Allgemeine Berichte | 21.07.2014, 14:05 Uhr

„Wir für Toleranz und Freiheit“ im Kreis Ahrweiler

Viele Grenzen überwunden

Aktionswoche endete mit buntem Fest im Kurpark - Kulinarisches aus aller Welt

Die Kleinsten konnten sich am Stand der Okuja schminken lassen.
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Bad Neuenahr. Fünf Tage lang fanden in der Kreisstadt vielfältige Veranstaltungen zum Thema „Wir für Toleranz und Freiheit“ statt. Dies war zugleich das Motto der gleichnamigen Aktionswoche, bei der von Montag bis Freitag nicht nur Information und Aufklärung groß geschrieben wurden: Am Abschlusstag stand im Kurpark neben der Projekt-Präsentation aller Beteiligten auch das „Multikulturelle Musikfest“ an, das von den Beiräten für Migration und Integration im Kreis Ahrweiler veranstaltet wurde.

„Toleranz und Freiheit sind Grundwerte einer offenen Gesellschaft“, sagte Bürgermeister Guido Orthen. „Und das kommt auch in den kreativen Projekten und Veranstaltungen der Aktionswoche zum Ausdruck.“ Verschiedene Institutionen und Gruppierungen hatten sich beteiligt. Mit dabei auch die Schulen, Kindertagesstätten und die städtische Offene Kinder- und Jugendarbeit (Okuja). Die Ergebnisse der Projekte, die während der Aktionswoche unter anderem auch in Kindertagesstätten und in Schulen stattfanden, wurden am Freitag präsentiert. Ein vielfältiges Bühnenprogramm lud zum Mitmachen, Mitdenken und Mitfeiern ein. Tanz, Theater und ein Rock-Konzert auf der Bühne, Information und gute Netzwerke im gesamten Kurpark.

Der Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch freute sich, dass dieses Fest bereits zu einem festen Termin im Veranstaltungskalender avanciert ist. Vergangenes Jahr fand es in Bad Breisig statt. In Vertretung für Landrat Jürgen Pföhler erklärte er, dass 19.000 Menschen mit Migrationshintergrund im Kreis Ahrweiler lebten, also 15,1 Prozent der Bevölkerung, von denen zwei Drittel die deutsche Staatsangehörigkeit besäßen. Münch lobte die Arbeit der Integrationsbeiräte im Kreis Ahrweiler. Bürgermeister Guido Orthen erinnerte daran, dass Toleranz und Freiheit immer wieder neu eingeübt werden müssten. „Toleranz ist immer noch nicht selbstverständlich. Wir sind sehr schnell dabei zu urteilen und zu selten dabei, kennenlernen zu wollen“, so das Stadtoberhaupt. Die rechtsextremistischen Umtriebe in der Kreisstadt hätten den Ausschlag für die Aktionswoche und das Abschlussfest gegeben, erklärte Orthen. So ermutigte er, schon Kindern in Kitas und Grundschulen die Werte Toleranz und Freiheit zu vermitteln. Der besondere Gruß des Bürgermeisters galt Mitgliedern eines Integrationssprachkurses, vor allem Syrer, die mit ihrer Lehrerin in den Kurpark gekommen waren. Die Vorsitzende der Integrationsbeiräte, Asuman Bender, erinnerte daran, dass vor 20 Jahren als Vorläufer die Ausländerbeiräte ins Leben gerufen wurden. Die nächste Wahl findet am 23. November statt: „Gehen Sie hin und entscheiden sie mit“, ermutigte sie erneut zur Wahl zu gehen oder gar dafür zu kandidieren.

Die „Powerkids“ aus der Aloisius-Grundschule in Ahrweiler eröffneten mit ihrem Tanz das Bühnenprogramm. Mit ihren Trikots demonstrierten sie zu bekannten WM-Songs im Sinne von „We are one“ Zusammenhalt. Wie bereits beim Fest der guten Laune griff die Theatergruppe der Ganztagsgrundschule Bad Neuenahr unter der Leitung von Eva-Maria Kreuter die Themen Verantwortung und Vertrautheit im Stück „Der kleine Prinz“ auf. Brasilianischer Samba, orientalischer Tanz, spanischer Flamenco, belebende Chormusik, Indiepop oder Rock mit der Jugendband Lampenschirm am Abend - das Bühnenprogramm war genauso bunt wie die, die es spielten. Die Moderation übernahmen Thomas Spitz und Murat Aslan übernommen.

Der Rundgang durch den Kurpark geriet zur spannenden Entdeckungsreise. Auf Stellwänden waren Sätze von Besucher zu lesen, was die Begriffe Freiheit und Toleranz für sie bedeuten. „Grenzen überwinden“, „Träume verwirklichen“, „freie Entscheidungen treffen“ oder „frei seine Meinung äußern können“ stand auf ihren Zetteln. Die Aktion hatte die Offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt angestoßen und dabei Unterstützung von zahlreichen Kooperationspartnern bekommen. Am langen Stand der Okuja konnten sich die Kleinsten schminken lassen oder die Älteren beim Kicken auf dem Kleinspielfeld versuchen. Flügel stehen bekanntlich für Freiheit. Deshalb wehten unzählige Flügel und Fenster aus Papier im Kurpark im Wind. Auf ihnen zu sehen waren Statements zum Thema Freiheit. Im Schatten der großen Bäume bastelten Kinder am Stand des Kinderschutzbundes Menschen aller Nationen - etwa eine russische Babuschka - und klebten sie symbolisch auf eine große Weltkarte. „Damit wollen wir zeigen, dass wir alle bunt sind“, erklärten Michaela Wolff und Dittmar Baumung vom Kinderschutzbund. Das Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie hatte dazu aufgefordert, sich bei einem Fotowettbewerb kreativ mit dem Thema Vielfalt auseinanderzusetzen. Die Gewinner wurden am Nachmittag gekürt. Am Stand des AWO-Ortsvereins Bad Neuenahr-Ahrweiler waren provokante Parolen wie „Es gibt viel zu viele Zuwanderer“ zu lesen. Die Botschaft von Ingrid Frick und ihrem Team: Toleranz muss weiter gefördert werden. Mit ausgebildeten Medienscouts zeigte sich die Berufsbildende Schule gut aufgestellt, um gegen Cybermobbing oder Rechtsextremismus und Rassismus im Netz vorzugehen. Das Peter-Joerres-Gymnasium hatte sich bei einem Projekttag mit Demokratie und Courage auseinandergesetzt. Konkret gab es Antworten auf die Fragen, wie man sich verhalten soll, wenn man bemerke, dass jemand diskriminiert werde.

Etwas für den Gaumen war das Spezialitätenbüffet aus aller Welt. Da kam etwa Couscous aus Syrien auf den Tisch, eine Brasilianerin tischte Coxinha de galinha, eine frittierte Paste mit Hühnerfleisch, auf, da schmeckten Sauerkrautrouladen aus Rumänien, Empanadas mit Thunfisch oder Maiskuchen, während eine deftige Bauernsuppe manchen schon zu viel war angesichts der hohen Temperaturen.

Während der Aktionswoche gab es auch eine Reihe von Einzelveranstaltungen: etwa eine Ausstellung in der Stadtbibliothek, Tagesfahrten von Schülern des Are-Gymnasiums und der Privaten Ganztagsschule Carpe Diem nach Verdun, Fortbildungen im Haus der Familie, die Filmvorführung „Wie Erich seine Arbeit verlor“ über die DDR zur Zeit des Mauerfalls im Bad Neuenahrer Kino, eine Fachtagung der Landeszentrale für politische Bildung zum Thema „Geschlechterrollen in der Einwanderungsgesellschaft“ oder auch ein Vortrag von Elisabeth Graff über das Buch „Das Brandopfer“ und das Wirken des Autors Albrecht Goes.

Die Kleinsten konnten sich am Stand der Okuja schminken lassen.
Viele Grenzen überwunden

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Köstliches aus fremden Küchen zu probieren.

Die Kleinsten konnten sich am Stand der Okuja schminken lassen.

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