Die neue Schubertiade unserer Zeit war überaus erlebenswert
Kulturgut „Lied und Sprache“
Bad Breisig. Franz Schubert, der letzte Wiener Klassiker, mit einem Bein bereits in dem Bereich der Romantik, hat in seinem kurzen Leben rund 700 Lieder geschrieben, erklärte Dr. Franz H. Peters in der neuesten Ausgabe aus der Reihe „Schubertiade unsere Zeit“. Schubert hatte aus Dichtung das Kunstlied kreiert und damit Unvergängliches zum Thema „Lied und Sprache“ geschaffen. Nach einer Einführung von Prof. Jörg Sander, der sich zum Gesamtthema mit der Entstehung, Bedeutung und Überlieferung des germanischen „Nibelungenliedes“ auseinandergesetzt hatte, referierte Dr. Peters umfassend über den Zusammenhang und die Entwicklung von „Lied und Sprache“. Er schaute zurück in die Historie und zeigte auf, wie bereits in der Antike Versmaß und Rhythmik zum Gedicht verschmolzen und bald daraus ein singbares Lied entstand. Was ist Henne und was ist Ei? Wird in der Regel die Musik zum Text gefunden, oder ist zunächst die Melodie da, und dann wird dazu der Text gestaltet. Beispiel für die letztgenannte Lösung ist die deutschen Nationalhymne: Zu Josef Haydns kammermusikalischem Einfall der hübschen Melodie reimte Hoffmann von Fallersleben einen von der Sprachrhythmik passenden Text. Dr. Peters ging auf die Historie des Kirchenliedes ein, das seit Martin Luther an Bedeutung gewann - auch in der katholischen Kirche. Es entstand das Kunstlied, dem Schubert - auch durch besonders anspruchsvolle Klavierbegleitung - neue Formen gab. Lieder wurden populärer, Herder erfand dazu den Begriff „Volkslied“. Neben dem Volkslied hatte die Arie in Oper und Oratorium separate Bedeutung. Des Referenten weit ausholende Betrachtung führte zu Beispielen: Begleitet von Eugenie Bonroy am Klavier sang die Sopranistin Gertrud Fritsche Goethes „Heideröslein“ und „Die Letzte Rose“ aus der Oper „Martha“. Und das Volkslied kam zu seinem Recht: Gemeinsam sang man u.a. „Zogen einst fünf wilde Schwäne…“ Als Abwechslung im Programmablauf produzierten sich der Kunstmaler Hermann-Josef Maibach und seine Kollegin Brunhilde Bosbach als „Bänkelsänger“ und trugen höchst witzig eine gereimte Geschichte aus dem Bereich der bildenden Kunst vor. Maibach setzte noch einen drauf mit der durch eine lustige Plastik illustrierten Story „Zeichensetzung“. Gerti Buhr-Schmidt aus dem Vorstand von „Forum Kultur“, die das Programm organisiert hatte, leitete über zu dem wahren Höhepunkt des Tages: Der einheimische „Liedermacher“ Mario Dompke trug selbst komponierte und getextete Lieder zur meisterhaft gespielten Konzertgitarre vor. Er sang so bemerkenswerten Lieder wie: „…und keiner hat etwas gewusst !“ Das Lied ist eine nachdenkenswerte Auseinandersetzung mit der Vernachlässigung von Kleinkindern. Im Lied „Der Traum vom anderen Leben…“ beschäftigt sich Dompke mit der Überlegung, was der Mensch im Leben versäumen kann. Das Lied „Die bessere Hälfte“ ist eine Würdigung der Aufgaben von Ehefrau und Mutter. Die im gut besetzten Saal des Hotels „Rhein-Residenz“ anwesenden Freunde des veranstaltenden „Forum Kultur“ waren von den höchst beachtlichen Beiträgen Mario Dompkes beeindruckt und spendeten reichlich Beifall. Sie alle freuen sich bereits jetzt auf eine Auflage einer weiteren „Schubertiade unserer Zeit“, irgendwann, vielleicht in einem halben Jahr. Es war sicher auch nicht die letzte Begegnung mit dem Bad Breisiger Liedermacher Mario Dompke. Die Qualität seiner vertonten Gedichte hat es verdient, dass man sich mit ihnen beschäftigt.
