Windpark Risikowald
Windkraftprojekt in Bad Hönningen birgt Risiken für Wald und Anwohner
Bad Hönningen. Zum Artikel „Windkraft in Bad Hönningen – Chancen, Risiken und Transparenz“ (Blick aktuell 25/2026)
Wer die jüngste Veröffentlichung zum geplanten Windkraftvorhaben liest, reibt sich verwundert die Augen. Was uns dort als neutraler Bericht über „Transparenz und Bürgerbeteiligung“ verkauft wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als glanzloser Werbeprospekt einer profitgetriebenen Verkaufsunterlage. Es ist an der Zeit, dieses PR-Konstrukt Satz für Satz mit den harten Fakten der Realität zu konfrontieren.
Schon bei der Frage, wer hier eigentlich plant, beginnt das Verwirrspiel. Uns wird suggeriert, die Stadt steuere das Verfahren aktiv. Die Wahrheit ist: Die Fäden werden im Hintergrund von der Projektgesellschaft BMR Energy Solutions und der Süwag gezogen. Hier agiert keine Behörde im Sinne des Gemeinwohls, sondern ein privater Investor, der seine schlüsselfertigen Verträge platziert. Dass in diesem Zusammenhang die Informationsveranstaltung vom 31.01.2025 als Paradebeispiel für „Bürgerbeteiligung“ angeführt wird, grenzt an Realsatire. Das war keine ergebnisoffene Beteiligung, sondern eine reine, einseitige Front-Loading-PR-Show zur Beruhigung der Bevölkerung.
Das Wort „Transparenz“ im Titel des Artikels verkommt vollends zur Farce, wenn man auf die Verträge blickt. Details? Streng geschwärzt! Wie kann man ernsthaft von Offenheit sprechen, wenn die Kernbereiche des Flächenpachtvertrages vor den Bürgern versteckt werden? Dieser Zustand ist ein offener Bruch des rheinland-pfälzischen Landestransparenzgesetzes (LTranspG) und missachtet internationale Standards wie die Aarhus-Konvention, die den freien Zugang zu Umweltinformationen bei öffentlichen Gütern wie unserem Stadtwald zwingend vorschreibt. Dass diese Geheimniskrämerei rechtswidrig ist, hat der Landesbeauftragte für die Informationsfreiheit (LfDI) in Mainz mit seinem Schreiben vom 15.06.2026 bereits amtlich bestätigt und der Verbandsgemeinde die Aufhebung ihres fehlerhaften Bescheids empfohlen, was zwischenzeitlich auch erfolgt ist. Es gibt keine rechtliche Grundlage, die wirtschaftlichen Eckdaten und die tatsächlichen Pachteinnahmen bei der Verpachtung von kommunalem Eigentum geheim zu halten!
Besonders entlarvend ist die Formulierung, dass es vorerst bei „mindestens zwei Standorten“ bleiben soll. Jeder, der die Salami-Taktik kennt, weiß, was das bedeutet: Es ist die klassische Fuß-in-der-Tür-Strategie. Sobald die Infrastruktur, die Zuwegungen und die Kabeltrassen - letztere wenn überhaupt - erst einmal durch unseren Wald geschlagen sind, wird aus dem „mindestens“ ganz schnell ein „erheblich mehr“. Unser Stadtwald wird scheibchenweise zur industriellen Großzone deklariert. Um es klar zu sagen: Ich bin nicht gegen erneuerbare Energien – aber mit Sinn, Verstand und vor allem nicht im Wald!
Dass dieses Projekt überhaupt vorangetrieben wird, obwohl die lokale Windhöffigkeit im rheinland-pfälzischen Binnenland nachweislich gering ist, liegt an den perversen Anreizen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Wie investigative Wirtschaftsberichte und Branchen-Insider aufdecken, belohnt das dortige Referenzertragsverfahren paradoxerweise ineffiziente Schwachwindzonen mit extra hohen, staatlich garantierten Subventionen. Es geht den Betreibern nicht um stabilen, effizienten Strom für die Region, sondern um das risikofreie Abgreifen von Steuertöpfen über 20-30 Jahre hinweg – während die Natur und der Brandschutz vor Ort das volle Risiko tragen.
Wenn die Befürworter dann die hessische Gemeinde Mengerskirchen als leuchtendes „Positivbeispiel“ heranziehen, blenden sie die dortige Realität bewusst aus. In Mengerskirchen zeigte sich das exakte Gegenteil einer Erfolgsgeschichte: rücksichtslose Waldrodungen, massive Konflikte mit dem Naturschutz, zerrissene Dorfgemeinschaften. Dieses Muster wiederholt sich nun bei uns.
Die Situation am Knoten (Mengerskirchen/Greifenstein) zeigt heute genau das, was den Bürgern in Bad Hönningen noch bevorsteht, wenn das Projekt nicht gestoppt wird:
Der touristische Kahlschlag: Wanderer, Langläufer und Naturbegeisterte reagierten entsetzt auf das, was aus dem einst idyllischen Naherholungsgebiet geworden ist. Statt unberührter Natur trifft man dort heute auf großflächig geschotterte Zufahrtsstraßen, kahle Rodungsflächen und das permanente, monotone Schlagen der Rotorblätter. Der erhoffte „sanfte Tourismus“ wurde der industriellen Nutzung des Waldes komplett geopfert. Viele Wanderer meiden die Region inzwischen komplett.
Die Salami-Taktik geht weiter (Aktueller Beweis!): Die Befürworter haben damals beteuert, es bleibe bei den wenigen Anlagen. Und was passiert heute? Aktuelle Planungsunterlagen aus Mengerskirchen dokumentieren, dass der Betreiber (ausgerechnet unter Beteiligung der Süwag) bereits die Erweiterung des bestehenden Windparks durchdrückt. Sobald der Wald erst einmal durch Infrastruktur und Kabeltrassen entwertet ist, bricht der Damm. Genau das droht Bad Hönningen mit der Formulierung „mindestens zwei Standorte“.
Die Dorfgemeinschaft bleibt zerrissen: Versöhnt ist dort niemand. Auf der einen Seite stehen die betroffenen Bürger und die Bürgerinitiative, die täglich auf die zerstörte Landschaft blicken müssen. Auf der anderen Seite stehen die Profiteure, die das Projekt damals gegen den Willen der Bevölkerung durchgepeitscht haben.
Mengerskirchen und der Knoten sind kein leuchtendes Positivbeispiel, sondern ein erschreckendes Mahnmal.
Auch das Interessenbekundungsverfahren (IBV) entpuppt sich bei genauem Hinsehen als reine Kumpelei: Man brüstet sich damit, durch die Kooperation vielleicht 10.000 Euro an Verwaltungsaufwand einzusparen – und verschenkt im Gegenzug die langfristige Kontrolle und die maximal möglichen Pachterlöse an ein Wirtschaftsunternehmen.
Abgerundet wird das Täuschungsmanöver durch das vage Versprechen einer „Bürgerenergiegenossenschaft“. Dokumentationen über Genossenschaftsmodelle zeigen deutlich, wie dieses Instrument im modernen Windgeschäft als moralisches Alibi missbraucht wird: Den Bürgern wird eine demokratische Teilhabe vorgekaukelt, bei der sie mit ihrem privaten Ersparten das finanzielle Risiko von Planungsfehlern und Flautejahren im Binnenland tragen. Die echten, dicken Renditen aus den Netzentgelten und dem Subventionsmanagement fließen derweil ungeniert an die Großinvestoren im Hintergrund.
Wenn die Befürworter nun versuchen, die massive PFAS-Chemikalienbelastung durch die Rotorblätter zu verharmlosen, indem sie hanebüchene Vergleiche zum alltäglichen Schuh- oder Reifenabrieb ziehen, ist das an intellektueller Beleidigung kaum zu übertreffen. Reifenabrieb findet auf asphaltierten, kanalisierten Verkehrsflächen statt, wo Schadstoffe zumindest teilweise über Straßenentwässerungen und Kläranlagen gefiltert werden. Hier jedoch sprechen wir davon, dass hochgradig krebserregende, biologisch nicht abbaubare Ewigkeitschemikalien (PFAS) durch die enorme Fliehkraft und Windkorrosion in über 150 Metern Höhe ununterbrochen wie ein feiner Giftregen direkt über einem unberührten Wald-Ökosystem, forstwirtschaftlichen Nutzflächen und sensiblen Wasserschutzzonen versprüht werden. Wer den mechanischen Abrieb eines Autoreifens auf der Bundesstraße mit der systematischen, großflächigen chemischen Kontamination unseres kostbaren Stadtwaldes und lokalen Trinkwassers gleichsetzt, betreibt bewusste Volksverdummung, um das Profitinteresse eines Investors reinzuwaschen.
Wir lassen uns von dieser Verkaufsunterlage nicht blenden. Es ist gut und richtig, dass Stadtbürgermeister Mark Geimer nach seinem Amtsantritt nun von „Sinn und Verstand“ spricht. Angesichts des juristischen Trümmerfelds, des ungelösten Brandschutzes (keine Hydranten und Löschteiche laut Feuerwehrbedarfsplan auf den Höhen) und der schwebenden Datenschutzprüfungen in Mainz gibt es nur einen vernünftigen Weg: Das Verfahren muss sofort gestoppt und der geschwärzte Vertrag komplett offengelegt werden!