Allgemeine Berichte | 11.10.2013

Ariendorfer sind froh ein Stück Kirchen-Geschichte bewahren zu können

Marien- und Johannesglocke läuten nun neben der Kapelle

In den Grundstein ließen Stephan Birnbach (links) und Heinz-Günter Heck die Urkunden, Chroniken und Währungen ein. Foto: Kossmann

Bad Hönningen-Ariendorf. Pastor Christian Scheinost segnete den neuen Glockenstuhl für die aus der Ariendorfer Filialkirche übernommenen beiden Kirchenglocken. Vorausgegangen war ein feierlicher Festgottesdienst in der alten Ariendorfer Kapelle „St. Johannes der Täufer“, bei welchem Scheinost gemäß den Grundwerten der deutschen Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zur Gerechtigkeit unter den Menschen aufrief, wie wir sie auch von Gott erfahren „lasst uns Menschen des Friedens sein!“. Die Einweihung des neuen Glockenstuhls fiel auf einen wichtigen Tag für ganz Deutschland, an welchem die Kirchen nicht abseits stehen dürfen, weil sie auch einen wichtigen Teil zur Einheit beigetragen haben. „Wir dürfen den Herbst 1989 niemals vergessen, am 9. Oktober wurden die Verhandlungen begonnen und am 9. November fiel die Mauer. Die Kirchen haben mitgestaltet, sie wurden zu Versammlungsorten der Christen in großen Städten, hier wurden Mahnwachen und Fürbitten abgehalten. Die Einheit seit 23 Jahren hat aber auch noch tiefe Gräben gerade im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit, bis die Einheit zwischen Ossis und Wessis abgeschlossen ist, kann es noch einige Jahre dauern. Wir dürfen dabei nicht nur auf uns selber schauen, sondern müssen miteinander statt gegeneinander handeln“.

Glocken nun an neuem, ehrwürdigen Platz

Die Glocken nun an ihrem neuen, ehrwürdigen Platz laden ein zu Gottesdiensten sowie zu diversen fröhlichen Anlässen, auch in der Trauer. Es sei dabei ungewiss, was nachfolgende Generationen in Ariendorf daraus machen. Der Glockenstuhl steht für Verbundenheit mit der ehemaligen Filialkirche und zum Gedenken an die kirchliche Heimat. Durch Dekret von Bischof Reinhard Marx vom 10. September 2007 wurde diese ehemalige Kirche des heiligen Johannes des Täufers für profan erklärt.

Nach der Profanierung wurde der Gedanke geboren, die Glocken sichtbar aufzustellen. Dazu war aber notwendig, dass der Bürgerverein mit Hilfe der Feuerwehr vor dem Abriss der Kirche, der 2009 erfolgte, die Glocken ausbaute und sicherstellte.

Was zuerst nur ein Gedanke war, wurde dann ab dem Dorffest im Jahre 2009, Stück für Stück Wirklichkeit. Der Beigeordnete der Stadt Bad Hönningen, Georg Düren, gab die Zusage, mit Förster Christoph Kirst sieben Festmeter Eichenholz aus dem Stadtwald zur Verfügung zu stellen. Nach dieser Zusage waren Heinz-Günter Heck und Stephan Birnbach vom Bürgerverein die treibenden Kräfte an diesem Projekt. Vor dem Beginn waren wie bei allen Bauvorhaben umfangreiche Gespräche zu führen, so mit Robert Mitchell vom Bistum Trier, Dr. Lahr vom Denkmalschutz, Achim Braasch vom Bauamt, mit den Wasserwerken und der SÜWAG. Für die Zeichnung und Statik konnte Hugo Hinz gewonnen werden. Viele Firmen führten ihre Arbeiten ohne Kostenrechnung durch, so dass das doch sehr kleine Budget ausreichen konnte. Nach dem die Hälfte der veranschlagten Kosten zur Verfügung stand, wagten Heinz-Günter Heck und Stephan Birnbach das Wagnis, den Bau des Glockenstuhls, in der Hoffnung, dass die Ariendorfer Bürger durch eine fleißige Spendenbereitschaft die Finanzierung sicher stellten.

Sponsoren der Baumaßnahmen waren das Bistum Trier, der Stadtwald Bad Hönningen, die Jagdgenossenschaft, die Getränkekasse der Kapellensanierung, das Sparbuch der Ariendorfer Kapelle, der Bürgerverein Ariendorf, die Heimathauskasse, die Karnevalsgesellschaft Ariendorf, zahlreiche Spender aus Ariendorf und Bad Hönningen sowie der Verkehrs- und Verschönerungsverein Bad Hönningen.

Aber auch zahlreiche aktive Helfer waren gefragt, so Paul Grundmann, Werner Weißenfels, Hans Werner Groß, Ralf Lotz, Ludwig Gerolstein, Willi Rolauf, Horst Frömbgen, Günter Hermes und Friedel Jung, die alle tatkräftig mitanpackten. Eine Bildergalerie zeigte am Tag der Einsegnung zahlreiche Fotos der einzelnen Bauabschnitte.

Die beiden Ariendorfer Glocken wurden 1958 von der Firma F.W. Schilling in Heidelberg gegossen und am 20. Juli 1958 geweiht. Das erste offizielle Geläut konnten die Bürger am 7. August 1958 hören. Paul Grundmann und Karl-Heinz Schmidt zogen am 31. Januar 2099 das letzte Mal an den Glockenseiten im Turm der Filialkirche.

Nun wurden sie in zwei Schritten in den Glockenstuhl eingebaut und läuteten zur Ariendorfer Kirmes am 25. August diesen Jahres erstmals gemeinsam: Am 28. November 2012 wurde die kleine Marienglocke eingehangen (Gewicht: 200 Kilogramm, Ton: d) und am 29. Juli 2013 die große Johannesglocke (270 Kilogramm, Ton: e).

Der nun im Boden des Glockenstuhls eingelassene Grundstein stammt aus der Kirchenaußenwand. In ihm befinden sich neben den Urkunden für den Grundstein auch die Urkunde der Grundsteinlegung der Filialkirche vom 7. November 1954, die Urkunde über die Profanierung vom 10. September 2007, eine Chronik von Ariendorf, eine Chronik über die Sanierung der Kapelle 2008 und eine Chronik über den Bau des Glockenstuhls. Ebenfalls sind die 1957 gültige Währung Deutsche Mark und die heutige Währung Euro beigefügt. Soweit die Ausführungen von Heinz-Günter Heck. Stephan Birnbach ergänzte, dass dies nun wohl eine neue Sehenswürdigkeit für Ariendorf und Bad Hönningen aber auch darüber hinaus sei, da solche Glockentürme im Kreis Neuwied durchaus sehr selten sind. „Am Kirmessonntag haben viele Ariendorfer, die die Glocken hörten, gesagt: wir haben die Glocken gehört und uns ist es kalt den Rücken runtergelaufen – dafür hat sich alle Mühe gelohnt!“

Seitens der Stadt Bad Hönningen gratulierte der Beigeordnete Uwe Scheid in Vertretung von Stadtbürgermeister Guido Job sowie auch im Namen von Verbandsbürgermeister Michael Mahlert und zeigte sich begeistert: „Hier ist ein weiteres Schmuckstück für das ohnehin schon sehr schöne Bild von Ariendorf entstanden. Hier wurde ein Stück Geschichte gerettet und für die Zukunft bewahrt. Ich danke allen, die sich hier engagiert haben.“ Zum Abschluss lud der Bürgerverein zu einem gemütlichen Beisammensein ein, wobei die Getränke kostenlos waren, man aber gerne Spenden für Reparaturen an Kapelle oder Glockenstuhl entgegennahm. „Mögen die Glocken hier länger hängen als in den rund 50 Jahren in unserer abgerissenen Filialkirche“, so der allgemeine Wunsch aller Gäste und Beteiligten. –STUKO-

Pastor Christian Scheinost nahm die Einsegnung des Glockenstuhls vor.

Pastor Christian Scheinost nahm die Einsegnung des Glockenstuhls vor.

In den Grundstein ließen Stephan Birnbach (links) und Heinz-Günter Heck die Urkunden, Chroniken und Währungen ein. Foto: Kossmann

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