Bei Erörterungstermin zum AKW-Abbau versprach Ministerin höchste Sicherheit
Problem ist Lagerung des Atommülls
Kein Zwischenlager „Am guten Mann“
Mülheim-Kärlich/Region. Eigentlich ist es paradox: Da soll das ungeliebte seit 1988 vor sich hindümpelnde Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich endlich komplett von der Bildfläche verschwinden und dann gibt es dagegen 267 Einwendungen. Nicht, dass diese Bürger das Atomkraftwerk, das nur 13 Monate in Betrieb war, behalten wollen, sie kritisieren das „Wie“ des Abrisses, denn in der Abbauphase 2b geht es ums „Eingemachte“, also um den hoch radioaktiv verstrahlten Primärkreislauf in der runden Betonkuppel.
Um die Einwendungen zu diskutieren, hatte das Mainzer Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung die Bürger zum dreitägigen Erörterungstermin ins Vereinshaus in Mülheim-Kärlich eingeladen. Dabei waren nicht nur die Manager des AKW und Mitglieder der Ministeriums-Fachabteilung, sondern zum Auftakt auch Ministerin Eveline Lemke (Grüne). Schließlich ist ihr Ministerium die oberste Landesbehörde für den Strahlenschutz und zuständig für die Genehmigung und Aufsicht über kerntechnische Anlagen. Hierzu gehören das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich und der Forschungsreaktor der Universität Mainz.
„Weil das Kraftwerk auf einer Erdbebenspalte steht, musste es abgeschaltet werden. Daher werde ich für das Gelände nie eine Genehmigung als Zwischenlager geben“, versicherte die Ministerin bei einem Pressegespräch. Noch immer hat RWE seinen Antrag auf ein Zwischenlager am „Guten Mann“ in Mülheim-Kärlich nicht zurückgenommen, was beim Erörterungstermin die Bürgerinitiative Bendorf forderte.
Nicht nur sie, sondern auch der Bund Natur und Umweltschutz misstrauen dem RWE und der Landesregierung beim Abbau des AKW. Die Bendorfer Umweltinitiative um Elke Sodemann-Müller befürchtet eine, wenn auch geringe Verstrahlung um das AKW, wenn folgende Forderungen nicht umgesetzt werden: Der Abbau darf nicht so billig wie möglich, sondern muss so sicher wie möglich ohne Verzögerungen erfolgen. Radioaktiver Abfall darf nur unter der Reaktorkuppel als dem sichersten Ort verwahrt werden und eine wirksame Kontrolle des Verbleibs freigegebener Stoffe. Denn: „Die gesetzlich festgelegten Grenzwerte sind nicht dazu geschaffen, die Bevölkerung sicher zu schützen, sondern dafür, Atomenergie zu bezahlbaren Preisen zu produzieren – unter Hinnahme eines bestimmten Prozentsatzes an Krankheitsfällen“ heißt es in der BI-Presseerklärung.
Eveline Lemke versprach, dass alles voll im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen geschehe: „Wir müssen uns noch Zeit nehmen, um alle Fragen zu prüfen und zweifelsfrei zu beantworten oder sogar eine weitere Erörterung anberaumen.“ Sie rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren in den nächsten Monaten abgeschlossen ist. „Ein anderes Genehmigungsverfahren besteht für den Kühlturm, der wohl im nächsten Jahr abgerissen wird“, meint die Ministerin. Dann geschehe drei Jahre von draußen unsichtbares, bevor an den Beton der Reaktorkuppel gegangen wird. „Sicherheit hat allerhöchste Priorität und wenn etwas vom Betreiber nicht zweifelsfrei nachgewiesen wird, muss erst eine sichere Lösung gefunden werden, was zu Verzögerungen führen kann.“ Nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist derzeit, wo die beiden radioaktiv kontaminierten Dampferzeuger des Primärkreislaufs gelagert werden. Die Möglichkeit, den auf dem Gelände für immer sicher einzuschließen, lehnt die Landesregierung ab. Das Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter wird aber wohl frühestens 2019 fertig. „Bevor nicht nachgewiesen werden kann, wo alle Teile des Primärkreislaufs eingelagert werden, gibt es keine Genehmigung zum weiteren Abbau für den KKW-Eigner RWE“, führte Eveline Lemke aus. Genehmigt werden könne jedoch eine kurzfristige Pufferlagerung auf dem Gelände, bis zum Beispiel der LKW die Kisten mit dem Atommüll abholt. Im weiteren Verfahren des Erörterungstermins forderten wegen Transport und Endlagerung BI und BUND unter anderem eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung für die nächsten Abbauschritte. Schließlich ist das AKW Mülheim-Kärlich das erste Kernkraftwerk, das in Deutschland abgerissen wird. Und so gibt es da keinerlei Erfahrungen. „Deshalb werden wir als Genehmigungsbehörde genau hingucken, denn das ist ein Vorbild für alle Kernkraftwerke in Deutschland. Im vergangenen Jahr kam vier Mal eine Delegation aus Japan zu uns, da der Staat dort wegen Fukushima unter Druck steht. Unsere Fachleute werden bald selbst nach Japan reisen, um dort zu helfen“, sagte Eveline Lemke. Sie sieht aber noch ein anderes Problem, das Verschwinden des know hows. Denn viele Mitarbeiter des AKW Mülheim-Kärlich werden bald in Rente gehen und so sei ihr großes Wissen um den Atommeiler verschwunden: „Deshalb wird erst das gemacht, wofür know how notwendig ist“, betonte die Ministerin. Immerhin geht es beim AKW-Abriss um rund 300.000 Tonnen Beton, Armaturen, Kabel und Rohrleitungen aus dem nuklearen Bereich, beim radioaktiven Abfall sind es etwa 3.000 Tonnen, die sicher entsorgt und endgelagert werden müssen. Bis auf dem Gelände „Am guten Mann“ das Kernkraftwerk komplett verschwunden ist, dauert es vermutlich noch zehn Jahre oder vielleicht noch länger. Erst dann kann dort, wie es die Städte Mülheim-Kärlich und Weißenthurm schon jetzt planen, ein Industriegebiet entstehen.
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