Politik | 16.11.2015, 13:04 Uhr

Gedenkfeier am Volkstrauertag in Sinzig-Bad Bodendorf

„Suche den Frieden, jage ihm nach“

Hauptredner Hans-Gert Pöttering erinnerte in seiner Rede auch an die zahllosen Flüchtlinge und Vertriebenen nach und während des Zweiten Weltkriegs. -DU-
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Sinzig-Bad Bodendorf. Auf dem Ehrenfriedhof Bad Bodendorf fand auch in diesem Jahr die zentrale Gedenkfeier des Kreises Ahrweiler am Volkstrauertag statt. Dabei gedachte man nicht nur der zahllosen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, sondern ganz aktuell auch den Opfern der Terroranschläge von Paris. MdL Horst Gies, der den erkrankten Landrat Dr. Jürgen Pföhler vertrat, unterbrach seine Begrüßungsansprache für eine Gedenkminute. Gies zitierte in seiner Rede Konrad Adenauer, dessen Aussage „ein Blick in die Vergangenheit hat nur dann Sinn, wenn er der Zukunft dient“ auch heute noch gültig ist.

Allein auf dem Bad Bodendorfer Soldatenfriedhof mahnen 1.200 Gräber an die Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, weltweit waren es mehr als 65 Millionen Todesopfer und ebenso viele Flüchtlinge und Vertriebene. „Auch heute sind wieder Millionen Menschen auf der Flucht, wovon viele nach Deutschland wollen. Wir erleben Rassismus, Mordanschläge auf Asylbewerberheime, Angriffe und Hetzparolen im Social Media Bereich. Neonazis wollen nichts aus der Geschichte lernen und versuchen Flüchtlinge für ihre Absichten zu instrumentalisieren“, sagte Horst Gies und fügte an: „Wir leben von der Mitmenschlichkeit, von der Freude. Jeder Einzelne hat das Recht zu leben. Die Werte unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung gilt es zu verteidigen. Dazu gehört auch in besonderem Maße, im persönlichen Umfeld Flagge zu zeigen – heute mehr denn je.“ Pfarrerin Kerstin Laubmann merkte in ihrem Eingangswort an, dass der Krieg in einer globalisierten Welt, nicht zuletzt auch durch deutsche Waffenexporte, zu uns kommt und mit ihm die Flüchtlinge, beispielsweise aus Syrien und Afghanistan. „Ich muss etwas tun für den Frieden. Er kommt nicht von alleine. Und jeder kann etwas tun, denn den Frieden hier, den können wir anfangen, in dem wir die Opfer von Krieg und Terror bei uns in Frieden aufnehmen, auch wenn es eine Herausforderung ist“, so Kerstin Laubmann.

„Suche den Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15) war das diesjährige Leitmotiv der Gedenkfeier, das auch Hauptredner Hans-Gert Pöttering aufgriff, der darauf hinwies, dass am Volkstrauertag auch, das Leid des einzelnen Menschen und der Schmerz der Angehörigen gewürdigt werden muss. Pöttering, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Europäischen Parlaments a.D., ist selbst Leidtragender der Folgen des Zweiten Weltkriegs: Sein Vater galt bis in die 1950er Jahre als vermisst, wurde später für tot erklärt und fand seine letzte Ruhestätte vermutlich auf einem Soldatenfriedhof in der Nähe von Stettin.

„Frankreich verdient unsere Solidarität“

Auch die Ansprache von Hans-Gert Pöttering stand unter dem Eindruck der Terroranschläge von Paris: „Bis heute existieren auf der Welt Gewaltherrschaft und Terror und fordern Opfer. Frankreich verdient unsere Solidarität.“ Zudem erinnerte Pöttering an die zahllosen Flüchtlinge und Vertriebenen nach und während des Zweiten Weltkriegs, die anfangs im Westen alles andere als Willkommen waren, sowie an die ermordeten Juden und Sinti und Roma, die nicht ins menschenverachtende System der Nationalsozialisten passten. Dabei betonte er, dass die Europäer die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nur dann schaffen können, wenn sie die Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht vergessen. Ein Appell, den Pöttering vor allem den jungen Menschen zurief, von denen nur wenige zur Gedenkfeier gekommen waren. „Jahrhundertelang waren kriegerische Auseinandersetzungen in Europa die Regel und die Spirale der Gewalt musste nach dem ethischen und moralischen Tiefpunkt zum Ende des Zweiten Weltkriegs beendet werden. Sicherlich ist die Europäische Union nicht perfekt, aber es ist allemal besser, in Brüssel nächtelang zu verhandeln, um zur Mehrheit zu kommen, als aufeinander zu schießen. Wir sollten dankbar sein, dass wir in einem geeinten und friedlichen Deutschland leben dürfen. Das ging nur, weil auch andere Länder den Weg von Freiheit und Menschenrechten gegangen sind. Wir Europäer haben gewaltige Probleme, aber wir müssen sie gemeinsam lösen. Das ist mein Wunsch für Sie und uns alle“, so Pöttering. Anschließend sprach Dechant Achim Thieser das Schlussgebet. Neben Vertretern von Bundeswehr, Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und VdK, waren unter anderem mit MdB Mechthild Heil und MdL Wolfgang Schlagwein auch Vertreter der Politik nach Bad Bodendorf gekommen. Die musikalische Begleitung vom Posaunenchor Bad Neuenahr und den Männergesangsvereinen Bad Bodendorf und Sinzig, gab der Gedenkfeier, die mit der traditionellen Kranzniederlegung endete, einen besonders würdigen Rahmen.

Hauptredner Hans-Gert Pöttering erinnerte in seiner Rede auch an die zahllosen Flüchtlinge und Vertriebenen nach und während des Zweiten Weltkriegs. Foto: -DU-

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