Politik | 09.10.2015

Zahlreiche Bürger kamen zur Info-Veranstaltung in Oberdürenbach, um sich über das geplante Projekt zu informieren

Wald am Mauchertsberg soll Windkrafträdern weichen

Die Gegner der in Dedenbach/Königsfeld geplanten Windkrafträder sind grundsätzlich weder gegen erneuerbare Energie im Allgemeinen noch gegen Windkrafträder im Besonderen. FRE

Oberdürenbach. Die Verbandsgemeinde Brohltal war vor noch nicht allzu langer Zeit daran interessiert, die Flächen für die Errichtung von Windenergieanlagen zentral zu bündeln. In dem vorgesehenen Bereich (Weibern, Kempenich und Spessart) stehen die ursprünglichen Flächen wegen des Lebensraumes von Schwarzstorch und Rotmilan nicht mehr zur Verfügung, sodass eine zusammenhängende Fläche nicht mehr vorhanden ist. Vom Verbandsgemeinderat wird der Flächennutzungsplan mit der Ausweisung von Windenergieflächen deshalb nicht mehr verfolgt. Somit bleibt es bei der gesetzlichen Regelung. Hiernach handelt es sich bei Windenergieanlagen um privilegierte Vorhaben im Sinne von § 35, Abs. 1 BauGB, sodass in Einzelgenehmigungsverfahren zu entscheiden ist, ob Anlagen errichtet werden können. Genehmigungsbehörde ist die Kreisverwaltung Ahrweiler. Aufgrund dieser Entwicklung wurde das Thema Windkrafträder für die Gemeinden Dedenbach und Königsfeld wieder aktuell.

Wald am Mauchertsberg müsste komplett gerodet werden!

So steht inzwischen fest, dass beide Gemeinden in ihren Ratssitzungen beschlossen haben, einen Auftrag für zunächst drei Windkrafträder an ein Betreiber-Unternehmen zu vergeben. Des einen Freud´ ist jedoch des anderen Leid! So sind die Flächen für die Windkrafträder so weit von den Orten Königsfeld und Dedenbach entfernt, dass die Bewohner dieser beiden Orte weder optisch noch akustisch in irgendeiner Form belästigt werden. Dagegen sind die angrenzenden Gemarkungen Schellborn, Oberdürenbach und das Erholungsgebiet „Waldgut Schirmau“, und somit auch deren Bewohner, direkt betroffen. Erschwerend kommt hinzu, dass für die Realisierung des geplanten Windkraftwerkprojektes der Wald am Mauchertsberg komplett gerodet werden müsste. Der Mauchertsberg ist ein 2,5 Kilometer langer Hügel westlich von Oberdürenbach, Flur 30, Nr. 42. Daraus resultiert, dass die akustischen und optischen Belästigungen zum einen die Wohnqualität der Menschen in den Nachbargemarkungen herabsetzen und zum andern eine Wertminderung ihrer Immobilien in Betracht gezogen werden muss. Die Erträge aus den Windkraftanlagen kommen jedoch ausschließlich den Eigentümern (Gemeinden) der jeweiligen Grundstücke zugute, wobei diese von den optischen und akustischen, und somit auch wertmindernden Folgen nicht betroffen sind. Der Clou an der Sache ist nicht zuletzt, dass die Erträge aus den Anlagen nicht umlagepflichtig sind!

Auf einer sachlichen Ebene viele Informationen gebündelt

Da sich für die Menschen aus den direkt betroffenen Orten aufgrund des geplanten Projektes viele Fragen ergeben, hatte der Gemeinderat Oberdürenbach in die Königssee-Halle Oberdürenbach zu einer Informationsveranstaltung zum Thema: „Die geplanten Windkraftanlagen in direkter Umgebung der Gemeinde Oberdürenbach“ eingeladen. Zu den Teilnehmern zählten außer den 90 interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Thomas Mock aus Königswinter (Rechtsanwalt und Fachmann in Sachen Windkraft) und Reinhard von Ooyen, Vorsitzender der BUND Kreisgruppe Ahrweiler sowie dessen fachkundiger Mitarbeiter Thomas Brötz und VG-Bürgermeister Johannes Bell, Elisabeth Dahr (Ortsbürgermeisterin von Oberdürenbach und zweite Beigeordnete im VG-Rat Brohltal) und Baumamtsleiter Hubertus Reuter. Von den Gemeinden Dedenbach und Königsfeld, deren politische Vertreter ebenfalls eingeladen waren, war niemand erschienen. Im Vorfeld hatten die Veranstalter (Gemeinderat Oberdürenbach) unter Beteiligung einiger Bürger bereits einen Fragenkatalog ausgearbeitet, der den Teilnehmern vor Ort ausgehändigt und von den anwesenden Fachleuten weitestgehend kommentiert wurde. Bei den Fragen handelte es sich unter anderem um die tatsächliche Rechtssicherheit des geplanten Windkraftwerkprojektes unter Berücksichtigung des Natur- und Vogelschutzes, des Schutzes der direkt betroffenen Anwohner (Lärmbelästigung, Wertminderung des Eigenheimes und den entsprechenden Konsequenzen) sowie der aktuellen Tourismus-Förderung etc. Gleich zu Beginn machten die Veranstalter deutlich, dass sie weder gegen erneuerbare Energien im Allgemeinen, noch gegen Windkraftanlagen im Speziellen seien, sondern auf einer sachlichen Ebene möglichst viele Informationen für alle Betroffenen bündeln wollten. Tatsächlich konnte die konstruktive Kritik der Anwesenden von den Experten zum Teil anhand der geltenden Rechtssprechung begründet, bekräftigt oder auch entkräftet werden.

Eine Teilnehmerin der Veranstaltung, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, brachte die Bedenken vieler mit der Frage auf den Punkt: „Wie kann es sein, dass Unsummen dafür ausgegeben werden, eine familienfreundliche und für Touristen attraktive Region zu schaffen und dies mit einem Schlag durch den Bau einer Windkraftanlage zerstört werden kann.“ Damit spielte sie offensichtlich auf Oberdürenbach an, da es sich hier unter anderem um eine Schwerpunktgemeinde handelte, die im Rahmen der Dorferneuerungsmaßnahmen für viele Verschönerungs- und Instandsetzungsprojekte entsprechende Zuschüsse des Landes Rheinland-Pfalz erhielt und sich damit zu einem wahren „Vorzeigedorf“ entwickelte.

Weiteres Gespräch, Diskussion und Austausch am 22. Oktober

Da noch viele Fragen offen sind, wollen sich circa 30 interessierte Teilnehmer der Info-Veranstaltung zu einem weiteren Gespräch am Donnerstag, 22. Oktober, um 19 Uhr, in der Königssee-Halle treffen. Jeder, der an einer aktiven und konstruktiven Mitarbeit interessiert sein sollte, ist selbstverständlich willkommen.

Das mit dem Sonderstatus „Erholungsgebiet“ versehene Gut Schirmau wäre ungefähr 750 Meter von den geplanten Windkrafträdern entfernt.

Das mit dem Sonderstatus „Erholungsgebiet“ versehene Gut Schirmau wäre ungefähr 750 Meter von den geplanten Windkrafträdern entfernt.

Ein Teil des für die Windkrafträder geplanten Gebietes aus der Sicht von Oberdürenbach.

Ein Teil des für die Windkrafträder geplanten Gebietes aus der Sicht von Oberdürenbach.

Die Gegner der in Dedenbach/Königsfeld geplanten Windkrafträder sind grundsätzlich weder gegen erneuerbare Energie im Allgemeinen noch gegen Windkrafträder im Besonderen. Fotos: FRE

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