Sozialkaufhaus Kuck-R(h)ein Neuwied
Sozialkaufhaus als „Begegnungsstätte der Kulturen“
22 Teilnehmer beim Projekt im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme
Neuwied. „A salam aleikum“, „Merhaba“, „dobryj djen“ oder „guten Morgen“; so begrüßt Herr Jafar die Kunden im Sozialkaufhaus Kuck(R)hein in Neuwied. Diese kommen aus Ägypten, Syrien, Jordanien, Algerien, Marokko, aus Thailand, Vietnam, dem Kosovo, Albanien, der Türkei oder aus Russland, der Ukraine, Polen und weiteren Ländern. Im Kuck(R)hein treffen sie sich alle. Hier kauft man ein, holt sich Anregungen, Tipps und Hilfestellung bei kleinen und auch größeren Problemen.
Ungefähr 12000 Menschen mit einem ausländischen Pass beziehungsweise mit Migrationshintergrund leben im Landkreis Neuwied, der mit 22,1 Prozent Anteil an der Bevölkerung deutlich über dem Bundesdurchschnitt (18,9 Prozent) liegt. Die Stadt Neuwied toppt diesen Anteil mit 30,6 Prozent.
So wundert es nicht, dass der Kundenstamm des Kaufhauses einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund aufweist. Auf den 3.860 ausgegebenen Kundenkarten stehen circa 2000 Namen, die auf ausländische Wurzeln verweisen.
Die Einkaufsberechtigung für das Sozialkaufhaus erhalten Menschen, die im Landkreis Neuwied im Bezug von Grundsicherung und/oder Arbeitslosengeld II stehen. Auch die Anträge auf „einmalige Beihilfe für Möbel, Hausrat und Einrichtungsgegenstände“ von Erstempfängern der Sozialleistungen aus dem SGBII und SGBXI werden im Sozialkaufhaus Kuck(R)hein angenommen und entsprechend ausgeführt. Dabei werden die ausgesuchten Gegenstände bei Bedarf kostenfrei angeliefert.
Immer mehr Menschen sind auf günstigere Ware angewiesen
Immer mehr Menschen - ob mit oder ohne ausländische Wurzeln - sind auf diese günstige Einkaufsmöglichkeit angewiesen. Dies zeigt die mittlerweile hohe Kundenfrequenz im Kaufhaus. Es kommen pro Kundenkarte durchschnittlich drei Personen (Familie) zum Einkaufen. Damit hat sich der Kundenkreis auf circa 12.000 Personen erweitert. Eine Zahl, die belegt, dass sich Anleiter und Teilnehmer im Kuck(R)hein täglich hohen Anforderungen und Herausforderungen stellen müssen. Allein die Transportstrecken eines unserer Lieferwagen belaufen sich zum jetzigen Zeitpunkt auf 17.000 Kilometer im Kreis Neuwied.
22 Helfer werden professionell eingewiesen
Für diesen reibungslosen Warenfluss im Kuck(R)hein sorgen 22 Teilnehmer im Rahmen einer Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahme. Sie holen Sachspenden kostenlos ab, überprüfen und reparieren gegebenenfalls eingehende Möbel, Elektrogeräte und sonstige Dinge des täglichen Gebrauchs. Das Kaufhaus bietet Einrichtungsgegenstände für alle Räume, große und kleine Elektrogeräte wie Waschmaschine, Herd, Föhn, Toaster und Vieles mehr. Bekleidung für die ganze Familie sowie Accessoires und Dekorationsartikel runden das attraktive Angebot ab. Eine große Bücherei sorgt für kostenloses Lesevergnügen.
Weitere Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen
Die Teilnehmer/innen im Projekt Kuck(R)hein erhalten fachpraktische Unterweisungen wie zum Beispiel Verkaufsgespräch und Reklamationsbehandlung mit echten Kunden, sicheres Beladen von Fahrzeugen, Zusammenbau von Möbeln, Präsentation und Pflege der Ware und Vieles mehr. Die theoretischen Schulungen befassen sich mit EDV, Allgemeinbildung (z.B. Europa und die Welt), Gesundheitsprävention und Stressmanagement. Intensives Bewerbertraining und entsprechende Bewerbungsaktivitäten runden die Qualifizierung ab. Viele Neuwieder Firmen stellen dankenswerterweise Praktikumsplätze zur Verfügung, so dass die Mitarbeiter des Kaufhauses ihre erworbenen Fähigkeiten auch unter realen Bedingungen auf dem ersten Arbeitsmarkt zeigen und Einblicke in neue Tätigkeitsfelder nehmen können.
Begleitet werden die Teilnehmer während der sechsmonatigen Dauer der Maßnahme in Form eines Case Managements. Diese Form der Betreuung und Beratung hilft beim Abbau der meist vielfältigen Vermittlungshemmnisse, unterstützt die persönliche Alltagsbewältigung und stabilisiert die Persönlichkeit.
Die Maßnahme „Aktivcenter“ Sozialkaufhaus wird getragen aus Mitteln des Jobcenters Neuwied und des Europäischen Sozialfonds.
