Abschied von einem hoch verehrten Geistlichen
Sime Mladen Karlic sagt seinen Pfarreien im „Breisiger Land“ ade
Bad Breisig. Der Abschied von Pastor Sime Mladen Karlic war zugleich würdig und fröhlich. Das hatte mit der lebensbejahenden, immer freundlichen Art des aus Kroatien stammenden Geistlichen zu tun, der nach 42 Berufsjahren und fünf Jahren Hirten-Tätigkeit in der Pfarreien - Gemeinschaft Breisiger Land in den Ruhestand geht und zugleich von Bad Breisig ins bayerische Vilshofen umzieht. Naturgemäß klang in dem festlichen Abschiedsgottesdienst, den Pastor Karlic zugleich mit vier Ruhestands-Geistlichen und Dechant Meyer in St. Marien zelebrierte, ein wenig Wehmut mit. Die aber wurde kompensiert von der immer positiven Art des zu Verabschiedenden. Rund 30 Ministranten, dazu Schützen-Abordnungen mit ihren Fahnen, gaben in der von Gläubigen aus ganzen Region prall gefüllten Kirche ein farbenprächtiges Bild. Die Anteilnahme der Mitfeiernden ließ ahnen, welcher Wertschätzung sich Pastor Karlic erfreut und wie sehr man bedauert, ihn zu verlieren. In diese Bild passt auch, dass die beiden Cäcilienchöre von St. Marien, Bad Breisig und Johannes der Täufer, Brohl gemeinsam die Hl. Messe musikalisch schmückten. Sie intonierten unter ihrer Dirigentin Carmen Scheuren Mozarts Missa brevis in G, Köchelverzeichnis 140 aus des jungen Genies Salzburger Zeit. Als Solisten wirkten mit: Andrea Ernst (Sopran), Markus Selnach (Tenor), Max Künster (Bass) und Tabea Mahler ( Alt), dazu die Violinistin Brigitte Bauer. Außerdem wurde Mozarts strahlendes „Laudate Dominum“ aus der „vesperae solennes de confessore“, gesungen von der Sopranistin Andrea Ernst, intoniert, ebenso Bach-Kantate „Jesu bleibet meine Freude“, deren typische Begleitmelodie von der Violine getragen wurde. Meisterhaft die instrumentale Hilfe von Sven Scheuren, dem Ehemann der Dirigentin, abwechselnd an der Barock-Orgel und am Piano. Seine dezenten Orgel-Variationen über „Time to say good bye“ während der Kommunion waren ein liebenswertes Abschiedsgeschenk an den scheidenden Pastor. Sime Mladen Karlic selbst zog in einer emotionalen Predigt ein Resümee seiner fünf Jahre priesterlichen Arbeit im Breisiger Land. Er holte weit aus und ging ein auf die päpstliche Enzyklika von 1925, die heraufkommende schwere Zeiten vorausgesehen habe. Er schilderte die Judenverfolgung in seiner kroatischen Heimat, der gegen Kriegsende die Vertreibung der Deutschen aus Jugoslawien folgte, und die er als junger Mensch hilflos miterleben musste. Die Familie - der Vater Bürgermeister einer kleinen Gemeinde - hatte keine Möglichkeiten, das schreckliche Geschehen zu mildern. Trost gab allenfalls die Religion. Fazit: „Jeder Mensch hat seine Würde, denn alle sind wir Kinder Gottes.“ Egal, welcher Rasse, welcher theologischen Hinwendung: Wir sind vor Gott alle gleichwertig. Mit diesen Gedanken schlug der Geistliche einen Bogen zu seiner eigenen Arbeit in der Pfarrei. „Ich bitte alle um Vergebung, die ich jemals in meiner menschlichen Schwäche enttäuscht habe. Trotz allen Bemühens: Jeder Mensch macht Fehler. Verzeiht mir, wenn Ihr was anderes von mir erwartet habt, das ich nicht erfüllen konnte. Im Übrigen: Auch ich bin bereit zu vergeben, wo mir Ungerechtes widerfahren ist.“ Dass der so beliebte Pastor Karlic soviel Demut zeigte, machte ihn noch sympathischer. Seine ganze Liebe galt der Jugend seiner Pfarreien. Das zeigte sich am Ende des Gottesdienstes, als dem Scheidenden nach vielen Komplimenten, z.B. durch Dechant Meyer und die Pfarrei - Referentin Christine Fassian-Müller („Im Pfarrhaus herrschte stets positive Stimmung, es durfte viel gelacht werden!“) die Messdiener ihre Geschenke und viel „Dankeschön“ darbrachten. Auch der Kirchenchor bedankte sich mit einem Erinnerungsgeschenk. Lustig wurde es gar, als Ruhestands-Pfarrer Stefan Augst die Abschiedsworte seiner Kollegen, der - wie er sie nannte - „Bodyguards von Pastor Karlic“ in launige Worte verpackte. Er versprach denn auch, dass die Kirchen während der Vakanz bis zur neuen Besetzung der Pfarrstelle nicht verwaist wären - dank der Hilfe der Ruhestands - Pastöre im Breisiger Land. Nach der Hl. Messe versammelte sich die weltliche Anhängerschaft des scheidenden Priesters im benachbarten Pfarrsaal. Die vielen dort gehaltenen Dankreden bewiesen, wie sehr Sime Mladen Karlic als Mensch geschätzt wird. Nacheinander kamen Vertreter der Pfarreiengemeinschaft, der Pfarreien aus Bad Breisig und Brohl und Pfarrerin Inge Gaebel von der evangelischen Kirchengemeinde zu Wort. Die Letztgenannte betonte die wunderbare Zusammenarbeit beider Konfessionen in Bad Breisig. Pastor Karlic bedankte sich bei ihr ausdrücklich für die beiderseits „gelebte Ökumene“, die geradezu beispielhaft gewesen sei „für die oben, die etwas zu sagen haben.“ Landrat Dr. Jürgen Pföhler hatte es sich nicht nehmen lassen, seinerseits die große Leistung des Pastors zu würdigen, die sich schon durch die vielen Maßnahmen bei der Sanierung mehrer Kirchen in seinem Wirkungsbereich und die Beschaffung der musterhaften Barock-Orgel für die Marienkirche dokumentiere. In dieses Horn stieß auch Bürgermeister Bernd Weidenbach. Sein Rathaus und das Pfarrhaus hätten gute Nachbarschaft gepflegt und auf diese Weise gemeinsam der guten Sache und den Bürgern gedient. Ein bisschen Wehmut schwinge schon mit, wenn man sich von einem guten Freund verabschieden müsse. Alle Redner hatten liebenswürdige Erinnerungs-Geschenke dabei, von denen das von Karl-Heinz Ziebarth gemalte Bild der Marienkirche sicher einen hervorragenden Platz im neuen Heim von Pastor Karlic finden wird. Der Scheidende selbst wurde nicht müde, seinen vielen Weggefährten und Laudatoren „Danke“ zu sagen. Er trage die Erinnerung an die Menschen am Rhein stets bei sich. FA
Der scheidende Pastor Karlic bei seinen Dankesworten. FA
