Bad Hönningen, Linz und Waldbreitbach stellten die „AktivRegion Rhein-Wied“ vor
„Starke Kommunen - Starkes Land braucht starke Menschen“
Vettelschoß. Im Januar dieses Jahres sind die Verbandsgemeinden Bad Hönningen, Linz und Waldbreitbach im Rahmen der Zukunftsinitiative „Starke Kommunen - Starkes Land“ des rheinland-pfälzischen Innenministeriums als Modelregion „AktivRegion Rhein-Wied“ ausgewählt worden. Anfang der Woche nun luden sie nach Vettelschoß in das Forum „Am Blauen See“ zu der Auftaktveranstaltung ein, um den ehrenamtlich aktiven sowie den interessierten Bürgern das Projekt näher zu bringen und aufzuzeigen, wie sie sich einbringen können, um das leben in der Region aktiv mitzugestalten. „Unsere Region, eingegrenzt durch den Rhein, die Wied und den Westerwald ist durch einen hohen Wohlfühlcharakter gekennzeichnet. Der aber reicht nicht aus, um im Wettbewerb der Regionen bestehen zu können“, so der Linzer Verbandsbürgermeister Hans-Günter Fischer, CDU, der im Namen seinen beiden Kollegen, Michael Mahlert, SPD, aus Bad Hönningen und dem parteilosen Werner Grüber aus Waldbreitbach die Gäste begrüßte, allen voran Staatssekretärin Heike Raab. 24 Verbandsgemeinden hatten elf Bewerbungen als Modellregion eingereicht, sechs Modellräume waren herausgesucht worden, denen Mainz jeweils 440 000 Euro in den kommenden zwei Jahren für Diskussionen und kooperative Projekte hinsichtlich einer zukunftsträchtigen Kommunalpolitik zur Verfügung stellt. „Dass wir dazugehören, sehen wir als Würdigung des bereits Geleisteten an. Jetzt aber geht es darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen“, betonte Hans-Günter Fischer. Die Nähe zu den Ballungsräumen Köln/Bonn und Koblenz/Neuwied biete zwar Chancen, beinhalte aber auch Risiken, etwa im Hinblick auf die Abwanderung von Senioren in besser aufgestellte Städte parallel zu generell sinkenden Einwohnerzahlen. „Die Folge sind weniger Einnahmen, sodass die Kommunen bei geringeren Mitteln mit höherer Kreativität bessere Lösungen finden müssen. Dafür brauchen für das Potenzial, das in ihren Köpfen steckt“, skizzierte der Linzer VG-Chef das Projekt, vorhandene Stärke zu nutzen, um der Region Profil zu geben. Die VG Linz habe schon 2007 damit begonnen, indem sie eine Vereinslotsin in der Verwaltung etabliert habe, erinnerte er. Ein Jahr später sei die Freiwilligen Börse eingerichtet worden, um sowohl die Arbeit der Ehrenamtler zu koordinieren, als auch die Ansprüche und Erwartungen an Hilfeleistungen. Die Regionalmesse „Fit und auf der Höhe“, der Gesundheits- und Betreuungs-Wegweiser, ein ehrenamtlich Beauftragter für Betreuungs- und Gesundheitsfragen, ein Bürgerfahrdienst und zwei Gemeindecafés gegen die Vereinsamung erwähnte er als weitere erste Schritte in Richtung einer Attraktivitätssteigerung.
Gemeinsam Probleme anpacken
„Die drei Verbandsgemeinden wollen zusammen neue Wege der Kooperation finden, Probleme anpacken und Veränderungen auf den Weg bringen und das mit Ihnen“, wandte sich Heike Raab an die weit über 100 Anwesenden. In der AktivRegion Rhein-Wied seien zwar bereits Gespräche und Ansätze zur interkommunalen Zusammenarbeit auf den Weg gebracht worden, für viele potenzielle Mitarbeiter fehle aber noch der Impuls, die Initialzündung, auch seine Erfahrungen einzubringen. „Dabei wollen die Bürger doch längst keine Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg, sie wollen sich beteiligen“, war sich die Staatssekretärin sicher. Eine Vielzahl an einzelnen Förderprogrammen und Insellösungen werde dem gesamtgesellschaftlichen Phänomen des demografischen Wandels nicht gerecht. „wenn wir diesen sozial verträglich gestalten wollen, dann müssen wir gemeinsam und abgestimmt handeln und das geht nur mit ihrer Beteiligung. Das Projekt ‚Starke - Kommunen - Starkes Land‘ lebt von starken Menschen, eben Ihnen und Gleichgesinnten“. Motivierte Heike Raab die Zuhörer, sich in das Projekt einzubringen.
Unterschiedliche Schwerpunkte werden gesetzt
Bei dem besetzen die drei Verbandsgemeinden jeweils Schwerpunkte, die von den VG-Chefs in einer kurzen Interviewrunde vorgestellt wurden, das Marion Gutberlet vom Koblenzer Planungsbüro Grontmij moderierte. Linz übernimmt das Thema „Ehrenamt und Senioren“, Bad Hönningen widmet sich der „Integration von Neubürgern“ und Waldbreitbach besetzt das Thema „Gesundheit“. Zusammen mit der Vereinslotsin Luzie Schwarz, der Leiterin der Ehrenamtsbörse Waltraud Schmaus und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Seniorenbeirats stellte Hans-Günter Fischer in einem Gespräch mit Beatrix Ollig vom Planungsbüro die Linzer Erfahrungen in der Kooperation mit Ehrenamtlern dar. „Neben all dem bereits Erreichten, von dem nicht nur die beiden Partner-Verbandsgemeinden profitieren können, gibt es auch neue Ideen, wie den Aufbau einer überregionalen Seniorenakademie. Auch diese könne dazu beitragen, einer Vereinsamung entgegen zu wirken. Dies gelingt bereits mit den Gemeindecafés, aber auch der Bürgerfahrdienst, der sich aus dem Service „Essen auf Rädern“ heraus entwickelt habe, trage maßgeblich dazu bei. „Die Menschen in unserer Region haben klare Vorstellungen davon, wie sie in 20 bis 30 Jahren leben wollen“, so Michael Mahlert, der zusammen mit seinem Büroleiter Rudolf Schmitz, der Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule Doris Brosowski, und Jugendpflegerin Nicole Emmrich den Bereich der VG Bad Hönningen vorstellte. In der sei man bereits mit vielen Interessierten und schon engagierten Bürgern ins Gespräch gekommen. So habe man bei „Innenstadtprojekt“ wertvolle Erfahrungen hinsichtlich der Bürgerbeteiligung gewinnen können. „In diese müssen gerade auch Neubürger eingebunden werden, weil sie mit ihrer Sicht von außen ganz neue und damit wertvolle Vorstellungen einbringen können“, so der VG-Chef. Dafür reichen natürlich die üblichen Begrüßungsschreiben nicht aus. Darin ausgenommen werden sollten alle Angebote der zahlreichen Vereine, aber des Gewerbes, Rudolf Schmitz. Integration spiele in der Schule natürlich eine wesentliche Rolle, als Institution schüre sie bei den erwachsenen Migranten aber natürlich noch Ängste. „Deshalb wollen wir ein Bildungs- und Beratungszentrum aufbauen, in dem Sprachkurse auch in der Muttersprache angeboten werden sowie etwa bei Ausfüllen von Formularen geholfen wird“, ergänzte die Rektorin. Wichtig sei, das deutlich werde, dass dieses Zentrum alles andere als eine Kontrollbehörde ist. „Und vor allem muss man vor allem den Jugendlichen, die nicht in Vereinen eingebunden sind, zeigen, dass man ihnen zuhört und auch ihre Anliegen ernst nimmt“, fügte Nicole Emmrich hinzu. Eben diesen sozialen Bereich sprach auch die Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, Schwester Edith-Maria an, die sich mit Werner Grüber, Rolf Schmidt-Markoski von der Verwaltung und der Ärztin Anja Meurer vom Kreisgesundheitsforum Neuwied Fragen von Marion Gutberlet zum Thema Gesundheit stellte. Ihr klares Credo: Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Seele umfasst. Das unterstrich Rolf Schmidt-Markowski: „Arbeit und Lernen dürfen nicht krankmachen“, so der Büroleiter, der das soziale Wohlbefinden in den Mittelpunkt rückte, während Anja Meurer auf die schwierige Situation ärztlicher Versorgung im ländlichen Raum einging. Der widmete sich auch Werner Grüber, in dessen VG deutlich Bedarf etwa für einen Haut- und einen Augenarzt besteht. „Wir müssen unsere Fachärzte binden und könnten fehlende Spezialisten etwa mittels eines Shuttledienstes ein- bis zweimal die Woche Nachmittag nach Waldbreitbach holen, falls die Kassenärztliche Vereinigung dies mittragen kann. Allerdings müsse man auch konstatieren, dass die Deutschen mit 18 Arztbesuchen im Jahr einsame Spitze in Europa seien. „Nicht bei jeder Erkältung muss man gleich ärztlichen Rat einholen“, so Anja Meurer. Da könnte möglicherweise das geplante Informationsportal neue Wege aufzeigen. Neu Ideen und Anregungen zu den jeweiligen Themen können interessierte Bürger in ihren Verbandsgemeinden vortragen oder aber im Planungsbüro Grontmij bei Marion Gutberlet, Tel. (02 61) 3 04 39 18, E-Mail: marion.gutberlet@grotmij.de, und Beatrix Ollig, Tel. 3 04 39 41, E-Mail: beatrix.ollig@grotmij.de.
In Waldbreitbach geht es speziell es um „Gesundheit“.
