Politik | 15.11.2015

Sozialverband VdK – Kreisverband Neuwied informiert

Drohender Ärztemangel wurde angeregt diskutiert

Ärztliche Versorgung und der ärztliche Bereitschaftsdienst waren Thema bei der Herbstkonferenz des VdK-Kreisverbandes Neuwied

Bei der Tagung wurden aktuelle Themen besprochen.privat

Kreis Neuwied. Zu einer Arbeitstagung trafen sich kürzlich Vorstandsmitglieder aus den VdK-Ortsverbänden des Kreisverbandes Neuwied im Bürgerhaus Asbach. Als Schwerpunktthema dieser Tagung hatte sich der Kreisvorstand die „Ärztliche Versorgung“ und den „Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Kreis Neuwied“ ausgesucht. Hierzu konnte Kreisvorsitzender Hans Werner Kaiser neben den Vertretern aus den einzelnen Ortsverbänden als Referenten den Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel und die Obfrau der Kreisärzteschaft Neuwied, Dr. Anja Meurer, begrüßen.

Als Einleitung in die Thematik stellte der Kreisvorsitzende die Frage: „Haben wir in zehn Jahren noch genügend Ärzte im Kreis Neuwied?“. Er nannte einige Schlagzeilen aus Medienberichten der letzten Zeit, die dem Bürger Angst und Bange machen, so beispielsweise „Rheinland-Pfalz gehen die Hausärzte aus“ oder „Patienten müssen auf Komfort verzichten“. Was steckt hinter den Schlagzeilen? Haben Politik und Ärzteverbände den demografischen Wandel unterschätzt?

Oder handeln die Verantwortlichen nach dem rheinischen Motto „Et hätt noch immer jot jejange!“? Wo liegen die Ursachen? Wer hat die Rezepte?

Eines vorweg: Das ‚Patentrezept’ gegen den drohenden Ärztemangel hatte niemand in der Tasche. Erwin Rüddel (MdB), Mitglied im Bundesfachausschuss Gesundheit und Pflege, ging zunächst auf den Sicherstellungsauftrag der ärztlichen Versorgung ein, der vom Bund auf die Kassenärztliche Vereinigung übertragen wurde. Ein Hemmnis für viele Studenten, die gerne Medizin studieren wollen, sei der nach wie vor geltende „Numerus clausus“, der eine Abiturnote von 1,1 vorschreibt. Ein düsteres Bild zeichnet sich ab, da deutschlandweit circa 80 Prozent der Hausärzte in den nächsten zehn Jahren aus Altersgründen ihre Praxis schließen werden. Nur 10 % der Medizinstudenten wollen nach ihrem Studium im Hausarztbereich arbeiten. Dies liegt auch daran, dass der überwiegende Teil der Medizinstudenten weiblich ist, wie Rüddel betonte. Im zweiten Teil seines Referates zeigte er auf, wie die medizinische Versorgung in zehn Jahren aussehen könne. „Doppelstrukturen werden wir uns in zehn Jahren nicht mehr leisten können“, sagte er. In zehn Jahren wird es nach seiner Auffassung eine Vernetzung der ambulanten mit der stationären Versorgung geben. Seine Zukunftsvision sieht so aus, dass überall dort, wo kein Hausarzt mehr vorhanden ist, Gemeindeschwestern einfache ärztliche Aufgaben übernehmen.

Arztberuf befindet sich stark im Wandel

„Die Patienten gehen in Zukunft nicht mehr zur Medizin, sondern die Medizin geht zum Patienten,“ so Erwin Rüddel, womit er die Telemedizin meinte.

Dr. Anja Meurer, Obfrau der Kreisärzteschaft und selbst praktizierende Hausärztin in Neuwied, sprach zunächst den Wandel im Beruf des Arztes an. Zu Beginn ihrer Hausarzttätigkeit sei sie ’rund um die Uhr’ (außer Mittwochnachmittag) für ihre Patienten ‚da’ gewesen. Die heutige Generation der Mediziner wolle und könne dies nicht mehr. Dies auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr weibliche Ärzte in diesen Beruf drängen, die vielfach nur einen Teilzeitjob anstreben. Im Laufe der Jahre hat sich die ärztliche Versorgung sehr verändert, doch sehr oft wird der Arzt ‚missbraucht’ für Dinge, für die er gar nicht zuständig ist.

Zum Thema „Ärztlicher Bereitschaftsdienst im Kreis Neuwied“ führte sie aus, dass vor circa 15 Jahren die Bundesregierung gefordert hat, den Bereitschaftsdienst neu zu strukturieren. Dies wurde vom Bund auf das Land übertragen, die diese Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung aufgetragen hat. Die Notwendigkeit der Einrichtung von Bereitschaftsdienstzentralen (BDZ) ergab sich dadurch, dass durch eine Ver-ringerung der Hausärzte um circa 50 Prozent die Bereitschaft nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte.

Fehlende Fachärzte besonders in den ländlichen Regionen

Anschließend stellten sich beide Referenten den Fragen der Zuhörer, aus denen die Befürchtung herauszuhören war, ob demnächst noch ein Hausarzt vor Ort ist. Wie Dr. Anja Meurer ausführte, sind nicht die Hausärzte auf dem Land das größte Problem, sondern die fehlenden Fachärzte, die nicht aus den Städten in die ländlichen Regionen zu locken sind. Ansätze sehe sie in Projekten, bei denen Fachärzte in ländlichen Bereichen wöchentliche Sprechstunden einrichten. Zur Frage, wie ein Hausarzt in den ländlichen Raum zu locken sei (beispielsweise über die Internetseite der KV „Dorf sucht Arzt“), wenn der dortige Mittelbereich aber ‚gesperrt’ sei, sodass ein potenzieller Interessent erst gar keine Zulassung erhalte, antwortete sie, dass nach ihrer Einschätzung die Einteilung in Mittelbereiche eventuell eine Fehlentwicklung war. Auf Probleme mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst angesprochen riet sie jedem, sich an die Leitung des BDZ zu wenden unter Angabe von Datum, Uhrzeit, Name des Arztes und dem aufgetretenen Problem. Nach der über einstündigen Diskussionsrunde bedankte sich Kreisvorsitzender Hans Werner Kaiser bei Dr. Anja Meurer und Erwin Rüddel für die zum Teil klaren Worte zu den beiden Themen.

Neuigkeiten aus dem Landes- und Kreisverband

Zum Schluss der Tagung vermittelte Hans Werner Kaiser den Vorstandsmitgliedern aus den Ortsverbänden in seinen Ausführungen einige Neuigkeiten aus Landes- und Kreisverband. Hier ging er insbesondere auf den Landesverbandstag ein, bei dem neben einigen Satzungsänderungen auch eine nach Mitgliedsjahren gestaffelte Beitragserhöhung zum 1. Januar 2016 beschlossen wurde.

In seinem Schlusswort lobte er die gute Beratungstätigkeit der Mitarbeiterinnen in der Kreisgeschäftsstelle.

Bei der Tagung wurden aktuelle Themen besprochen.Foto: privat

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