Allgemeine Berichte | 29.07.2013

Nacht der Vulkane: Brohltal-Tag lockte viele Besucher

Vulkanausbruch oder Meteoriteneinschlag

Swin Golf-Schnuppern, Fotoaktion mit Ritterrüstung und Maarerlebnisführung mit Jutta Dietz begeisterte

Die zweite Station der Führung war der Rastplatz am Rodder Maar.FRE

Niederdürenbach. Einen herrlichen Familien-Erlebnistag verbrachten zahlreiche Besucher an dem im Rahmen der Nacht der Vulkane von der Tourist-Info perfekt organisierten Brohltal-Tag, der sich rund um das Rodder Maar abspielte. Während am Vormittag der „Druide“ und Kräuterpädagoge Christian Havenith zum ganzheitlichen Erleben der Elemente im Sinne „moderner Kelten“ eingeladen hatte, bot der Swin-Golf Club Brohltal am Neuen Maarhof auf Wunsch eine Kurzeinweisung in die Sportart Swin-Golf an, und am Abend las die Autorin im Neuen Maarhof aus ihrem neuesten Krimi „Vulkanpark“ vor. Eines der Highlights des Tages war jedoch die „Maarerlebnisführung“ für die ganze Familie. So freute die Vulkanparkführerin Jutta Dietz sich ganz besonders, dass sie so viele interessierte Familien mit Kindern am Treffpunkt Neuer Maarhof begrüßen durfte. Da parallel zu der Erlebnisführung auch ein Quiz die Teilnehmer beschäftigte, wurden zunächst die entsprechenden Fragebogen verteilt, wobei die Antworten sich durch die sehr gut nachvollziehbaren Erklärungen der Vulkanparkführerin fast von selber ergaben. Für die Gewinner lockten tolle Sachpreise, während es für die nicht vollständig ausgefüllten Bögen einen Trostpreis gab. Nach einem kurzen Grußwort durch VG-Bürgermeister Johannes Bell, der ebenfalls mit seiner Frau und seinen Kindern an der Erlebnisführung teilnahm, begab die Gruppe sich zunächst zu der unterhalb des Neuen Maarhofs gelegenen Spannstation einer von 1926 bis 1943 betriebenen Seilbahn.

Lange Zeit vor dem Königssee

Diese Seilbahn diente dem Transport von Basaltsteinen aus dem früheren Basaltsteinbruch „Steimerich“ bei Oberdürenbach zum Brechwerk nach Oberzissen. Über diese Bahn transportierte man auch Wasser aus dem „Bur“ in Oberzissen hoch zu den Arbeitern im Steinbruch. Später füllte der Steinbruch sich mit Wasser und so entstand der Königssee. Von der Seilbahn ist heute nur der zwei Mal sieben Meter breite und fünf Meter hohe Betonpfeiler mit den Schächten der Spanngewichte übrig geblieben. Dort, wo heute der Königssee ist, war noch vor 100 Jahren eine kleine Bergkuppe, der ehemalige Basaltkegel „Steinberg“ (Steimerich), ein ehemaliger Vulkan. In den 1920er Jahren erwarb eine Firma aus Mühlheim an der Ruhr, die Steinhandel Rauen AG, die Konzession für den Betrieb des Steinbruchs am Steinberg, um das begehrte Naturgestein im großen Stil abzubauen. Außerdem errichtete die Firma 1924 in Oberzissen ein großes Schotterwerk direkt an der Trasse der Brohltalbahn mit eigenem Gleisanschluss. Angenehmer Nebeneffekt für die Bürger in Hain, Niederdürenbach und Rodder: Sie bekamen 1925 Stromanschluss. Einmal gebrochen und aufbereitet, erfolgte der Weitertransport des Steinmaterials zum Rheinhafen in Brohl mit der Brohltalbahn. Von Brohl gelangte das Baumaterial für den Straßenbau, für Uferbefestigungen an Flüssen, Kanälen und am Meer per Schiff oder Reichsbahn weiter zu Bestimmungsorten im In- und Ausland.

Lebendiges Rodder Maar

Die zweite Station der Führung war der Rastplatz am Rodder Maar. Hier erläuterte Jutta Dietz den Teilnehmern die am Maar zu findenden Pflanzen und Tiere. Ob es sich um die blühende Schafgarbe handelte, die sich als Medizin, Salatbeigabe oder als Schönheitsmittel eignet oder um die „Bekassine“, bei der es sich um eine langschnabelige, mittelgroße Art aus der Familie der Schnepfenvögel handelt - die fachkundige Vulkanparkführerin verstand es hervorragend, ihre Zuhörer mit jedem noch so kleinen Detail zu faszinieren. Dies galt insbesondere für die ebenfalls am Rodder Maar zu findende Ringelnatter, die für Menschen völlig ungefährlich ist oder den Graureiher (Fischreiher) mit seiner enormen Flügelspannweite. Auch zur Entstehungsgeschichte des Rodder Maars wusste Frau Dietz Interessantes zu berichten. Sie sagte zu der Entstehungsgeschichte des Maares: „Der Kessel ist mit tonigem Material gefüllt. Das war zu Zeiten der Bewaldung immer sichtbar, wenn ein umgestürzter Baum den Untergrund freilegte. Diese Füllung hat den Boden so stark abgedichtet, dass sich eine Wasserfläche ausbreiten konnte. Es gibt zwei Möglichkeiten, ein solches Loch entstehen zu lassen: Es kann durch aus der Tiefe frei werdende Gase ausgesprengt werden, also durch vulkanische Kräfte oder die erzeugenden Kräfte können von außen kommen, zum Beispiel aus dem Weltraum, dann wäre die Hohlform ein Meteoritenkrater. Der Gedanke an eine vulkanische Entstehung liegt nahe, weil die Senke in dem jungen Vulkangebiet der Osteifel liegt: Der Basaltvulkan Bausenberg, die Phonolithkuppe Olbrück und die Basaltkuppe Steinberg liegen nur ein bis zwei km vom Rodder Maar. Bei vulkanischer Entstehung wäre an einen Maarvulkan zu denken, also an einen Schlot, in den Oberflächenwasser hineinlief, sodass es zu Wasserdampfexplosionen kam, welche die Hohlform aussprengten. Das Auswurfmaterial der Maare besteht deshalb nur zu einem kleinen Teil aus magmatischen Komponenten, hauptsächlich jedoch aus dem herausgesprengten Nebengestein, hier also aus Unterdevon-Gesteinen. Von einem solchen Wall von Auswürflingen ist aber beim Rodder Maar keine Spur vorhanden. Dem Rodder Maar fehlen alle Merkmale einer vulkanischen Struktur, wenn man von der Hohlform absieht. Deshalb ist wahrscheinlicher, dass es durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden ist, und zwar im Jungquartär. Die gestreckte ovale Form geht darauf zurück, dass der Himmelskörper nicht senkrecht auf die Erdoberfläche stürzte - dann hätte er einen kreisrunden Krater - sondern in einem steilen Winkel dazu. Durch die Gewalt des Aufpralls hat er einen flachen Kessel geschaffen, in dem er das Unterdevon-Gestein zertrümmert hat. Die in den beiden Bohrungen unterhalb 13 m angetroffenen Brekzien könnten zu diesen Trümmermassen gehören“, so Jutta Dietz, die sich im Verlauf des Rundgangs auch ausführlich über die Historie des Rodder Mars und auch der Burg Olbrück äußerte. Jutta Dietz, geboren 1966 in Frankfurt, wohnt seit fünf Jahren in Hain. Beruflich befasst die Dipl. - Ingenieurin sich mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für verschiedene Baumaschinenfirmen und -hersteller. Seit 2010 ist sie als Vulkanparkführerin mit den Schwerpunkten Burg Olbrück und Brohltal-Region und als Vorstandsmitglied des Fördervereins Burg Olbrück e.V. aktiv.

Sehr anschaulich beschrieb Jutta Dietz die unterhalb des Neuen Maarhofes gelegene Spannstation einer von 1926 bis 1943 betriebenen Seilbahn.

Sehr anschaulich beschrieb Jutta Dietz die unterhalb des Neuen Maarhofes gelegene Spannstation einer von 1926 bis 1943 betriebenen Seilbahn.

Die zweite Station der Führung war der Rastplatz am Rodder Maar.Fotos: FRE

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