Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.
Anwohner an Rhein und Mosel fürchten noch mehr Bahnlärm
„Bahnlärm-Demonstration-Koblenz 2015“ am Samstag, 9. Mai
Kamp-Bornhofen. Keine andere Region in Deutschland ist so stark von Lärm und Erschütterungen durch den Eisenbahnverkehr betroffen wie die Täler entlang des Rheins und der Mosel. Hier rasen, mit Gefahrgut beladene, Güterzüge in kurzen Abständen im Minutentakt wenige Meter an den Wohnhäusern der Menschen vorbei mitten durch Wohngebiete. Die Angst geht um, dass nach der Inbetriebnahme des St. Gotthard-Basistunnels Mitte 2016 der Schienengüterverkehr deutlich ansteigen wird. Lärm und Erschütterungen werden in gleichem Maße zunehmen. Die Entwertung der Immobilien wird rasant fortschreiten. Die Lebensqualität im Umfeld der Bahntrassen wird sich weiter verschlechtern. Noch mehr Menschen als bisher werden auf Grund der unerträglichen Situation erkranken. Besonders viel Lärm geht von den technisch veralteten und defekten zweiachsigen Waggons aus.
Mehr als 100 Dezibel gefährdet die Gesundheit der Schlafenden
Messungen haben ergeben, dass oft mehr als 100 Dezibel überschritten werden. Das führt nachts zu Stress auslösenden Aufwachreaktionen mit all den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Schlafenden. Im Freien wird jegliche Kommunikation jäh unterbunden. In den Wohnungen wackeln, je nach Beschaffenheit des Untergrundes, die Lampen an den Decken und das Geschirr klirrt im Schrank. „Die vom Schienengüterverkehr verursachten Lärm- und Erschütterungsbelastungen haben in den vergangenen zehn Jahren immer weiter zugenommen und sind inzwischen für viele Menschen, insbesondere für Kinder, unerträglich geworden. Trotzdem werden immer mehr, immer längere, schwerere und lautere Güterzüge durch die Wohnquartiere gejagt“, so Willi Pusch, Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm (BVS) und der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden gegen die Bahn e.V.. Die laufende Planung zum Lärmschutz halten einige Kritiker für „Augenwischerei“. Sie befürchten, dass kleine technische Verbesserungen wie z.B. Schienenstegdämpfer, Niedrigschallschutzwände, Schienenschmieranlagen in Kurven den Lärm nicht ausreichend mindern werden.
Mit einer kurzfristigen Lösung ist eher nicht zu rechnen
Bis beispielsweise neue Drehgestelle vom Eisenbahnbundesamt geprüft und genehmigt sind, vergehen noch Jahrzehnte. Mit einer kurzfristigen Lösung der Lärmproblematik ist daher eher nicht zu rechnen. Unabdingbar muss der unverzügliche Einstieg in die Lärmsanierung beginnen. Die weitere Verschleppung, der seit vielen Jahren bei allen verantwortlichen Stellen des Bundes und der Bahn bekannten Misere auf dem Rücken der Bürger ist nicht länger zu akzeptieren. Man steht am Scheideweg zwischen Lärmsanierung und Verlärmung. Deshalb fordern die Bürger neben der raschen Umsetzung aktiver und passiver Lärmschutzmaßnahmen, eine Verlagerung des Schienengüterverkehrs aus dem Rheintal. Willi Pusch stellt dazu fest: „Hierzu wäre das angedachte Westerwald-Taunus-Tunnelsystem eine denkbare Lösung.
„Bahnlärm- Demonstration-Koblenz 2015“
Der Bau eines solchen Tunnelsystems würde zudem noch Wachstum und Beschäftigung in den betroffenen Regionen generieren. In Weißenthurm trafen sich Vertreter von Bürgerinitiativen aus dem gesamten Rhein- und Mosel Tal zur dritten Organisations-Besprechung, um die „Bahnlärm-Demonstration-Koblenz 2015“ vorzubereiten. Verbandsbürgermeister Georg Hollmann begrüßte die Vertreter der Bürgerinitiativen und betonte, dass der Lärmschutz an Schienenwegen wichtig sei, für die Menschen, den Tourismus und die ganze Region. Die Landkreise entlang des gesamten Rheintals sowie alle Vertreter der Kommunen und sämtliche Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, am Samstag, 9. Mai, um 14 Uhr, zur Demonstration gegen Bahnlärm, nach Koblenz vor den Hauptbahnhof zu kommen, um ein deutliches Signal nach Berlin zu senden: „So wie es ist, darf es nicht bleiben, und wenn es gar noch schlimmer kommt, geht eine weltweit einzigartige Natur- und Kulturlandschaft zugrunde. Der Bahnlärm muss raus aus den Tälern von Rhein und Mosel. Auch Bahnanwohner und ihre Familien haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die Gesundheit und damit das Leben der Menschen entlang der Bahntrassen müssen wieder Vorrang haben vor wirtschaftlichen Interessen einiger Großkonzerne!“
Pressemitteilung
Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.
Die Bürgerinitiative (v.l.n.r.) Helga Zoltowski (Kreisverwaltung Neuwied), Erich Schneider, (BI Leutesdorf), Franz Breitenbach (BI Bad Hönningen), Rolf Papen (BI Weißenthurm), Willi Pusch, Hermann Winter (BI Weißenthurm), Georg Hollmann, Karl Ottes (Kreisbeigeordneter Rheingau Taunus), Max Op den Camp (BI Winningen) Gerd Kirchhoff (Bi Bad Honnef), Gunter Fröhlich (BI Neuwied).Foto: privat
