Politik | 16.07.2013

Barrierefreies Rheinufer

Von Seiten des Bad Breisiger Stadtrates wurde beschlossen, die Bachstraße wie aber auch die Rheinpromenade neu zu gestalten. Diese Unternehmung würde vom Land nach dem Förderplan „Aktive Stadt“ mit 75 Prozent bezuschusst, wobei aber die Differenzzahlung (als den Anteil den die Stadt selbst aufbringen muss) jedoch noch ganz erhebliche Sorgen bereiten wird. Wohl niemand würde und könnte zudem irgendwelche Einwendungen gegen eine Neugestaltung der Bachstraße einlegen, was jedoch nicht bedeuten darf den Ausbau der Rheinpromenade hinten an zustellen, was einmal existentiell betrachtet ein sehr großer Fehler wäre. Eine Erweiterung der Bad Breisiger Vorzeigemeile wäre nur so zu erklären, dass man hierzu auch die beiden uralten Wege (einstmals der frühmittelalterlichen Treidelstrecke zugehörig), die in den Bereich der Personenfähre einmünden, jetzt einer anderen Zweckbestimmung zuführt. Dieser Plan ist alleine schon damit zu begrüßen, weil er unbestritten mit dazu beiträgt, den bestehenden Engpass der Rheinpromenade zu entschärfen und den vielen Radfahrer einen Umgehungsweg anzubieten. Ob dies den dortigen Gastronomen auch so recht ist, ist eine ganz andere Frage. Aber allem voran wäre ja erst mal zu klären, ob dieses bundeseigene Land überhaupt baulich verändert werden darf, denn hierüber entscheidet ja das Wasser- und Schifffahrtsamt in Bingen, das sich sicherlich schwer tun wird, hier zu allem eine Genehmigung zu erteilen. Eine Veränderung dieser brachliegenden Fläche ist übrigens kein ganz neuer Plan, denn wir hatten hierüber bereits in den sechziger Jahren im vormaligen Kur- und Fremdenverkehrsausschuss, in dem ich langjährig tätig war, diskutiert. Wobei damals die Strombau-Verwaltung nicht mitzog. Vielleicht würde es Sinn machen, wenn man diese Strecke als eine barrierefreie Zuwegung für schwerbehinderte Menschen auf dem Weg zur Personenfähre ausweisen würde. Es ist doch schon ein wahres Unding, dass Behinderte mit ihrem Rollator oder mit dem Rollstuhl nicht mehr ihr vis-a-vis Bad Hönningen besuchen können, weil ihnen unüberwindbare Hindernisse hier vor Ort im Wege stehen. Derselbe Personenkreis aus Bad Hönningen kann zwar einigermaßen barrierefrei auf den dortigen Anlegersteg der Personenfähre gelangen, was ihnen aber gar nichts nützt, denn hier angekommen steht ihnen eine Barriere gegenüber, die sie mit ihren Hilfsgeräten nicht überwinden können. Man kann davon ausgehen, dass hiervon im Großraum von Bad Breisig etwa 400 behinderte Menschen betroffen sind. Im Großbereich von Bad Hönningen dürfte die Personenzahl nicht viel anders sein. Wobei die Bade- und Feriengäste hierin noch gar nicht enthalten sind. Man sollte diese Angelegenheit auch einmal unter einem anderen Aspekt betrachten, denn erwiesenermaßen hinken wir im Rheinland in der Tourismusbranche den südlichen Urlaubsländern hinterher, was auch mit der Rheinromantik oder etwa mit der von der Bad Hönninger Tourist-Info angesprochenen Premium-Wanderwegen nicht wettzumachen ist. Was aber dagegen bedeutend mehr bringen würde, das wäre eine großangelegte Werbung mit Barrierefreiheit, was andere Kur- und Ferienorte im Lande mit Erfolg unternehmen. Dies kommt besonders bei Menschen mit Behinderung gut an. Man braucht doch nur einmal einen Blick in den Annoncenteil vieler Zeitschriften zu werfen, um zu erkennen, wie groß die Anzahl von Kur- und Ferienorten bei uns im Lande ist, die schon lange erkannt haben, dass man mit barrierefreien Wegen eine gute Werbung machen kann. Hier ist nämlich ein ganz neuer Markt entstanden, der sich auch für unsere Badestadt eröffnen ließe, und dabei auch sicherlich wieder manchen Euro in die hiesigen Geschäftskassen fließen ließe. Allem aber voran könnte man damit den schwerbehinderten Menschen wieder ein bisschen ihrer verlorengegangenen Lebensqualität zurückgeben. Dies ist ja übrigens ja auch ein festgeschriebenes Grundsatzprogramm der hier tätigen Sozialverbände, die im Stadtrat und in wichtigen Gremien personell besetzt sind und folglich auch mit Nachdruck an die Sache „Barrierefreiheit“ mal herangehen sollten.

Adolf Zeitz, Bad Breisig

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