Allgemeine Berichte | 28.04.2013, 09:00 Uhr

Selbsthilfegruppe soll im Raum Mayen, Neuwied, Sinzig gegründet werden

Leben mit FASD

Im Mutterleib durch Alkoholkonsum geschädigte Kinder

Region. „Überforderung, Chaos, Verzweiflung: Wenn ich mit drei Worten mein Leben beschreiben sollte, so würde ich diese wählen!“

Dies sagt eine junge Frau welche durch den Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft geschädigt wurde, und dadurch unter lebenslangen und nicht mehr rückgängig zu machenden Behinderungen leidet - den sogenannten Fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD - Fetal Alcohol Spectrum Disorder). Alkohol wirkt dabei als Gift, das durch die Plazenta gelangt und dort direkt zum heranwachsenden Kind.

WeKISS

Die Westerwälder Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (WeKISS) möchte nun eine Selbsthilfegruppe im Dreieck Mayen-Neuwied-Sinzig für Betroffene von FASD ins Leben rufen. Hauptsymptome der Schädigung sind neben rein körperlichen Merkmalen: Minderwuchs, Untergewicht, Kleinköpfigkeit, Gesichtsveränderungen, Fehlbildungen an allen Organen, Wirbelsäule oder Extremitäten, auch geistige Defizite und Verhaltensstörungen: Naivität, Beeinflussbarkeit, Nichterkennen von Konsequenzen, mangelndes Verständnis für logische Zusammenhänge, Probleme mit Zeit und Geld, Hyperaktivität, Aggressivität. Generell sind FASD-Kinder in ihrer Entwicklung verzögert. Es kann Sprach- und Hörstörungen, Ess- und Schluckstörungen, Schmerzunempfindlichkeit oder starke Überempfindlichkeit, Konzentrationsschwäche, Lernschwäche, Wahrnehmungsstörungen und noch viele Auffälligkeiten mehr geben.

Hilfe für die Betroffenen

Nicht nur für FASD-Kinder oder Erwachsene führt ihre Behinderung regelmäßig zu frustrierenden Erfahrungen, sondern auch für die „Erziehenden“. Für Personen, die mit FASD-Kindern konfrontiert werden, ohne nähere Informationen über das Behinderungsbild zu haben, ist der Kontakt oft sehr anstrengend und man kommt schnell an pädagogische Grenzen. Meist wird eine große Hilflosigkeit erlebt. Wie bekomme ich den Alltag leichter bewältigt? Was ist realistisch für ein FASD-Kind? Wie verhält es sich mit Behindertenausweis oder Pflegestufe? Wie bekomme ich eine gesicherte Diagnose? Welche finanziellen und unterstützenden Hilfen stehen mir zu?

Geschützer Raum und Anonymität

Im geschützten Raum und in der Anonymität einer Selbsthilfegruppe können sich die Betroffenen zeigen, öffnen, sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen oder Informationen geben und einholen. Interessierte für die Gründung dieser Selbsthilfegruppe wenden sich vertrauensvoll (gerne anonym) an die WeKISS unter Tel. (0 26 63) 25 40. Sprechzeiten: Montag, 15 bis 18 Uhr, Dienstag bis Donnerstag: 9 bis 12 Uhr oder per Mail unter wekiss@gmx.de.

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