Politik | 22.06.2015

St. Elisabeth Krankenhaus seit 125 Jahre im Dienste der Menschen

Jubiläum mit Festakt und Familienfest

Krankenhausoberin Therese Schneider und Generaloberin Edith-Maria Magar im Kreise der hochrangigen Gratulanten.FF

Neuwied. Mit einem vormittäglichen Festgottesdienst und einem Fest für die Mitarbeiter und deren Familien am Nachmittag, feierte das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth am Samstag seinen 125. Geburtstag. Mit Speis und Trank, Live-Musik und einem bunten Unterhaltungsprogramm bedankte sich das Management bei den Mitarbeitern. Danke sagte auch Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Mit ihrem Besuch unterstrich die Ministerin für Soziales, Arbeit und Gesundheit, die überörtliche Bedeutung des St. Elisabeth Krankenhaus, gleichzeitig akademisches Lehrkrankenhaus der Uni Mainz. Viel war an diesem Tag vom Menschen die Rede. Der Geist aus den Gründungstagen von 1890 soll bewahrt werden, trotz aller wirtschaftlichen Zwänge. In der St. Matthias Kirche leitete Pfarrer Thomas Darscheid die Heilige Messe, die durch die Beteiligung zahlreicher Mitarbeiter einen dem Anlass entsprechenden Anstrich bekam. Generaloberin Edith-Maria Magar bedankte sich für dieses freiwillige Engagement. Es sei Ausdruck eines besonderen Umgangs, der fortgesetzt werden müsse. „Hier liegt der Mehrwert unseres Klinikums“, so die Generaloberin. Der Weg von einer reinen Dienstgemeinschaft hin zu einer Kommunikationsgemeinschaft müsse weiter beschritten werden. Es gelte, den Menschen als Mittelpunkt des Lebens zu schützen. Ganz besonders an den „Andersorten“ wo Empathie groß geschrieben wird, allen voran in den Krankenhäusern. Abschließend wies Edith-Maria Magar darauf hin, wem das St. Elisabeth Krankhaus zu verdanken ist - nämlich Gott. Dr. Heinz-Jürgen Scheid, Geschäftsführer der Marienhaus Holding GmbH, ging in seinem Grußwort darauf ein. Es waren die Waldbreitbacher Franziskanerinnen, die aus Nächstenliebe Ende des 19. Jahrhunderts zunächst Kranke und Bedürftige in Neuwied versorgten und später das Krankenhaus errichteten. Dr. Heinz-Jürgen Scheid blickte auf die Meilensteine seit der Gründung zurück und kündigte mit der Modernisierung des alten Bettenhauses die nächste bauliche Veränderung an. 21.500 Patienten versorgt das Krankenhaus jährlich. Hinzu kommen 44.000 ambulante Behandlungen. „Mit 1.100 Beschäftigten ist das St. Elisabeth Krankenhaus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Neuwied. Wir investieren viel in die Ausbildung“, berichtete der Geschäftsführer. Für die Zukunft wünscht er sich, dass das Krankenhaus das Flaggschiff der Gruppe bleibt, dass das Erbe und der Wille von Mutter Rosa weitergelebt werden und die Patienten die notwendige Versorgung erhalten. „Das Ja zum Leben ist die Grundlage unseres gemeinsamen Auftrags“, schloss Dr. Heinz-Jürgen Scheid. Darauf, dass die medizinische Versorgung heute eine andere als einst ist, verwies Landrat Rainer Kaul mit dem Hinweis auf 34 stationäre Tage früher und aktuell fünf. „Damals ging es wohl eher um Pflege und Fürsorge. Die medizinische Kunst stand weniger im Vordergrund“, sagte Rainer Kaul. Er zeigte sich froh darüber, dass der Landkreis über sechs Krankenhäuser verfügt, die von Kirchen, Orden oder anderen freien Trägern, betrieben werden. Statt Dividenden an die Aktionäre auszuschütten, würde stattdessen reinvestiert. Der Landrat bedauerte den fehlenden politischen Willen, der dafür sorgt, dass medizinische Einrichtungen chronisch unterfinanziert sind. Oberbürgermeister Nikolaus Roth war ebenfalls gekommen, um seinen Dank auszusprechen. Die Gründung des St. Elisabeth Krankenhaus sei eine Antwort auf die gesellschaftlichen Veränderungen gewesen. Wirtschaftliche Not und die Auflösung traditioneller Familienverbünde sorgte für Armut. „St. Elisabeth war eine Einrichtung für die arme Bevölkerung“, so Nikolaus Roth. Er zeigte sich dankbar für die Jubiläumsfeier. „Solche Anlässe sind prima Gelegenheiten, sich das vermeintlich Selbstverständliche einmal bewusst zu machen“. Neuwieds erster Bürger bezeichnete die Einrichtung als ein Stück Lebensqualität. „Wir sind froh so einen Schatz in der Stadt zu haben“, sagte er. Ähnlich äußerte sich Pfarrer Thomas Darscheid. Wie eng die Gemeinde mit St. Elisabeth verbunden ist, bewies die Abfrage unter den Messdienern. wer wo das Licht der Welt erblickte? Den Mitarbeitern des Klinikums wünschte er, dass sie ihre Kraft und Zuversicht behalten. Krankenhausoberin Therese Schneider war das Schlusswort vorbehalten. Sie bedankte sich bei allen Mitwirkenden und lud zum anschließenden Familienfest ein.

Die Anfänge in der Marktstraße

Im Jahr 1860 nahmen die Waldbreitbacher Franziskanerinnen die medizinische Versorgung in der Deichstadt auf. Kranke und Bedürftige behandelten die Schwestern ambulant. 1890 wurde ihnen die Genehmigung zur Errichtung eines privaten Krankenhauses in Neuwied erteilt. Acht Schwestern des katholischen Ordens nahmen, zunächst in den eigenen Wohnräumen in der Marktstraße, ihre Arbeit auf und betreuten die Menschen rund um die Uhr. Zehn Jahre später erfolgte der Umzug. 1901 wurde ein Teil des heutigen Gebäudekomplexes C in Betrieb genommen. Die Schwestern hatten mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Das Krankenhaus lag nämlich auf Heddesdorfer Grund und Boden. Da die Stadt Neuwied und Heddesdorf damals noch nicht vereint waren, entschied die Verwaltung 1902, keine Kranken einzuweisen. Finanziell unterstützt wurden die Kranken nur, wenn sie ins evangelische städtische Krankenhaus des Frauenvereins gingen. Dies wurde 35 Jahre früher von der Fürstin zu Wied gegründet. Bei den Bürgerinnen und Bürger stieß dieser Beschluss auf wenig Gegenliebe. Sie lehnten sich gegen den Boykott auf. Von da an konnte jeder wieder das Krankenhaus seiner Wahl aufsuchen. Anders als heute wurden Krankenhäuser früher überwiegend von den unteren Bevölkerungsschichten in Anspruch genommen. Wer es sich leisten konnte, ließ sich lieber daheim versorgen, statt eine „Heilanstalt“ aufzusuchen. Wer mehr über die Geschichte des Krankenhauses, gleichzeitig ein Teil der Neuwieder Stadtgeschichte wissen möchte, sollte sich den 19. November vormerken. Pünktlich zum Tag der heiligen Elisabeth erscheint die Chronik des Hauses, die die Ereignisse der bewegten vergangenen 125 Jahre im Detail beleuchten wird. Sie wird auch im Buchhandel verfügbar sein.

1890 errichteten die Franziskanerinnen in Heddesdorf das heutige St. Elisabeth Krankenhaus.

Pfarrer Thomas Darscheid leitete die Heilige Messe mit anschließendem Festakt und Gratulationen.

Mit 1.100 Arbeitsplätzen ist das St. Elisabeth Krankenhaus auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Neuwied.

Jubiläum mit Festakt und Familienfest

Jubiläum mit Festakt und Familienfest

Jubiläum mit Festakt und Familienfest

Krankenhausoberin Therese Schneider und Generaloberin Edith-Maria Magar im Kreise der hochrangigen Gratulanten.Fotos: FF

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