Mitglieder des Waldbauvereins Ahrweiler trafen sich zur Jahreshauptversammlung
„Waldbewirtschaftung erfordert ein langfristiges Denken und Planen“
Dümpelfeld. Der Waldbauverein Ahrweiler mit seinem Vorsitzenden Albrecht Freiherr von Boeselager und dem Geschäftsführer Bernd Schiffarth hatte die Mitglieder nach Dümpelfeld in die DüNaLü Halle zur Jahreshauptversammlung eingeladen. Während im internen Teil der Versammlung der Geschäftsbericht und die Kassenlage im Vordergrund standen, war der öffentliche Teil von Grußworten und Referaten zur Forstpolitik, insbesondere Waldbau in der sich abzeichnenden Klimaveränderung und die Regulierung der Wildbestände, bestimmt. Die Mitglieder erfuhren von Geschäftsführer Schiffarth in der Offenlage des Geschäftsberichtes, dass bei relativ stabilen Holzpreisen für den Privatwaldbesitzer gute Verkaufserlöse erzielt wurden.
Allerdings wird es auf absehbare Zeit eine Änderung bei den Fördermitteln vom Land geben, die auch für den Waldbauverein Ahrweiler interessant sein könnten, da neue Richtlinien zur Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse zu erwarten sind. Beliebt sind nach wie vor die angebotenen Motorsägen Lehrgänge, die bezuschusst werden und im Jahre 2013 insgesamt 145 Teilnehmer zu verzeichnen hatten. Der Geschäftsführer gab auch einen Abriss über die vielfältigen Unternehmungen bis hin zur Lehrfahrt nach Lübbenau in den Spreewald oder die Fotoausstellung „KultUrwald“, aber auch zum Thema der weit überhöhten Wildbestände, die wohl auch in Zukunft den Waldbauverein beschäftigen werden. Zum Ende des Geschäftsjahres 2013 betrug die Mitgliederzahl 1.538 Mitglieder mit einer Waldfläche von insgesamt 8.093 Hektar. Zur dann anschließenden öffentlichen Versammlung konnte der Vorsitzende neben den Mitgliedern auch interessierte Bürger sowie Landrat Dr. Jürgen Pföhler, den Landtagsabgeordneten Marcel Hürter, Verbandsbürgermeister Guido Nisius, Ortsbürgermeister Dr. Rainer Schlömp sowie den neuen Kreisvorsitzenden vom Bauern- und Winzerverband Franz-Josef Schäfer begrüßen. Vom Forst und der Verwaltung waren der Abteilungsleiter Forsten im Landwirtschaftsministerium Dr. Jens Jakob, von der Zentralstelle der Forstverwaltung der Ltd. Forstdirektor Thomas Schriever sowie der Forstamtsleiter Winand Schmitz vom Forstamt Adenau und der Geschäftsführer Waldbesitzer Rheinland-Pfalz, Dr. Wolfgang Schuh, sowie der Kreisjagdmeister Joachim Polch nach Dümpelfeld gekommen.
Der ortsgebundene Wald als Gegenpol zur Globalisierung
Der Vorsitzende ging bei seiner Rede darauf ein, wie wichtig der Wald gerade in diesen Zeiten sei, wo es scheint, als gerate die Welt aus den Fugen. Hier bildet der Wald einen Gegenpol, er ist ortsgebunden, nicht global beweglich. Die Standortbedingungen sind nicht veränderbar. Seine Bewirtschaftung erfordert langfristiges, generationsübergreifendes Denken und Planen. Hier geht es nicht um kurzfristige Rendite.
Allerdings ist der Wald empfindlich, wenn der Mensch die von der Natur gegebenen Voraussetzungen seiner Bewirtschaftung nicht beachtet. Von hier aus würden Gefahren von Luftverschmutzung und Klimawandel drohen, so der Vorsitzende, zu dessen Auswirkungen ein eigener Vortrag vom stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Christoph Abs folgte. In Richtung Landesregierung merkte der Vorsitzende an, wenn nur zehn Prozent der staatlichen Forstfläche stillgelegt würde und aus der Produktion genommen werden sollte, könne dies nur als Beispiel kurzfristig motivierter Fehlentscheidungen mit langfristig nachteiligen Folgen im Langfristprojekt Wald bewertet werden.
„Wie kann man Energieunabhängigkeit propagieren und gleichzeitig die Produktion des umweltschonendsten und nachhaltigsten Rohstoffs Holz reduzieren? Was unter dem Mantel Naturschutz daherkommt, dient leider bei Weitem nicht immer den langfristigen Zielen von Naturschutz. Es ist jetzt schon absehbar, dass unsere Sägeindustrie schwer geschädigt wird und Betriebe wegen dieser Politik schließen müssen“, so von Boeselager. Bei dem hohen Wildbestand und zur Minderung von Wildschäden will der Waldbauverein nicht auf Konfrontationskurs gehen und hatte daher auch den Berufsjäger Hannes Fritz zum Referat „Maßnahmen zur Minderung von Wildschäden im Wald“ aus dem Rotwildkerngebiet Kesselinger Tal eingeladen.
Beim Dank an den Geschäftsführer und die Mitarbeiter merkte der Vorsitzende an, dass sie sich nicht nur um die Mitglieder verdient machen, sondern wertvolle Arbeit für die Heimat leisteten. Im Grußwort bezeichnete Landrat Dr. Jürgen Pföhler den Landkreis Ahrweiler als „Waldkreis“, da das Kreisgebiet zu 50 Prozent von Bäumen bedeckt ist. Der Landrat erinnerte daran, dass der Kreis Ahrweiler in erheblichem Umfang den Wald unter Schutz stellt. Allein 34 Prozent der Kreisfläche seien Vogelschutzgebiete und gar 94 Prozent würden zum Landschaftsschutzgebiet gehören, so Pföhler.
„Der Wald hat auch eine wirtschaftliche Bedeutung“
„Der Wald hat aber auch eine wirtschaftliche Bedeutung, denn er liefert den nachwachsenden, umweltfreundlichen und kohlendioxidneutralen Rohstoff und Energieträger Holz. Dieser ist Grundlage für die Einkommen unserer Waldbesitzer und stellt Arbeitsplätze gerade im strukturschwachen ländlichen Raum“, so der Landrat. Von Dr. Christoph Abs war zu hören, dass sich im längst begonnenen und schnell voranschreitenden Klimawandel der Wald verändern müsse, langfristig müsse man sich auf andere Baumarten einstellen, die mit dem neuen zu erwartenden Klima besser auskommen würden, so Abs. Allerdings werde dies nicht ohne den notwendigen begleitenden Schutz gehen, da gerade besser resistente Baumarten wie die Weißtanne ein gefundenes Fressen für den Wildbestand seien.
Der Vorsitzende Albrecht Freiherr von Boeselager betonte die Empfindlichkeit des Waldes.
