während die Gipfelregion mit maximal 8 Grad kühl blieb. Demzufolge musste während des Verlaufs immer wieder warme und winddichte Kleidung angelegt werden. Auf den langen Abfahrten galt es, stets die Konzentration zu behalten, da bei Spitzengeschwindigkeiten von über 100 km/h immer wieder mit plötzlich auftretenden Windböen zu rechnen war und für teilweise abenteuerliche Fahrmanöver sorgten. Nicht wenige Radtouristen schoben daher ihr Zweirad bergab, nachdem sie zuvor mit viel Mühe die reichlichen Höhenmeter bewältigt hatten. Maßgeblichen Anteil am Gelingen der Aktion hatten die „Edelhelfer“ Lothar und Rüdiger im Materialwagen. Sie sorgten mit den typischen Radfahrersprüchen für die nötige Motivation und gute Laune sowie für die Verpflegung bis in die späten Abendstunden hinein. Bedingt durch die steigende Belastungsdauer und den ständigen Zeitdruck bröckelte die Gruppe nach und nach auseinander. Während sich Frank geplagt durch Magenprobleme als Einzelkämpfer aber innerhalb der Karenz ins Ziel kämpfte, musste Jörg den immensen Anforderungen Tribut zollen und gab entkräftet auf. Marco, Ralf und Uwe fanden indes einen guten Rhythmus und konnten die Distanz gemeinsam zu Ende fahren. Ein ganz besonderes und unvergessliches Highlight bildete die abschließende sechste Auf-und Abfahrt. Da man die Fahrradlampen versehentlich im Quartier zurückgelassen hatte, wurden die Sportler von der einsetzenden Dunkelheit überrascht. Mehrere Kilometer musste das Trio unter freiem Sternenhimmel bei der Auffahrt von Sault zurücklegen, ehe der Begleitwagen wieder zur Verfügung stand. Im Scheinwerferlicht des Autos ging es dann Richtung „Sommet“. „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer dröhnte es dabei mit voller Lautstärke aus dem Autoradio und pushte die Drei ein letztes Mal auf den Gipfel. Um 23.30 Uhr war es dann geschafft. Zum Entsetzen der dort parkenden Wohnmobilisten wurde der Gipfelsturm mit lauten Jubelschreien gefeiert.

Für zusätzliche Glücksgefühle sorgte das wahrlich atemberaubende Panorama mit den Lichtern der Provence. Auch bei der letzten Abfahrt zum Startort Bedoin blieb den Sportlern das Glück treu und sie erreichten schließlich um 0.20 Uhr nach fast 19 Stunden wieder ihr Quartier. Die After-Race-Party musste dann aber wegen kollektiver Übermüdung ausfallen und wurde auf den Folgetag verlegt.

Das Team der „sechsmaligen Ventoux-Bezwinger“ bestand aus Ralf Kaltz, Frank Klotz, Marco Bastiaansen, Lothar Meinert, Uwe Schmitz, Jörg Breuer und Rüdiger Dehesselle.Fotos: privat

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