Allgemeine Berichte | 25.07.2015

Beeindruckende Wanderausstellung „Augen-Blicke“ im Mehrgenerationenhaus Neuwied

Menschen mit Demenz melden sich in Bildern zu Wort

Im Beisein von Achim Hallerbach, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Neuwied, wurde diese besondere Ausstellung eröffnet. privat

Neuwied. Es war ein besonderer Tag für das Team des Neuwieder Mehrgenerationenhauses und seine Kooperationspartner und dies galt es, der Öffentlichkeit mit einem besonderen Angebot zu vermitteln: eine Kombination von Autorenlesung und Ausstellungseröffnung, in deren Mittelpunkt, als Kreative wie Akteure, Demenzerkrankte selbst stehen sollten. „Mit der heutigen Veranstaltung, dem zweiten Geburtstag der ’Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz in Stadt und Kreis Neuwied‘, wollen wir Menschen mit Demenzerkrankung handelnd in den Mittelpunkt stellen, ihnen eine ‚optische und akustische Stimme‘ geben“, so Beatrix Röder-Simon in ihrer Begrüßung. Trotz hochsommerlicher Temperaturen waren etwa 100 Personen der Einladung zur Autorenlesung und Ausstellungseröffnung gefolgt. Sie drängten sich im und vor dem großen Tagungssaal des Friedrich-Spee-Hauses, die jüngste zwanzig, die älteste weit über achtzig. Fachleute und Kooperationspartner, einige der KünstlerInnen mit und ohne Familie, zahlreiche Betroffene, pflegende Angehörige und viele Interessierte.

Vor zwei Jahren hatte das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen der nationalen Demenzstrategie unter anderem das Mehrgenerationenhaus Neuwied zum Standort der „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz in Stadt und Kreis Neuwied“ ausgewählt. Die bundesweit verteilten Lokalen Allianzen haben zwei Aufträge. Sie sollen vor Ort und im Verbund mit anderen Aktiven vorhandene Angebotslücken schließen. Außerdem sollen sie das öffentliche Bewusstsein für dieses Zukunftsthema sensibilisieren, sodass Betroffene und Angehörige zu der Erkrankung stehen können, ohne Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung, haben zu müssen. In seiner Ansprache würdigte Achim Hallerbach, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Neuwied, die überaus produktive und erfolgreiche Arbeit der „Lokalen Allianz“.

Gespannt erwartete das Publikum die „Demenz-Aktivistin“ Helga Rohra, die mit ihrer Lesung „Ich bin dement, na und?“ für den ersten Höhepunkt der Feier sorgte. Rohra erhielt mit 54 Jahren die Diagnose Lewy-Body Demenz und gehört damit zu den zehn Prozent der sogenannten Früh-Betroffenen. Die Diagnose riss sie völlig unvermittelt aus ihren privaten Bezügen und ihrem Berufsleben als erfolgreiche Dolmetscherin. „Ich habe etwa ein Jahr gebraucht, um mich von meinem alten Leben zu verabschieden. Geholfen hat mir dabei die Selbsthilfegruppe der deutschen Alzheimer Gesellschaft München“, so Rohra. Mittlerweile hat sie ihren Weg gefunden. Sie schreibt authentische, aufrüttelnde Bücher zum Thema, meldet sich bei Kongressen und Talkshows zu Wort, mischt sich ein und macht sich stark für einen neuen selbstbestimmten Umgang mit dem Thema. Nach fast 70 Minuten Lesung, Vortrag und Gespräch mit viel Witz, schonungsloser Ehrlichkeit und einer gehörigen Portion Selbstironie schließt Helga Rohra mit der aufrüttelnden Botschaft „In zehn Jahren gibt es in Deutschland nur noch zwei Gruppen von Menschen: Die eine Gruppe hat Demenz und die andere Gruppe pflegt oder betreut sie. Höchste Zeit also, das Thema offensiv anzugehen.“

Kein Abschied von kulturellen Erfahrungen, Fähigkeiten und Lebensfreude

Auch der zweite Teil der Veranstaltung, die Wanderausstellung „Augen-Blicke“ spiegelte den Wunsch nach einem Dialog auf Augenhöhe wider. 27 mehrheitlich kleinformatige Acrylgemälde und Aquarelle, kreiert von 22 Malerinnen und Malern in verschiedenen Demenz-Stadien.

Doch was verraten diese Bilder über ihrer Schöpfer? Wäre ein Experte dazu in der Lage, sie von den Produkten ’gesunder‘ Kunsthandwerker zu unterscheiden? Auch die Demenz, so die Maltherapeutin Andrea Kollig, unter deren fachkundiger Anleitung die meisten dieser Bilder entstanden, berge Möglichkeiten zu überraschender Kreativität. „Die Diagnose ’Demenz‘ bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Betroffene Abschied nehmen muss von kulturellen Erfahrungen, Fähigkeiten und Lebensfreude.“

Begleitet werden die Bilder von 33 Fotografien aus dem Alltag der KünstlerInnen. Susanne Isaak-Mans, Leiterin des diakonischen Besuchs- und Begleitdienstes für ältere Menschen „Menndia Neuwied“, hat den Malprozess begleitet und fotografisch festgehalten. Doch ganz bewusst haben wir Fotos ausgewählt, die nicht nur demenziell erkrankte Menschen zeigen. „Denn wir wollen Menschen nicht vorführen. Wir wollen Stigmatisierungen aufbrechen, die die Menschen auf ihre Defizite reduzieren, und zum Nachdenken anregen, welches Leben und welches Potential hinter diesen Schicksalen steht“, so Isaak-Manns.

Ausstellung bis 25. September

„Augen-Blicke“ ist bis 25. September während der regulären Öffnungszeiten im Mehrgenerationenhaus Neuwied zu sehen.Weitere Informationen zur Ausstellung im MGH Neuwied unter Tel. (0 26 31) 34 45 96 oder per Email an mgh@fbs-neuwied.de.

Im Beisein von Achim Hallerbach, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Neuwied, wurde diese besondere Ausstellung eröffnet. Foto: privat

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