Allgemeine Berichte | 15.11.2015

Ahr-Akademie der HwK: Info-Veranstaltung zu Chancen im Handwerk nutzten 120 Teilnehmer

Speed-Dating und flammendes Plädoyer für duale Ausbildung

Volles Haus in der Ahr-Akademie der Handwerkskammer Koblenz in Bad Neuenahr-Ahrweiler, in die zur Info-Veranstaltung „Karrierechancen im Handwerk“ über 120 Schüler, Eltern, Betriebsinhaber, Experten von Arbeitsagentur, Handwerkskammer und Hochschulen gekommen waren.HwK Koblenz

Koblenz/Bad Neuenahr-Ahrweiler. Über 120 Schüler, Eltern, Betriebsinhaber, Experten der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen sowie der Berufsbildung von Kammer und Hochschule nahmen an einer Informationsveranstaltung in der Ahr-Akademie der Handwerkskammer (HwK) Koblenz teil und informierten (sich) über aktuelle und künftige Entwicklungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes wie auch über Chancen beim und mit dem Handwerk. Dem Impulsvortrag von Prof. Dr. Stefan Sell, Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz - einem auf Daten basiertem Plädoyer für die duale Ausbildung! - schloss sich eine Podiumsdiskussion sowie ein Speed-Dating zwischen 25 Betrieben und potentiellen Bewerbern auf eine Ausbildung an.

Stefan Sell stellte nicht nur die Vorzüge von Berufsausbildung und dualem Bildungssystem in Deutschland heraus; er hatte als Fachmann auch handfeste Daten und Fakten dabei: Die Hochschulreife der rheinland-pfälzischen Schulabgänger ist zwischen 2002 und 2012 von 36,9 Prozent auf 51,7 Prozent gestiegen. Zugleich ist die Zahl der Studiengänge in Deutschland auf sagenhafte 18.000 Angebote gewachsen. „Die Situation an den Hochschulen ist ziemlich übel vor diesem Hintergrund.“ Der Ansturm ist stark und die Erfindung neuer Studiengänge habe in Deutschland Hochkonjunktur. In der Folge entwickle sich ein „Expertentum“, das bis in kleinste Nischen reiche. Als „Musterfall“ stellte Sell den „Bachelor in Coffeemanagement“ vor, der in Hamburg angeboten wird. „Dahinter verbirgt sich ein Studiengang zum Kaffeerösten“. Inwieweit dessen Inhalte nationalen oder internationalen Ansprüchen standhalte, blieb zwar unbeantwortet, doch Sell machte auch klar: „Eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker wird in Passau, Schleswig, Cottbus oder Aachen nach einheitlichen Standards durchgeführt. Ein Geselle kann anschließend in jeder Kfz-Werkstatt mitarbeiten, weil er fachlich dafür ausgebildet wurde.“

Dem dualen Studiengang gehört die Zukunft

Das sei der große Vorteil der dualen Berufsausbildung in Deutschland, „um die uns internationale Bildungsexperten beneiden. Die Amerikaner haben genau zwei Dinge, die sie eins zu eins in den USA einführen würden: das Krankenversicherungssystem und die duale Ausbildung!“. So gehöre dem dualen Studiengang die Zukunft, einer Kombination aus beruflicher Ausbildung und Hochschulstudium. „Aktuell gibt es 800 duale Studiengänge in Deutschland und vier Prozent aller Studierenden nutzen das.“ Damit verbindet sich auch ein großes Potential, das künftig viel stärker genutzt werden könne und müsse.

Über Umwege zum Handwerk

Zusätzlich bietet sich die Möglichkeit des Hochschulzuganges mit Meisterbrief - ebenfalls ein klarer Pluspunkt für das Handwerk, denn so entscheidet der Einzelne selbst, wie sein weiterer Weg nach einer handwerklichen Berufsausbildung aussieht. Dabei, so Sell, sei es kein Beinbruch, wenn nicht der geradeste Weg zurückgelegt wird. Inzwischen absolvieren viele Abiturienten oder Studienabbrecher zunächst eine Lehre, um dann die weitere Laufbahn zu planen. Die kann auf beruflicher oder akademischer Ebene verlaufen und später ideal kombiniert werden. Einer, der diesen Weg eingeschlagen hat, ist Christoph Müller. Das begonnene Studium war eher eine Gefälligkeit an die Erwartungen der Eltern und hat sich später als persönlicher Irrtum herausgestellt. Es folgte ein Praktikum in einer Kfz-Werkstatt, die schnell das Potential Müllers erkannte, der sich selbst auch wohl fühlte beim Handwerk. Der Lehrvertrag wurde unterschrieben und heute sind Betrieb und Lehrling hochzufrieden mit dieser Entscheidung. Müller motivierte die über 50 Schüler in der Ahr-Akademie, die Chancen im Handwerk zu nutzen und mit diesem Wirtschaftsbereich zu planen. Das griff Frank Wershofen, Kreishandwerksmeister und selbstständiger Handwerksmeister auf und stellte seinen eigenen Weg vor, der von der Hauptschule zum erfolgreichen Unternehmer führte. „Mit persönlichem Einsatz und Disziplin kann man es im Handwerk weit bringen! Wir sind ein moderner Wirtschaftsbereich, der auch von menschlicher Nähe lebt.“

Als direkte Ansprechpartner waren an diesem Abend auch 25 Unternehmen über Chefs und Mitarbeiter in der Ahr-Akademie vertreten, die sich im direkten, rotierenden Gespräch mit den Schülern austauschten. „Speed-Dating“ einmal anders und mit wenigen Schritten ging es von der Fleischer- zur Tischlerkarriere und weiter zum Kfz-Bereich. Mehrere Obermeister wie Bäcker Rolf Genn, Fleischerin Dagmar Groß-Meurer oder Metallbauer Bernd Klein standen ebenfalls Rede und Antwort wie auch die Experten der Arbeitsagentur oder der Handwerkskammer. Ein Angebot, das von den Schülern und ihren Eltern gern und umfangreich genutzt wurde und wer weiß, ob sich nach dem flammenden Plädoyer des Akademikers Sell und der Praktiker aus dem Handwerk nicht die ein oder andere Handwerkerlaufbahn aus dieser Info-Veranstaltung ergibt.

Mehr Informationen zur beruflichen Bildung bei der Handwerkskammer Koblenz, Tel. (20 61) 39 83 31, E-Mail: aubira@hwk-koblenz.de, www.hwk-koblenz.de

Pressemittelung der

HwK Koblenz

In seinem Vortrag stellte Prof. Dr. Stefan Sell die Vorzüge von Berufsausbildung und dualem Bildungssystem in Deutschland heraus und hinterlegte dieses flammende Plädoyer für die handwerkliche Ausbildung mit handfesten Daten und Fakten.

In seinem Vortrag stellte Prof. Dr. Stefan Sell die Vorzüge von Berufsausbildung und dualem Bildungssystem in Deutschland heraus und hinterlegte dieses flammende Plädoyer für die handwerkliche Ausbildung mit handfesten Daten und Fakten.

Volles Haus in der Ahr-Akademie der Handwerkskammer Koblenz in Bad Neuenahr-Ahrweiler, in die zur Info-Veranstaltung „Karrierechancen im Handwerk“ über 120 Schüler, Eltern, Betriebsinhaber, Experten von Arbeitsagentur, Handwerkskammer und Hochschulen gekommen waren. Fotos: HwK Koblenz

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