VR-Bank und Tischler-Innung feiern mit Gesellen die Freisprechung
13 Azubis lieferten ihr Gesellenstück ab
Handwerk hat goldenen Boden
Kreis Neuwied. Dreizehn Auszubildende des Tischlerhandwerks im Bezirk Neuwied wurden vergangene Woche der Gesellenbrief ausgehändigt. Ausgerichtet wurde die Freisprechungsfeier von der VR-Bank Neuwied. Im großen Saal des Servicecenters in der City wurde gefeiert und mit Sekt angestoßen. „Handwerk hat goldenen Boden“. Diese alte Weisheit wurde an diesem Tag mehr als einmal zitiert. Und selten traf sie mehr zu wie dieser Tage. Das Geschäft boomt.
Fachkräfte werden gesucht
Außerdem werden Fachkräfte gesucht und in Zukunft händeringend benötigt. Landrat Rainer Kaul appellierte förmlich an die jungen Leute, sich die Berufswahl wohl zu überlegen. Zu häufig werde spontan auf Schule und Studium gesetzt, obwohl das wunderbare und vielleicht weltweit einmalige deutsche duale Ausbildungssystem, riesige Chancen bietet. Die Selbstständigkeit nicht ausgeschlossen. Ganz besonders für Menschen, die geschickte Hände haben. „Liebe Junghandwerker, wir sind stolz auf Euch“, mit diesen Worten gratulierte Innungsobermeister Norbert Dinter zum ersten Etappenziel im Berufsleben. Er dankte den Betrieben, der Berufsschule und den Eltern für die Unterstützung in den Jahren der Ausbildung. Trotz aller Feierstimmung schrieb Norbert Dinter den Gesellen ins Stammbuch, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Nach der wohl verdienten Verschnaufpause rät der Obermeister den Gesellen, an Fachlehrgängen teilzunehmen und die Meisterprüfung abzulegen. Wer das macht, müsse sich keine Sorgen um den Arbeitsplatz machen. Abschließend erinnerte Norbert Dinter die Tischler an ihre Verpflichtung, von nun an ihr Wissen selbst an Auszubildende weiterzugeben. Kreishandwerksmeister Rudolf Röser war ebenfalls gekommen, um zu gratulieren. Die anwesenden Unternehmen bat er eindringlich darum, Ausbildungsplätze bereitzuhalten. Dies sei umso wichtiger, weil die Zahl der Schulabgänger weiter sinkt. Gastgeber der Freisprechungsfeier war die VR-Bank Neuwied-Linz, die sich im zweijährigen Rhythmus mit der Sparkasse Neuwied abwechselt. Hausherr Andreas Harner zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Tischler. Die Gesellenstücke sind noch ein paar Tage in der VR-Bank zu besichtigen. Entstanden waren sie zwischen Oktober 2014 und Januar 2015. Zunächst mussten die Auszubildenden bei der Prüfungskommission eine Zeichnung einreichen. Nach Genehmigung hatten sie einhundert Stunden Zeit, das Gesellenstück fertigzustellen. Dreizehn frischgebackene Gesellen, darunter eine junge Frau, begrüßte Andreas Harner. Sechs Azubis hatten die Prüfung nach der dreijährigen Ausbildung nicht geschafft. Sie dürfen es im Herbst noch einmal versuchen. An die Ehrengäste gerichtet sagte der Bankchef: „Sie sind nun in ihren Betrieben die Ansprechpartner“. Andreas Harner ermunterte die Gesellen, die berufliche Karriere fortzusetzen. Die Ausgangslage sei gerade wegen der Demografie sehr gut und im Übrigen hätte sich das Handwerk auch in schweren Zeiten bewährt. Andreas Harner hat die Tischler gern im Haus. Seine Freude über die Gesellenstücke war ihm förmlich anzusehen. Er lobte die Gesellen: „Ich bin beeindruckt von ihrer Leistung, von der detailtreue und ihrer Fantasie“.
Marc Hentschel war der Beste
Prüfungsbester war Marc Hentschel (Betrieb: Hans-Heinrich Muss). In der Addition der Berufsschulnoten (50 Prozent) sowie der Arbeitsprobe und dem Gesellenstück (jeweils 50 Prozent), schnitt er am erfolgreichsten ab. Vom Landesfachverband bekam er einen Gutschein in Höhe von 300 Euro für den Besuch der Holzfachschule. Der junge Mann hat seinen Traumjob gefunden. „Tischler zu sein bedeutet nicht tagein, tagaus das Gleiche zu tun. Der Beruf ist spannend und bietet immer neue Herausforderungen“, sagte Marc Hentschel. Als Gesellenstück hat er ein Hängeboard aus Nussbaumholz mit viel Raffinesse gebaut. Zu sehen ist es in der VR-Bank allerdings nicht. „Ich verleihe grundsätzlich nichts“, erklärte er dem verblüfften Landrat. Rainer Kaul nahm sich ausgiebig Zeit, die Gesellenstücke anzusehen und sprach mehrfach seinen Respekt vor der großen Leistung aus. Ihren Gesellenbrief in der Tasche haben: Thorsten Buhr (Becker Holz- und Metalltechnik, Horhausen), Florian Buschle (Ingo Jann, Neuwied), Daniel Feld (Hermann Gottbehüt, Neustadt), Rene Geile (Service und Messe GmbH, Koblenz), Jonas Jost (Schreinerei Egbert Balzar, Dürrholz), Julia Sara Kempert (Service und Messeu GmbH, Koblenz), Tobias Kurz (Friedhelm Schuster, Anhausen), Markus Lenz (Blum Holzwerkstätten, Dernbach), Lukas Müller (Service und Messe GmbH, Koblenz), Niclas Richarz (Planed GmbH, Rheinbreitbach), Thorsten Sting (Christian Dung, Erpel) und Erwin Wolf (Rita Noss, Neuwied).
