Fünf Mitglieder der Initiative Breisiger Künstler zeigen Fotografie, Malerei und Skulpturen im Jugend- und Kulturbahnhof
Von 38 Glückspunkten bis zum Hirtenmädchen in den Anden
Bad Breisig. Wenn der Bürgermeister mit der Brunnenkönigin auftaucht, stehen freudige Ereignisse an. Jüngster Anlass war die Vernissage der Herbstausstellung im Jugend- und Kulturbahnhof. Unter dem bewährten Motto „Kunst ist Leben, Leben ist Kunst“ stellt die Initiative Breisiger Künstler neue Arbeiten der Sparten Fotografie, Malerei und Skulpturen vor. Große Wertschätzung schlug der Gruppe entgegen. Stadt-Chef Bernd Weidenbach würdigte nicht nur die Präsentation vor Ort, sondern nutzte die Gelegenheit, um auf das vielfältige Engagement der Initiative übers Jahr zu verweisen: „Es zeigt, wie sehr die Künstler zu unserem Stadtbild gehören. Sie sind nicht mehr wegzudenken aus dem kulturellen Leben Bad Breisigs“.
Griff ins Pop-Register
In der Herbstausstellung geben fünf Mitglieder Einblick in ihr Tun, während die anderen neun im Frühjahr 2014 dabei sein werden. Dem weitherzigen Titel geschuldet, kommen im Bahnhof Naturimpressionen und Gestalten sowie, atmosphärisch oder symbolhaft gefasst, auch Stimmungen, Gefühle, Gedanken, Träume und Albträume zum Tragen. Der vielseitige Klaus Marek zeigt aktuell sowohl Skulpturen aus Holz und Metall als auch Malerei. Das Spektrum reicht dabei von lyrisch – wie Bild gewordene „38 Glückspunkte“ und ein filigranes „Hochstuhl“-Objekt belegen – bis hin zum Griff ins Pop-Register und in die Farbe. Vor allem Mareks gemalte „Augenblicke“ verleiten zum Hinsehen. Das Format umfasst 15 prall-bunte Bildfenster, deren fantasievolle Figuren, Symbole, Zeichen und Ornamente dazu einladen, sie lustvoll zu enträtseln.
Entzündeter Abendhimmel
Als Romantikerin erweist sich Erika Weißenhagen durch ihre Naturstücke, darunter die Klosterruine auf dem Disibodenberg, die ebenso grün eingebettete plätschernde Oberahr und jener dramatisch orange-lilafarben entzündete Abendhimmel über einer Ortschaft. Dabei fokussiert die Malerin auch ein Hirtenmädchen in den Anden und spannt, inspiriert durch die griechische Mythologie, ein gelb-grünes riesiges Seepferd vor einen Streitwagen. In märchenhafte wie gruselige Welten entführt Walter Buhr, dem fabelhafte Fotos während der Feuervogel-Sow beim diesjährigen Brunnenfest gelungen sind.
Er fing rot-schwarze Lichtsensationen ein und fasziniert mit hervorragenden Porträts der Protagonisten. Unübertroffen in ihrer Brillanz: die superscharfe Nahsicht aufs grün-goldene Gesicht des Drachendarstellers, die jedes Hautfältchen, jede Wimper und alle Farbabstufungen authentisch erfasst. Nicht minder fesseln Lichtbilder vom bleichen Blutsauger samt Opfer.
Sieht gut aus
Ein farbharmonisches Streifenbild mit kräftigen Strukturen, einen abstrahierten roten Baum und einen afrikanischen Hirten in Batik-Technik liefert Waltraud Kolarov. Auf eine einzige Arbeit beschränkt sich indes Sophie Adrian. Sie stellt zum ersten Mal aus, doch bleibt zu hoffen, dass ihrem Debüt weitere Beteiligungen folgen werden. Denn die Malerin hat offenbar Ideen und den Mut zum ungewöhnlichen Materialmix. Feierlich wirkt der flackend rot gespachtelte Bildgrund. Dazu passt die partielle Blattgoldauflage. Aber die darüber gespannte Angelschnur? Sie überrascht ebenso wie die Kombination des Ganzen mit einem angehefteten Aquarell, das Adrian von ihren Füßen fertigte. Dessen ungeachtet zählt eigentlich nur die Anziehungskraft des Tableaus mit asiatischem Flair. Selbst für den berühmten Malerkollegen Gerhard Richter ist ein Bild dann fertig, wenn es, so formuliert er lapidar, „gut aussieht“. Die Ausstellung ist bis Sonntag 22. September, außer montags, täglich von 16 Uhr bis 20 Uhr geöffnet
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Asiatisches Flair vermittelt die Arbeit von Sophie Adrian.
