Allgemeine Berichte | 14.10.2013, 15:45 Uhr

Auftaktveranstaltung zum Dekanatsprojekt „Ökofaire Beschaffung“ in Sinzig

„Zukunft fairwandeln“

Aufruf zu mehr Eigenverantwortung

„Zukunft fairwandeln“
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Sinzig. „Der Klimawandel ist längst keine theoretische Möglichkeit mehr. Er ist auch kein Problem, das sich woanders oder in ferner Zukunft ereignet. Im Gegenteil: Er findet jetzt und auf unserem Planeten, zum Beispiel auch in Bolivien, statt.“ Mit diesen Worten eröffnete Alexander Reif, Bildungsreferent für nachhaltige Entwicklung bei „Germanwatch“ in Bonn, seinen Vortrag bei der Veranstaltung „Zukunft fairwandeln“ im Sinziger Pfarrheim. Germanwatch ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich unter dem Motto „Hinsehen, Analysieren, Einmischen“ seit 1991 für Nord-Süd-Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen engagiert.

Eingeladen hatte zu Beginn der Bolivienpartnerschaftswoche im Bistum Trier die Projektgruppe „Ökofaire Beschaffung“ des Dekanates Remagen-Brohltal. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass das Bewusstsein für entschiedenes Handeln zur Bewahrung der Schöpfung geschärft wird“, so Christoph Hof, Pastoralreferent im Dekanat Remagen-Brohltal. Wie notwendig ein solches Handeln ist, machte Alexander Reif mit seinen grundlegenden Ausführungen zum Thema „Klimawandel“ deutlich: „Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlage aller Menschen in Nord und Süd.“ Entschiedenes Gegensteuern sei notwendig, um den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf so weit wie möglich unter zwei Grad Celsius gegenüber des vorindustriellen Niveaus zu begrenzen. Dass der Klimawandel seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts nicht durch andere Faktoren als das menschliche Handeln erklärbar ist, sei mittlerweile eine wissenschaftliche Tatsache.

Kompletter Gletscher verschwunden

Wie sich der Klimawandel heute schon im Trierer Partnerland Bolivien auswirkt, veranschaulichte der zweite Referent der Veranstaltung, Michael Meyer, am Beispiel des Chacatalya-Gletschers in den Anden: „Als ich Mitte der 1990er Jahre als Partnerschaftsbeauftragter des Bistums in Bolivien anfing, gab es den Gletscher noch. Hier befand sich das höchstgelegene Skigebiet der Welt. Aber seit 2009 ist der Gletscher verschwunden.“ Die Hauptleidtragenden der Gletscherschmelze sind die mehr als zwei Millionen Einwohner der Städte La Paz und El Alto, die sich um ihre Trinkwasserversorgung sorgen. Wenn die Berge „ihren weißen Poncho verlieren“ - wie die Bolivianer sagen -, dann versiegen irgendwann weiter unten die Quellen. Grund für die Gletscherscmelze ist die globale Erwärmung, die auch in den anderen Landesteilen Boliviens spürbar ist und starke Auswirkungen auf das Wettergeschehen hat. „Deshalb freue ich mich, dass heute zum Auftakt der Partnerschaftswoche Menschen in Bolivien und im Bistum Trier zusammenkommen und überlegen, wie Christen Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung übernehmen können.“

Eigenen sozialen Handabdruck vergrößern

In der anschließenden Diskussionsrunde ging es um die Frage, wie im Dekanat Remagen-Brohltal nachhaltiges Handeln in Solidarität mit Bolivien umgesetzt werden kann. Als eine Möglichkeit benannte Alexander Reif die Vergrößerung des eigenen sozialen Handabdruckes: „Das bedeutet, Alltagsentscheidungen überlegter zu treffen, weil Konsumverhalten und Klimawandel zusammenhängen. Konsum bedeutet Material- und Energieaufwand, der wiederum davon abhängt, was genau wir kaufen, wie wir uns fortbewegen, Energie verbrauchen oder wie unser Lebensstil ist.“ In diesem Sinn will sich die Projektgruppe im Dekanat für eine ökofaire Beschaffung in den Pfarrgemeinden einsetzen. Christoph Hof: „Wir sehen die Chance für nachhaltiges und glaubwürdiges Handeln, wenn wir in unseren Dekanats- und Pfarrbüros sorgfältig prüfen, welches Papier wir verwenden, welchen Kaffee oder Tee wir trinken, und welchen Strom wir beziehen“. Die Mitarbeiterinnen der Projektgruppe hatten dazu in einer Ausstellung zahlreiche einfache Ideen für einen nachhaltigeren Lebensstil zusammengetragen. „Zum Beispiel verbraucht die Computerschriftart Century Gothic 30 Prozent weniger Tinte als Arial. Als Standardschrift eingestellt, spart das Geld und Chemie. Kleine Alltagshandlungen haben zusammen genommen einen weltweiten Einfluss - im positiven wie im negativen Sinne. Mit vielen kleinen Maßnahmen könnten wir persönlich und gemeinsam in den Pfarrgemeinden den Handabdruck für eine lebenswerte Zukunft vergrößern,“ so Pastoralreferentin Sheila Weiler. Wie Verbraucher sich vor einer Kaufentscheidung mithilfe von Zertifizierungen informieren und die Klima-Konsequenz der Produkte vergleichen können, zeigte die von Margit und Monika Rörig aus Wassenach erstellte Ausstellung mit verschiedenen Öko- und Fairtrade-Label.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es ein gemeinsames Abendessen mit bolivianischen Empanadas, zubereitet aus regionalen und ökofairen Produkten. „Auch wenn die Resonanz auf unsere Veranstaltung heute nicht so groß war wie erwünscht, werden wir uns weiter engagieren, hoffentlich neue Bündnispartner und interessierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden. Vielleicht gelingt es uns, in einer der Pfarrgemeinden Schritte hin zu einer ökofairen Beschaffung zu gehen. Das wäre ein wirklich glaubwürdiges Zeichen dafür, dass es uns Christen ernst ist mit der Bewahrung der Schöpfung und dem Einsatz für weltweite Gerechtigkeit in der Partnerschaft mit Bolivien“, so Christoph Hof in seinem Schlusswort.

Weitere Informationen zum Dekanatsprojekt: Pastoralreferent Christoph Hof, Quellenstraße 73, 53424 Remagen, Tel. (0 26 42) 4 17 59, E-Mail: christoph.hof@bistum-trier.de.

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