Allgemeine Berichte | 05.12.2015, 13:00 Uhr

Rollenverständnis in der Einwanderungsgesellschaft

Von Rabenmüttern und Kopftuchträgerinnen

Rita Gilles, Beauftragte für Gleichstellung und Integration des Kreises Ahrweiler.Privat
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Ahrweiler. Wie sieht es aus mit dem Rollenverständnis der Frauen in Deutschland? Wo sehen sie sich selbst zwischen den Klischees von Rabenmüttern und Kopftuchträgerinnen? Rita Gilles, Beauftragte für Gleichstellung und Integration des Kreises Ahrweiler hat sich mit diesem Thema beschäftigt und die Ergebnisse ihrer Recherche in der Vortragsreihe Frauenforum am Freitag im Mehrgenerationenhaus vorgestellt. Zur Zeit leben circa 41 Millionen Frauen und Mädchen in Deutschland, davon haben circa 8 Millionen einen Migrationshintergrund und von diesen wiederum haben circa 4 Millionen die deutsche Staatsbürgerschaft. Das Migrantinnenbild ist sehr durchmischt. Doch wer zählt dazu, wer hat eigentlich einen Migrationshintergrund? Jeder, der seit 1949 in Deutschland eingewandert ist und dessen Nachkommen. Rita Gilles macht deutlich, wie vielfältig und unterschiedlich die Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind und wie häufig die Vorstellung von Migrantinnen an Klischees gebunden ist. Sie betont, es gibt nicht die Syrerin, die Brasilianerin, die Türkin oder die Deutsche? Rita Gilles stellt die überraschenden Ergebnisse einer Milieu Studie des Markt- und Sozialforschungsunternehmens Sinus vor. In dieser Studie erfolgt die Zuordnung der Menschen in die unterschiedlichen Milieus anhand ihre soziale Lage, Bildung und Einkommen, sowie deren Grundorientierung von traditionell über modern bis hin zu neuorientiert. Vergleicht man die Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund mit denen ohne Migrationshintergrund sind keine Unterschiede zu entdecken. Das Rollenverständnis der Frauen ist bei beiden gleich vielfältig, von traditionell bis hin zu unabhängig und karriereorientiert. Auch ein stärkerer Einfluss religiösen Ursprungs zeigt sich nicht. Die verbreitete Vorstellung, Frauen mit Migrationshintergrund würden sich mehrheitlich in traditionellen Rollen sehen, wird durch diese Studie nicht bestätigt.

Nicht anerkannte qualifizierte Berufsabschlüsse

Häufiger sind Beispiele dafür bekannt, dass die qualifizierten Berufsabschlüsse der Migrantinnen aus ihrem Herkunftsland in Deutschland nicht anerkannt werden, sie dadurch keine Möglichkeit haben, ihren erlernten Beruf auszuüben und auf diesem Wege hier in eine traditionelle Frauenrolle gedrängt werden. Dem Vortrag folgte eine intensive Diskussion mit vielen interessanten Beiträgen. Abschließend wurde sehr deutlich, dass die durch die Medien aufgebauschten Einzelfälle und deren Geschichten die allgemeinen Verhältnisse nicht widerspiegeln. Vielmehr gibt es mehr Gemeinsames als Trennendes. Dieser Vortrag schließt die Vortragsreihe des Frauenforums Kreis Ahrweiler e.V. für 2015. Bereits Anfang November hatten sich die aktiven Mitglieder zu einem Kreativ-Seminar zur Entwicklung frauenspezifischer Themen und Veranstaltungen zusammengesetzt und das Vortrags- und Veranstaltungsprogramm für 2016 zusammengestellt. Info unter www.frauenforum-aw.de .

Rita Gilles, Beauftragte für Gleichstellung und Integration des Kreises Ahrweiler.Foto: Privat

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