Windkraftdiskussion Bad Hönningen
Windkraft in Bad Hönningen: Kritik an Stadtratsvorgehen und Umweltfragen
aus Rheinbrohl
Bad Hönningen. Der Leserbrief vom Stadtbürgermeister a.D. Reiner W. Schmitz zum Thema „Windkraft in Bad Hönningen“ ist geprägt von Unwissenheit, Oberflächlichkeit und Intoleranz gegenüber berechtigter Kritik an der Vorgehensweise des Bad Hönninger Stadtrates in Sachen Windkraft:
1. Hinweise auf einsehbare Beschlussvorlagen und Beschlüsse des Rates sind in der Windkraftdiskussion wenig hilfreich. Es kommt auf die Inhalte an und die emotionsfreie, vor allem rechtliche Würdigung von Pro- und Kontra-Argumenten.
2. Solange es keine verlässlichen Standortdaten für die geplanten 8 WEA gibt, erübrigt sich jede Diskussion um die Nähe zu Wohngebieten und den Abständen hierzu.
3. Bereits 2013 hat die Initiative „Rettet den Stadtwald“ auf die Zuwegungsprobleme im Hönninger Stadtwald hingewiesen. Das Wegenetz im geplanten Aufstellungsgebiet ist aktuell völlig ungeeignet für den Transport von Hunderten Beton-Transportern und die Anlieferung der schwergewichtigen Mast-, Rotor und Generatorteile von 8 geplanten WEA. Umfangreiche zusätzliche Rodungen für die Zuwegungen und die Standorte der WEA sind unabdingbar. Die vorhandenen (leider durch den Borkenkäfer verursachten und entstandenen) Freiflächen sind keineswegs ausreichend. Breitflächige Befestigungen bei den Zuwegungen sowie entsprechende Drainagen der vorhandenen Wege sind erforderlich.
4. Neueste Erkenntnisse zum Thema „Infraschall“ widerlegen die Ausführungen des Bürgermeisters a.D. eindrucksvoll und führen weltweit (!!) zu völlig neuen Bewertungen. Infraschall ist für den Menschen kaum hörbar, allerdings noch in weiten Entfernungen (bis zu mehreren Kilometern) mess- und vor allem spürbar in Form von medizinisch-psychischen Auswirkungen.
5. Die Ausführungen zum Abrieb der Rotorblätter sind abwegig, der Vergleich mit dem Abrieb von Autoreifen und Schuhsohlen ist absurd. Der festgestellte Abrieb von WEA betrifft die Umgebung des intakten Naturraums „Wald“ mit extremen, unmittelbaren Auswirkungen auf die Flora und Fauna eines wichtigen Naherholungsgebiets.
6. WEA-Tourismus ist sicher kein Impuls für die Stadt Bad Hönningen. Andere Themen dürften hier Priorität besitzen. Diese scheinen dem Bürgermeister a.D. unbekannt zu sein.
7. WEA zu planen, zu bauen und zu betreiben hängt im Wesentlichen von physikalischen (Wind) und ökonomischen (Wirtschaftlichkeit) Faktoren ab. Diese kann ein Stadtbürgermeister a.D. in keinster Weise beeinflussen. Er sollte sie aber kennen. Die Natur zu schützen und den Menschen der Region ein Naherholungsgebiet zu erhalten, dies sollte vorrangig Aufgabe kommunaler Politik sein. Der Alt-Bürgermeister scheint weit entfernt davon.
Dr. Klaus G. Scholten, Linz / Rhein
Mitglied der Initiative „Rettet den Stadtwald\
