Politik | 21.09.2015

Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab

„Die Menschen haben Hilfe bitter nötig“

Kreisstadt muss mit 300 Unterbringungen in der Katastrophenschutz-Akademie rechnen

Mehr als 60 Helfer beteiligten sich an der Erstversorgung der 151 Flüchtlinge, die aus Bayern kommend, das AKNZ erreichten. THW-Helfer stellten die Betten auf.

Kreisstadt. Nachdem vor gut einer Woche in der Ahrweiler Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) mit weiteren Partnern eine logistische Meisterleistung vollbracht worden war und fast über Nacht 151 Flüchtlinge aufgenommen worden sind, werden diese Woche weitere 150 Asylsuchende aus noch unbekannten Herkunftsländern erwartet. Alle Pläne, die in den verschiedensten Gremien und Ministerien in den vergangenen Wochen ausgearbeitet worden sind, scheitern zur Zeit an der Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland eine neue Heimat finden wollen. Ämter und Ehrenamtler sehen sich Aufgaben gegenüber, die kaum noch zu stemmen sind. Das AKNZ leistet nun mit der geplanten Aufstellung von weiteren 150 Betten Amtshilfe für das Land Rheinland-Pfalz, deren Ministerpräsidentin Malu Dreyer sich sehr für jegliche Hilfsmaßnahmen ausgesprochen hat. Der Leiter der Ahrweiler Akademie Thomas Mitschke sprach vergangene Woche von 13 Nationen, aus denen die 151 Erstankömmlinge kamen, die zumeist in Schlafsälen untergebracht werden konnten. Sie werden über die Kantine mitversorgt, der Lehrbetrieb an der Akademie geht unbehindert weiter. Die AKNZ ist Teil des Bundesamts für Bevölkerungs- und Katastrophenhilfe in Bonn (BBK) und die zentrale Aus- und Fortbildungseinrichtung des Bundes im Bevölkerungsschutz. Sie richtet sich mit Ihrem Bildungsangebot an die mit Fragen der zivilen Sicherheitsvorsorge befassten Entscheidungsträger aller Verwaltungsebenen und geht mit der Aufnahme von Flüchtlingen auf das Hilfeersuchen des Landes Rheinland-Pfalz ein. Freitags kurz vor 16 Uhr erreichte das Aufnahmeersuchen Ahrweiler. Wenig später war das Technische Hilfswerk aus Sinzig bereits vor Ort. Betten galt es in den weiten Schlafsälen aufzubauen. Im Außengelände wurden ebenfalls Versorgungs- und Schlafzelte errichtet. Bereits seit Sommer 2014 engagieren sich Einsatzkräfte des THW bundesweit im Rahmen der Amtshilfe für Bundesländer, Landkreise, Städte, Behörden und Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge. In den Notunterkünften und Camps für Flüchtlinge übernehmen die Einsatzkräfte den Auf- und Ausbau der Infrastruktur: Strom- und Wasserversorgung, Abwassersysteme, Elektrik sowie Beleuchtung. Landrat Jürgen Pföhler sorgte mit seiner Behörde für die Bereitstellung von Ärzten des Gesundheitsamtes sowie Mitarbeitern des Jugendamtes und der Ausländerbehörde. Auch für Dolmetscher galt es Sorge zu tragen, doch niemand wusste genau, aus welchen Nationalitäten die Flüchtlinge ihre Reise über Bayern nach Ahrweiler angetreten hatten. Lediglich, dass zwei Busse anrollen sollten, war in Ahrweiler bekannt. Mehr als 60 Helfer standen insgesamt bereit, um die leidgeprüften Menschen aus fernen Landen in Empfang zu nehmen. Die Telefonleitungen zwischen den Behörden standen nicht still, inzwischen wurde die Akademie fast hermetisch abgesperrt. Presse und Fotografen waren nicht sonderlich erwünscht, man wollte den traumatisierten Ankömmlingen jede weitere Aufregung ersparen. „Sie müssen erst einmal zur Ruhe kommen,“ gab Thomas Mitschke die Losung aus.

Gegen 17 Uhr rollten dann zwei Busse mit Menschen aus afrikanischen und arabischen Ländern an, Frauen, Männer und Kinder. Sie wurden durch das DRK verpflegt und registriert, auch ein erster ärztlicher Check stand an. Die Flüchtlinge sollen sichtlich froh gewesen sein, sich erst einmal in den Unterkünften einrichten zu können, hieß es. „Dennoch können sie sich jederzeit frei bewegen und auch das Gelände verlassen,“ darauf legten die Verantwortlichen wert. Allerdings waren Fotografen am Gelände hoch über Ahrweiler auch in den nächsten Tagen nicht gerne gesehen, man will für Entspannung sorgen. Wie lange die Asylsuchenden, die Hilfe benötigen, in der Akademie bleiben, oder wohin sie weiter reisen müssen, darüber herrscht noch Unklarheit. Doch für Thomas Mitschke war das Wichtigste: „Wir sind froh, den Leuten helfen zu können. Sie haben Hilfe bitter nötig.“ Einen Dank und Anerkennung für die Ahrweiler Helfer gab es denn auch bereits aus Mainz: Integrationsministerin Irene Alt dankte für das große Engagement des Bundesamtes und der ehrenamtlichen Helfer aus allen Bereichen.

Mehr als 60 Helfer beteiligten sich an der Erstversorgung der 151 Flüchtlinge, die aus Bayern kommend, das AKNZ erreichten. THW-Helfer stellten die Betten auf.

Mehr als 60 Helfer beteiligten sich an der Erstversorgung der 151 Flüchtlinge, die aus Bayern kommend, das AKNZ erreichten. THW-Helfer stellten die Betten auf.

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