Allgemeine Berichte | 20.05.2014

Konrad Beikircher plauderte aus 35 Jahren Bühnenprogramm

Verzällchen, Gags und Parodien

Schelmisch und höchst unterhaltsam: Konrad Beikircher. -FA-

Bad Breisig. In der Zahnklinik sagt der Oberarzt zu Konrad Beikircher: „Ich habe eine gute Nachricht und eine schlechte für sie. Zunächst die schlechte: Ihr Oberkiefer ist so lädiert, dass wir alle Zähne entfernen müssen. Und nun die gute: Wir brauchen die Zähne nicht ziehen, wir können sie pflücken!“ Dieser Konrad Beikircher ist auf dem Zenit seiner Meisterschaft im Fabulieren; er scheut sich nicht, auch aus eigenen medizinischen Misslichkeiten Pointen zu kreieren, die das Publikum vom Hocker reißen. In einer mit Fans aus der ganzen Region gut besetzten Jahnhalle beschäftigt sich der Kabarettist in seinem dreistündigen Programm am vergangenen Freitag erstmals weniger mit der bisher von ihm bekannten Analyse rheinischer Lebensart und den mehr oder weniger liebenswerten „Macken“ des rheinischen Menschen - diesmal bestehen Beikirchers Wortspiele im Wesentlichen aus Erinnerungen an die Zeit, da er nach dem abgeschlossenen Studium die „Psschlojie“ (wie die rheinische Zunge die Wissenschaft der „Psychologie“ vergewaltigt) in das Erwerbsleben eintritt. Die ersten Schritte in den Alltag lassen ihn eine Jazz-Werkstatt betreiben, deren unbestrittener Stargast Albert Mangelsdorff mit seiner Posaune ist. Was diesem Weltstar passiert, als er einmal sein Mundstück vergessen hat, formt Beikircher zu einer viel belachten Anekdote. Folge: Eine jener krachenden Lachsalven, die befürchten lassen, dass die alt-ehrwürdige, von dem Künstler aber durchaus gepriesene Bad Breisiger „Kulturbaracke“ hin und wieder zu platzen droht. Fantasie oder Realität, was der routinierte Entertainer aus seinem Leben so meisterlich erzählt? Auf jeden Fall alles höchst unterhaltsam, so z.B. die Szene, als sich zwei Brüder auf der Straße „verkloppen“ und der blutende Unterlegene einen hilfswilligen Passanten anmotzt: „Halte dich jefällichs draus. Dat is meine Bruder, und der darf mich verkloppen, solang et ihm passt!“ So und ähnlich die Fülle der Erinnerungen, mit denen der Kabarettist das Publikum amüsiert. Perfektioniert gegenüber früheren Auftritten klingen seine Anleihen an die verschiedensten Mundarten aus deutschen Landen, mit denen er die Vertreter der verschiedenen Stämme auf die Schippe nimmt. Gekonnt auch, wenn er öffentliche Personen wie z.B. Franz Beckenbauer, Hans Moser, Helmut Kohl, Herbert Grönemeyer, Heinrich Lübke und andere so gut parodiert, dass man sie vor sich zu sehen glaubt. Was jenen historischen Herren an kuriosen Aussagen entschlüpft ist, erzählt Konrad Beikircher mit einem unverhohlenen Anflug von Schadenfreude. Und da ja Schadenfreude etwas besonders Ehrliches ist, haben die Leute im Saal viel und herzlich zu lachen. Der Kabarettist scheut sich auch nicht - siehe oben - den Blick auf die zahnmedizinischen Ereignisse seines Lebens zu werfen. So auch auf die Probleme mit der wegen dringenden Auftritts - Verpflichtung eingesetzten „provisorischen“ Prothese, „He is et“. Mit diesen komplexen Worten reicht ihm in dieser schwierigen Phase seines Lebens eine alte Dame aus der dritten Reihe des Publikums die bei einem Zisch-Laut verlorenen dritten Zähne. Niemand im Saal gibt sich zimperlich, wenn der meisterhaft mit dem Publikum spielende Kabarettist solch burschikose Erlebnisse schildert. Da geht er z.B. auf das höchst „anrüchige“ Ereignis ein, als einem lederbehosten Ur-Bayern mitten in einer Ansammlung konsternierter japanischer Gäste ein „Kracher“ entfleucht und der Sünder lediglich kommentiert: „Nu druck’st nimmer!“ Auch dieser „Kracher“ - ein riesiger „Lacher“! Man muss die grandiose Erzählkunst des Konrad Beikircher ins Kalkül ziehen, um den Erfolg solcher Pointen richtig einschätzen zu können. So auch, als ein stark Angesäuselter in der kölschen Kneipe, mit dem Kopf auf der Theke liegend, nicht mehr weiß, ob er „simuliert“ oder schon „schläft“. Und der Künstler erläutert: „Simulieren“ (rheinisch gesagt: „simmelieren“) ist nicht gleich „grübeln“. Das eine ist positiv, das andere ist negativ. Eingestreut werden höchst liebenwerte Erinnerungen an die Jugend und die Familie, die im Brunecker Tal, im Schatten der Dolomiten aufwächst. Es ist ein einziges Vergnügen, den Verzällchen des Kabarettisten über volle drei Stunden zu folgen.

Für den 68-jährigen Konrad auch eine respektable physische Leistung, die ihm das begeisterte Publikum mit tosendem Beifall vergilt. Beikircher, der einst für die Bad Breisiger Gastronomie werbende „Ritter der Tafelrunde“, hat noch einige spaßige Zugaben parat: Er kennt sich auch bei Tünnes und Schäl und deren Sprüchen aus. Bürgermeister Bernd Weidenbach, begleitet von der hübschen Brunnenkönigin Anne Kraus, bedankt sich mit netten Worten und einem

Wein-Geschenk.

Schelmisch und höchst unterhaltsam: Konrad Beikircher. Foto: -FA-

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Dauerauftrag 2025
Imageanzeige - Dauerauftrag
Titelanzeige KW 15
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten -bitte beim Text vom Gartenmarkt
Leiter/in (w/m/d)
Anzeige Lagerverkauf
Empfohlene Artikel
Peter Buchenau und Ina Lackerbauer
25

Bad Breisig. Die Kulturbühne Bad Breisig lädt am 29. April zu einem humorvollen Abend in den Kulturbahnhof ein: Mit „Männerschnupfen“ erwartet das Publikum eine pointierte Duo-Kabarett-Comedy-Show rund um das wohl bekannteste Missverständnis zwischen Mann und Frau.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf.
64

Im Foyer des Rathauses in der Rosengasse liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können

Stadt Mayen trauert um Mario Adorf

Mayen. Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf, der am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Weiterlesen

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat
14

Sie ist gerade nicht besonders verlässlich. Kriege, Krisen, harte Worte in der Politik. Vieles ist in Bewegung, manches gerät aus den Fugen. Für uns Erwachsene ist es schon nicht einfach, alles zu verfolgen – und erst recht nicht, alles zu verstehen. Und zu begreifen, warum die Mächtigen ihre Gewalt- und Kriegsspiele treiben. Wie machen Kinder das?

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Hausmeister, bis auf Widerruf
Dienstleistungen
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Anlagenmechaniker
Stellenanzeige
Ostergrußanzeige
Anzeige Lange Samstage
Mitarbeiter IT-Administrator
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige
Stellenanzeige Kita
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Koblenzer Kneipengeschichten
Titelanzeige KW 15
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten- Modernisieren
Veranstaltung 15.April