VdK-Kreisverband Neuwied im Gespräch mit Dr. Bertram von der Kreisärzteschaft
Neuregelung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes war Thema
Kreis Neuwied. Die Neuregelung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Kreis Neuwied ist schon seit einiger Zeit auch ein Thema im Vorstand des VdK-Kreisverbandes Neuwied. Zu einem Informationsgespräch trafen sich Kreisvorstand und Vorstandsmitglieder der Ortsverbände im Mehrgenerationenhaus Neuwied mit dem Notbereitschaftsdienstbeauftragten der Kreisärzteschaft Neuwied, Dr. Fredy Bertram (Unkel). In seiner Begrüßung ging Kreisvorsitzender Hans Werner Kaiser zunächst auf die Chronologie zur Neuregelung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Kreis Neuwied ein. Dabei bemängelte er insbesondere die Informationspolitik der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP), die die Bürger viel zu spät über die Auswirkungen der Neuregelung informiert hat. Im Juni 2013 hat der VdK-Kreisverband in einem Schreiben die KV RLP um eine Stellungnahme dazu gebeten. Die Antwort fiel für den Sozialverband sehr unbefriedigend aus, da sie wenig aussagekräftig war. „Die Bürgerinnen und Bürger sind erst aufgewacht“, so Kaiser, „als in der Presse über den Baubeginn der Bereitschaftsdienstzentrale am DRK-Krankenhaus berichtet wurde.“
Die Hintergründe der vom Bund angestoßenen Neuregelung (demografischer Wandel) beleuchtete eingangs Dr. Fredy Bertram. Der Bund hat diese Aufgabe auf das Land übertragen; dieses wiederum in Rheinland-Pfalz auf die Kassenärztliche Vereinigung. Der Bereitschaftsdienst wurde früher durch die Ärztekammer organisiert, wie Dr. Bertram ausführte. Er ging dann auf die Situation im Kreis Neuwied ein, wo derzeit noch 220 niedergelassene Ärzte registriert sind. Davon gehen bis 2030 etwa 50 Prozent in den Ruhestand. Die Organisation der Bereitschaftsdienstzentrale mit einem Arzt vor Ort und zwei Ärzten im Fahrdienst (je einer für den nördlichen und südlichen Teil des Kreises) und die Besetzungszeiten waren weitere Themen seines Referates. Zur Angliederung der Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) an das DRK-Krankenhaus befragt antwortete er, dass dies von der KV RLP festgelegt wurde. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging Dr. Bertram auf einige grundsätzliche Auswirkungen des sich abzeichnenden Hausärztemangels ein. Ein großes Problem sei, dass lediglich circa zehn Prozent aller Medizinstudenten nach ihrem Abschluss bereit sind, sich als Hausarzt niederzulassen. Bereits heute haben 38 Gemeinden in Rheinland-Pfalz schon keine Hausarztpraxis mehr. Etwa 25 Prozent der praktizierenden Ärzte in Rheinland-Pfalz sind älter als 59 Jahre. Daher mahnte er die Politik zum Handeln und nannte dabei unter anderem ein größeres Angebot an Teilzeitmöglichkeiten für Hausärzte als ein Modell für die Zukunft. Auch die Vergütung für einen Allgemeinmediziner müsse verbessert werden, um junge Ärzte für eine Tätigkeit als Hausarzt im ländlichen Raum zu gewinnen.
Viele Fragen konnten geklärt werden
Etliche Fragen wurden aus dem Zuhörerkreis an Dr. Bertram gerichtet, so unter anderem auch, ob man die Kassenärztliche Vereinigung noch brauche oder wohin sich die am Rande des Kreises wohnenden Patienten wenden müssen. Wie Dr. Bertram mitteilte, wurde die Verbandsgemeinde Puderbach sowie die Gemeinden Asbach und Buchholz (VG Asbach) der Bereitschaftsdienstzentrale Altenkirchen zugeteilt, während Bendorf (Kreis Mayen-Koblenz) zur BDZ Neuwied gehört.
Fazit der Veranstaltung: Viele offene Fragen seitens der VdK-Mitglieder konnten von Dr. Bertram in diesem Gespräch geklärt werden, wobei der VdK-Kreisverband Neuwied die Umsetzung dieser Neuregelung kritisch begleiten wird. Auch wenn die Situation des sich abzeichnenden akuten Hausärztemangels aufgrund des demografischen Wandels erkannt werde und Schritte dagegen notwendig sind, dürfe dies nicht zu einer Verschlechterung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum führen, wie VdK-Kreisvorsitzender Hans Werner Kaiser meinte. Es bestehe die Gefahr, so Kaiser weiter, dass in manchen Fällen vorschnell der Notarzt und Rettungswagen gerufen wird, wenn der Bereitschaftsdienst auf sich warten lasse. Dann fehle unter Umständen in einem wirklichen Notfall, bei dem es um Leben oder Tod gehen kann, die schnelle Hilfe durch Notarzt und Rettungswagen.
Pressemitteilung
VdK-Kreisverband Neuwied
