Selbsthilfegruppentag auf dem auf dem Neuwieder Luisenplatz
23 Initiativen und Vereine stellten sich vor
Neuwied. Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig Kraft geben und Informationen weitergeben. Dieses Ziel haben sich Selbsthilfegruppen auf die Fahnen geschrieben. Dreiundzwanzig Selbsthilfegruppen und Vereine mit Selbsthilfestrukturen stellten sich vergangenen Samstag auf dem Neuwieder Luisenplatz vor. Hirnaneurysma, Mukoviszidose oder Aphasie. Viele der Erkrankungen waren den meisten Besuchern neu. „Die einzelnen Themen bieten einen repräsentativen Querschnitt durch die gesamte Selbsthilfelandschaft. Neben der fachlichen Behandlung durch einen Arzt oder Therapeuten bieten Selbsthilfegruppen für den Betroffenen und Angehörigen darüber hinaus die Möglichkeit zum Austausch und geben das Gefühl, nicht allein mit ihrem Problem zu sein“, sagte der erste Kreisbeigeordnete, Achim Hallerbach. Als Schirmherr eröffnete er die Veranstaltung am Samstagsmorgen. Ihre Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Ehrenamtlichen brachten ebenfalls der städtische Beigeordnete Michael Mang und Landtagsmitglied Fredi Winter zum Ausdruck. Die Selbsthilfegruppen standen exemplarisch für über einhundert Selbsthilfegruppen und Vereine aus dem gesamten Stadt- und Kreisgebiet. Unterstützung erhalten sie von der Neuwieder Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Nekis) und dem Förderverein Selbsthilfe e.V. die zum Infotag eingeladen haben. Die Organisationen haben eine Broschüre herausgegeben, in der alle Gruppen mit deren Aktivitäten und Ansprechpartner aufführt sind. Organisator Jens Arbeiter war mit dem Verlauf des Infotags sehr zufrieden. Nekis ist eine von fünf Kontaktstellen in Rheinland-Pfalz, finanziell gefördert vom Land. „Wir stehen den Selbsthilfegruppen mit Rat und Tat zur Seite“, erklärte Jens Arbeiter. Schon beim Erstkontakt ist der Selbsthilfekoordinator gefragt. Sei es beim Anruf eines Hilfesuchenden oder bei denjenigen, die sich damit beschäftigen, eine Gruppe ins Leben zu rufen. Rund zweihundert Beratungen jährlich bewältigt Jens Arbeiter. Bei jedem vierten Gespräch geht es um psychische Erkrankungen. Stress und Sorge um den Arbeitsplatz sind häufig ein Anlass dafür. „Psychische und seelische Belastungen steigen weiter“, berichtete der Selbsthilfekoordinator. Aber auch Demenz wird immer häufiger zum Thema. Hier sind es meist die Angehörigen, die das Bedürfnis haben, sich mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen. Der Nekis Informationstag stand unter der Überschrift „Selbsthilfe baut Brücken“. „Wie alle wissen, ist zu Beginn einer Erkrankung die Not am größten. Es wurde noch kein gangbarer Weg aufgezeichnet und die Brücke zurück ins eigene Leben noch nicht gefunden. In den Selbsthilfegruppen ist ein großes Potential an Erfahrung und dieses kann der Erkrankte nutzen“, so Jens Arbeiter. Ein Beispiel dafür nannte Reinhild Weyrich. Die Leiterin der Selbsthilfegruppe Hirnaneurysma, dabei handelt es sich um eine Gefäßaussackung an der Hirnarterie, berichtete von einem Mann, der sich nach dem Befund aufgelöst und weinend telefonisch meldete. Nicht alleine dazustehen und tolle Beispiele, wie man mit der Krankheit umgehen kann, fand er in der Selbsthilfegruppe. Mittlerweile geht es dem Mann besser, auch weil ihm die Gruppe die besagte Brücke schlug. Die Gruppe präsentierte auf dem Luisenplatz ihr Projekt „Strich - Punkt ganz ohne Noten“, vor. Einige Gruppenmitglieder spielen seit 2012 Mundharmonika“. „Das macht zufrieden und ausgeglichen, fördert Konzentration und Ausdauer und macht stark sowie selbstbewusst“, erklärte Reinhild Weyrich. Für dieses öffentlichkeitswirksame Projekt wurde die Gruppe sogar schon mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
Die Selbsthilfegruppe Hirnaneurysma informierte und bot der Veranstaltung einen musikalischen Rahmen.
