Allgemeine Berichte | 11.07.2026, 22:31 Uhr

„Du bist Teil der Geschichte“ - Zeitgeschichte zum Anfassen

Senioren-Union besuchte Haus der Geschichte in Bonn

Ausstellung Flut im Ahrtal im Haus der Geschichte.
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Kreis Ahrweiler. Nachdem die erste Hitzewelle des Sommers abgeklungen war, unternahmen Mitglieder der Senioren-Union im Kreis Ahrweiler eine Exkursion nach Bonn.

Ziel war die neue Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte“ im Haus der Geschichte auf der Museumsmeile.

Bevor die Gruppe jedoch in die deutsche Zeitgeschichte seit 1945 eintauchte, stand zunächst der Besuch des ehemaligen Kanzlerbungalows auf dem Programm.

Nach der Sicherheitskontrolle ging es durch den Park mit den hohen alten Bäumen, unter denen im besonders heißen Sommer 1967 auch die eine oder andere Kabinettssitzung stattgefunden haben soll – etwas, was man sich inzwischen auf Grund der veränderten Sicherheitslage überhaupt nicht mehr vorstellen kann – zum ehemaligen privaten Wohnsitz und repräsentativen Empfangsgebäude der deutschen Regierungschefs von Ludwig Erhard bis Helmut Kohl. Ein schmuck- und schnörkelloser Flachbau, dunkler Beton, dunkles Holz, jedoch transparent durch die großen Fenster und Glastüren, als bewusste Absage an die Monumentalität der nationalsozialistischen Architektur. Aber auch die Sparsamkeit der Nachkriegsjahre spielte eine Rolle bei der etwas kargen Konzeption des Gebäudes. Für eine Sauna hatte man jedoch noch Platz gefunden, so dass dort später die berühmten Saunagespräche zwischen Helmut Kohl und Boris Jelzin im Rahmen der Deutschen Wiedervereinigung stattfinden konnten. Die original erhaltene Einrichtung sowie die begleitende Ausstellung vermittelten einen authentischen Eindruck vom politischen Alltag der Bonner Republik.

Im Anschluss besuchte die Gruppe die neu gestaltete Dauerausstellung im Haus der Geschichte. Nach einer umfassenden Modernisierung präsentiert sich das Museum heute zeitgemäß, interaktiv und multimedial. Bereits im Eingangsbereich werden die Besucherinnen und Besucher Teil der Ausstellung: Eigene, live aufgenommene Silhouetten verschmelzen auf einer großen Medienwand mit historischen Filmsequenzen. Mal kann man virtuell auf der Berliner Mauer von 1989 tanzen, mal steht man mitten im Trümmerfeld der Nachkriegszeit.

Die Ausstellung führt chronologisch durch die deutsche Geschichte seit 1945 und verbindet politische Ereignisse mit den Lebensgeschichten ganz normaler Menschen. Sie zeigt eindrucksvoll, wie eng persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verknüpft sind.

Der Rundgang beginnt mit der Nachkriegszeit und dem mühsamen Wiederaufbau Deutschlands. Interaktive Karten – so kann man über Postleitzahlen erforschen, wie es am eigenen heutigen Wohnort direkt nach dem Krieg aussah – und Zeitzeugenberichte verdeutlichen die Herausforderungen dieser Jahre.

In den 1950er und 1960er Jahren prallten die Welten des Kalten Krieges aufeinander. Auf der einen Seite der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, auf der anderen das westdeutsche Wirtschaftswunder, symbolisiert durch Heimatfilme wie das „Schwarzwaldmädel“. Spannend ist der direkte Vergleich der Industrialisierung: Die Ausstellung stellt die Entwicklung von Wolfsburg und Stalinstadt, heute Eisenhüttenstadt, vergleichend gegenüber. Auch die „kulinarische Revolution“ durch die ersten Gastarbeiter und neue Konsumgüter werden über Originalobjekte greifbar wie z.B. das Zündapp-Moped, das der millionste Gastarbeiter 1964 als Begrüßungsgeschenk erhielt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er- und 1980er-Jahre: Studentenbewegung, Frauenrechte, Umweltbewusstsein und Popkultur sind ebenso Themen wie der ganz normale Alltag beider deutscher Staaten.

Mit der Friedlichen Revolution von 1989 und der Wiedervereinigung erreicht die Ausstellung ihren historischen Wendepunkt, verschweigt aber auch die Herausforderungen der Nachwendezeit nicht.

Besonders viel Raum erhält die jüngste Vergangenheit. Digitalisierung, Migration, Klimawandel, die Corona-Pandemie oder aktuelle gesellschaftliche Debatten zeigen, dass Geschichte nicht mit der Wiedervereinigung endete, sondern bis in die Gegenwart reicht. Damit macht die Ausstellung deutlich, dass jede Generation Geschichte mitgestaltet.

Beeindruckend ist vor allem das moderne Ausstellungskonzept. Neben zahlreichen Originalexponaten sorgen Hörstationen, Filme, interaktive Medientische und digitale Angebote für einen abwechslungsreichen Rundgang. Immer wieder werden die Besucher dazu angeregt, sich selbst Fragen zu stellen: Welche Werte sind mir wichtig? Wie hätte ich in bestimmten historischen Situationen gehandelt? Welche Verantwortung trägt jeder Einzelne für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Die Teilnehmer der Senioren-Union zeigten sich beeindruckt von der gelungenen Verbindung aus historischer Information und moderner Präsentation. Der Besuch machte deutlich, dass Geschichte nicht nur aus großen politischen Ereignissen besteht, sondern vor allem aus den Erfahrungen und Entscheidungen der Menschen. Mit vielen neuen Eindrücken trat die Gruppe schließlich die Heimreise an. Einig war man sich darüber, dass das Haus der Geschichte mit seiner neuen Dauerausstellung einen eindrucksvollen Lern- und Erinnerungsort geschaffen hat, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf überzeugende Weise miteinander verbindet.

Pressemitteilung Senioren-Union im Kreis Ahrweiler

Senioren im Kanzler Bungalow.

Senioren im Kanzler Bungalow. Foto: Harald Trinkaus

Ausstellung Flut im Ahrtal im Haus der Geschichte. Foto: Harald Trinkaus

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