Der ewige Problemfall „Lammertal-Straße“
Gemeinderatsbeschuss: In Zukunft nur noch für Anlieger befahrbar
Brohl-Lützing.Die Straße „Im Lammertal“ ist die einzige direkte Verbindung zwischen den Ortsteilen Brohl (im Tal) und Lützing (alias Niederlützingen, auf dem Berg). Die Straße ist eng, steil, von Erdrutschen ständig bedroht und ohnehin in einem für viel Verkehr nicht gerade vertrauenswürdigen Zustand. Aber - sie ist für den innerörtlichen Austausch unter den Bürgern beider Ortsteile unverzichtbar. Trotz ihres schlechten Zustands wird die Lammertal - Straße aber nicht nur von den Einwohnern des Doppel-Ortes genutzt, sondern auch viele ungebetene Verkehrsteilnehmer befahren diese „Autobahn“. Längst sind die Bewohner der Brohltal-Gemeinden nämlich dahinter gekommen, dass man - in Burgbrohl abbiegend Richtung Lützing - über das Lammertal die Strecke zum “Park & Ride“ - Parkplatz am Bad Breisiger Bahnhof um rund drei Kilometer verkürzt. So ist es eingerissen, dass die Berufs-Pendler Richtung Bonn/Köln via Bad Breisiger Bahnhof das schmale Sträßchen durch das Lammertal morgens und abends als zeitsparende „Rennbahn“ benutzen. Das hat zu einer unmäßigen Belastung nicht nur der schmalen Lammertal-Straße selbst, sondern auch der dafür ungeeigneten Dorfstraßen in Ober- und Niederlützingen und in Brohl geführt. Die entlang der Straßen Wohnenden fühlen sich stark belästigt. Die Bewohner von Brohl-Lützing sind „es jetzt satt“. Auch haben die Verkehrsbehörden wegen der durch den übermäßigen Verkehr und die jüngsten Erdrutsche stark lädierte Fahrbahn bereits die komplette Sperrung des Lammertals in Erwägung gezogen. Das wäre eine für die Bewohner von Brohl und Niederlützingen völlig undenkbare Lösung - die miteinander „verbündelten“ Ortsteile wären nur noch über kilometerweite Umwege miteinander verbunden. In mehreren Sitzungen überlegten die Mitglieder des Gemeinderates, wie die Strecke für die Einwohner beider Ortsteile offen gehalten, die ungebetenen Nutzer aus dem Brohltal aber aus dem Lammertal verbannt werden könnten. Sinnvolle und weniger sinnvolle Maßnahmen wurden reich diskutiert. Einzige juristisch nicht anfechtbare Lösung: Das Lammertal per Verbotsschild für den Verkehr sperren mit Zusatzschild: „Anlieger frei“. In der gerade stattgefundenen Gemeinderatssitzung stellte Bürgermeisterin Christel Ripoll diese mit der Polizeiinspektion abgesprochene Maßnahme vor und stellte sie zur Abstimmung.
Da augenscheinlich keine Alternative in Sicht ist, gaben alle Ratsherren ihre Zustimmung „unter der Voraussetzung, dass die Nutzung der Straße durch die Anwohner der Ortsteile Brohl und Lützing anschließend den Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung entspricht.“ Einige Ratsherren hatten trotz des Beschlusses noch nachvollziehbare Bedenken. Zum Beispiel: Wer ist künftig „Anlieger“ und darf weiter durch das Lammertal fahren? Ist man auch dann „Anlieger“, wenn das Ziel der Fahrt außerhalb der gesperrten Zone liegt? Müssen sich Einwohner von Brohl oder Niederlützingen irgendwie gegenüber der Polizei entsprechend ausweisen? Wie schafft man es, dass die „Illegalen“ nicht erst plötzlich am Eingang des Lammertals vor den Sperrschildern stehen und für sie ein „Zurück“ unzumutbar wird. Ist dies alles korrekt mit den zuständigen Polizeibehörden geklärt? Werden auch genügend Polizeikontrollen die Einhaltung der Sperre für Fremde durchsetzen? Ordnungsamtsleiter Alfred Heckenbach von der Verbandsgemeinde klärt auf Nachfrage: Bis sich die Sperrung für den allgemeinen Durchgangsverkehr durchgesetzt hat, werden sowohl an der Abzweigung in Burgbrohl als auch in Rheineck frühe Hinweisschilder aufgestellt, die den Autofahrer auf die Sperrung der Lammertal-Straße aufmerksam machen. Wer trotzdem die Sperrung missachtet, muss mit Bußgeldern rechnen. Ob diese Maßnahmen die Probleme mit der Lammertal-“Autobahn“ auf Dauer klären? Bürgermeisterin Ripoll: „Wir wissen keine andere Lösung. Vertrauen wir auf die erzieherischen Effekte der Polizeikontrollen!“
