Dritter Mundartwettbewerb der Sparkassenstiftung „Zukunft Kreis Ahrweiler“
Benneleschüez erwies sich als nützlich
Jutta Bell, Herbert Engel und Dieter Koll sind Spitze - 300 Gäste hörten begeistert „Wat Junge un Ahle verzälle“
Ahrkreis/Leimbach. Proppenvoll wurde es zu Recht in der Mehrzweckhalle Leimbach, wo KSK-Vorstandsvorsitzender Dieter Zimmermann, „all die, die sich füer de Mundart stark maache“ begrüßen konnte. Mehr als 300 Gäste erlebten den Abschluss des dritten Mundartwettbewerbs, den die Sparkassenstiftung „Zukunft Kreis Ahrweiler“ gemeinsam mit der Wochenzeitung „Blick aktuell“ des Sinziger Krupp Verlags ausrichtete.
Wieder hatten sich viele Dialektkundige für den Wettstreit beworben. „Dat woaren üwwe dressich Teilnehme, Ahle un Junge, jemäß oosem düsjährijem Motto“, freute sich Zimmermann, der allen Anwesenden „vell Freud an oos Mottersprooch“ wünschte. Denn, so Landrat Dr. Jürgen Pföhler, auch Verwaltungsratsvorsitzender der KSK: „Platt ist ein Stück Identität, es ist die Heimat der Menschen, es verbindet die Orte und Alt und Jung.“ Er hätte ebenfalls gerne Herkunftstöne angeschlagen, „aber dann könnten Sie mich nicht verstehen“. Das machte der in Prüm Aufgewachsene am Beispiel „Briedel“ anschaulich. Tatsächlich kannte nur Günther Wolf die Bedeutung „kleine Sau“, was ihm ein Weinpräsent einbrachte.
Kappes un Lappes
Nach diesem launigen Auftakt lauschten die Besucher hellwach den Sonderbeiträgen der Jugend. Tim Esten (Grundschule Niederdürenbach), der keck, halb sprechend, halb singend, sein „Owezesse Büeschelche“ zum Besten gab, folgten Christian Cramer und Nils Assenmacher (Erich-Kästner-Realschule Ahrweiler), die Fernreisenden nach Mallorca, Hawaii und China einmal vor Augen hielten, was den Reiz des Lokalen an der Ahr und in der Eifel ausmacht. Im Sturm eroberte durch seine Kostproben heimischen Zungenschlags der Hönninger Kindergarten Wibbelstätz das Publikum. Aus dem Gewusel auf der Bühne trat ein Knirps nach dem anderen vor, um zu Abbildungen jeweils einen Vers aufzusagen. Als dann bei „Dat os Kappes (Kohl) un dat os en Lappes (Schelm)“ Dieter Zimmermanns Konterfei erschien, johlte der ganze Saal.
Vom Puddelfass bis „O Maria hilf“
Den Reigen der 13 Finalisten, die die Jury (Hildegard Ginzler, Leonhard Janta, Karl-Heinz Kurth, Gerd Schultes, Helmut Schwarz, Gisbert Stenz, Udo Stratmann und Karl-Heinz Sundheimer) unter 34 Teilnehmern von Eifel, Ahr und Rhein ausgewählt hatte, eröffnete Robert Hoß (Bad Breisig) mit „Ä Johr Rentner“, wobei er humorvoll durch die Niederungen unfreiwilligen Müßiggangs führte. Gleichfalls heiter schilderte Helmut Schuld (Gimmigen) eine bei Blitz und Donner erzwungene Beichte „Em Jewidder“ und beleuchtete Margret Nischalke (Ahrweiler) das unsägliche Geschehen um ein totes Kaninchen sowie das Malheur vom umgekippten „Puddelfass“. Ob vom Hörensagen bekannt oder selbst erlebt, das erfuhren die Zuhörer nicht. Uta Assenmacher (Heppingen) allerdings machte keinen Hehl daraus, dass ihre unter dem Stoßseufzer „O Maria Hilf“ vorgetragene Geschichte selbstironisch die eigene Nasen-OP auf die Schippe nahm.
Lang an Text, aber dabei äußerst kurzweilig, weil von einem speziellen komischen Ton durchdrungen, drang Dieter Kolls (Dernau) „Ming Läwwe“ von der Geburt bis zum „ahle Knopp“ ans Ohr. Ganz im Hier und Heute hatte dagegen Helmut Schick seinen Beitrag angesiedelt. Der Altenahrer Mundartsprecher machte einfühlsam Arbeitslosenprobleme „vüür Hillichovend“ zum Thema. Auch die 93-jährige Maria Hilgert (Weiler) zielte auf Aktuelles, indem sie schwungvoll eine Lanze für „üverhand“ nehmende Senioren brach. Mit ihrem Fokus auf Gegenwart und Gesellschaft bildeten Schick und Hilgert jedoch die Ausnahme.
Wenn Dinge reden
Überwiegend hatten die Vortragenden weit zurückreichende Erinnerungen im Gepäck. Manfred Linden etwa ging detailreich auf die Heimersheimer Traubenlese in den 1960ern ein. Rita Kreyer (Dedenbach) ließ teilhaben an dem, was ihr die geliebte Oma alles beigebracht hat und wie fürsorglich sie dem Enkelchen zugetan war. Andere Protagonisten brachten Gegenstände von früher zum Reden. „Meng iersch Rädche“ war ein wunderbares Vehikel, um damit reiche Kindheitserinnerungen zu transportieren, wie Herbert Engel (Bad Neuenahr) vormachte. Der Zufall wollte es, dass sogar gleich zweimal ein Tisch im Mittelpunkt stand. Auf den zweiten Blick aber doch nicht verwunderlich, weil der Tisch als soziales Möbel par excellence - so rückten ihn Marianne Breuer (Dedenbach) und Antonius Kohlhaas (Bad Neuenahr) ins Visier - herbe Zeiten und frohe Feste, Groß und Klein, Familie und Nachbarn, gesehen hat.
Siegreich mit Benneleschüez
Und einem weiteren Alltagsgegenstand widerfuhr herausgehobene Würdigung. Jutta Bell aus Kempenich brachte die schier unerschöpfliche Nützlichkeit von „Grußmottesch Benneleschüez“ aufs Tapet und machte mit ungewöhnlichen Anwendungen wie Blasebalg oder Waschlappen für „en Birrekrautschnörres“ (Birnenkrautschnurrbart) bekannt. Das gelang ihr offenbar hervorragend. Denn Großmutters Schürze machte sie zur Mundartkönigin des Abends. Zweiter Sieger wurde Herbert Engel, dem Dieter Koll auf dem dritten Platz folgte. Über einen Sonderpreis durfte sich Maria Hilgert freuen. Und allen Prämierten genossen den Beifall des Publikums.
Vierte Auflage angekündigt
Dass die Besucher während des rundum gelungenen Abends von der Begrüßung bis zur Siegerehrung dreieinhalb unterhaltsame Stunden erlebten, dafür sorgten nicht nur die Mundartsprecher. Gleichfalls trugen dazu bei Gisbert Stenz als charmanter Conférencier, die Waldorfer Musikgruppe „Streuobst“ mit kölsche Tön und die Theatergruppe des Heimatvereins Alt-Ahrweiler mit einer Komödienszene. Aufmerksamkeit war bis zuletzt angesagt. Denn ganz am Schluss zog Dieter Zimmermann noch ein Stimmungs-Ass aus dem Ärmel und kündete dem Publikum an: „Es wird einen vierten Wettbewerb geben“.
Moderator Gisbert Stenz (v. l.), KSK-Vorstandsvorsitzender Dieter Zimmermann und Landrat Dr. Jürgen Pföhler sowie (v. r.) KSK-Vorstand Guido Mombauer mit dem Zweitplatzierten Herbert Engel, Siegerin Jutta Bell und dem Dritten Dieter Koll. Fotos: SES
Maria Hilgert erhielt als älteste Teilnehmerin einen Sonderpreis.
KSK-Vorstandsvorsitzender Dieter Zimmermann begrüßte die Gäste in der voll besetzten Leimbacher Mehrzweckhalle mit einer launigen Rede - in Mundart selbstverständlich.
