Tag des offenen Denkmals am 14. September 2014
Zahlreiche Objekte im Kreis Neuwied bieten Sonderführungen an
Kreis Neuwied. Dieses vielversprechend „bunte“ Thema soll die Augen schärfen für die Vielschichtigkeit der Farbgebung historischer Architektur. Ob bei massiven Baukörpern oder kleinstädtischen Bürger- bzw. ländlichen Bauernhäusern in historischer Leichtbauweise: dem Fachwerk. „Das ästhetische Grundempfinden unserer Vorfahren zielte trotz der für uns heute manchmal primitiven Herstellungsweisen darauf ab, Wände und Hölzer sowohl vor Witterungseinflüssen zu schützen, also zu konservieren, sie daneben aber auch zu schmücken und dem Auge eine Genugtuung und Bereicherung zu bieten“, erläutert Achim Hallerbach. So war es im Fachwerkbau des 17. Jh. am Mittelrhein maßgeblich das „Ochsenblutrot“, mit dem Hölzer versehen wurden, in die Gefache mit einem Beistrich überleitend. Im 18. Jh. wurde mancherorts das Blaugrau zum maßgeblichen Farbton, auch hier mit reichen Beistrichen und Schattenfugen.
Fachwerkbauten
Zum Fachwerkbau und ihrer Farbigkeit laden in diesem Jahr Exkursionen zu drei Bauten in Neuwied-Feldkirchen ein: Dem Backesmännchenhaus in Fahr, dem Beunehof in Gönnersdorf sowie der sog. Burg in Wollendorf. Im Leutesdorfer Fronhof gibt es zudem eine Sonderausstellung der Künstlerin Ursula Goldau, in Linz wird die hist. Altstadt geführt, in Rheinbreitbach das Heimatmuseum und in Urbach das Haus am Hochgericht.
Spätmittelalterlich sind noch das wehrhafte Neutor in Erpel bzw. das Hohe Haus in Bad Hönningen; beide werden über mehrere Etagen geführt.
Herrschaftliche Bauten
„Manche während des 18. Jh. von maßgeblichen Architekten errichtete herrschaftliche Bauten - Klöster, Schlösser oder Adelshöfe - spielten mit ihrer Farbigkeit, ließen eine Scheinarchitektur mit Schattenwurf aufmalen (so von Architekt Nikolaus Lauxen im Spee-Haus am Engerser Rheinufer) oder übermalten den dunkelgrauen Werkstein Basalt in ansprechenderem Sandsteinrot (so wie derselbe Architekt es beim wenige Kilometer von Engers entfernten Kranken- und Gästehaus der einstigen Prämonstratenserabtei Rommersdorf praktizierte)“, so Reinhard Lahr. Dem Barock verpflichtet sind das städtebaulich wichtige Herrnhuter Viertel in Neuwied, das kurfürstliche Schloss und benachbarte Spee-Haus zu Engers, wesentliche Teile der Abtei Rommersdorf und das kath. Pfarrhaus in Heimbach; dem Historismus Schloss Arenfels in Bad Hönningen, Schloss Monrepos in Neuwied-Segendorf sowie das Herresdorfsche Haus in Unkel, die zu bestimmten Zeiten ausgiebig besichtigt werden können.
Kirchen
Vor allem eben die innere und äußere Farbfassung von Kirchen tragen dem diesjährigen Thema Rechnung: So laden die romanische Feldkirche mit ihren Meistermannfenstern, die ev. Pfarrkirche in Niederbieber mit vom Fürstenhaus Wied vor mehr als 100 Jahren gestifteten bleiverglasten Fenstern, die einstige Kreuzherrenkirche in Ehrenstein mit einzigartigen spätgotischen Fenstern, die Wallfahrtskirche St. Johann Baptist mit ihrem Totentanz und die eindrucksvolle alte Linzer Pfarrkirche St. Martin im rheinischen Übergangsstil von der Romanik zur Gotik den Besucher zum Staunen ein.
www.kreis-neuwied.de
Alle im Kreis Neuwied offenen und geführten Denkmäler, deren Öffnungszeiten findet man auch unter www.kreis-neuwied.de. Telefonische Informationen gibt es bei Dr. Reinhard Lahr, Roentgen-Museum Neuwied, Raiffeisenplatz 1a, Tel.: 02631/803-265. Außerdem gibt es zum Denkmaltag eine Broschüre, die bei den Verbandsgemeindeverwaltungen sowie bei der Info bzw. dem Bürgerbüro von Stadt- und Kreisverwaltung Neuwied ausliegen.
Zum 22. Mal findet am kommenden Sonntag, 14. September, der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Unter dem Motto „Farbe“ werden den Besuchern Kirchen, Klöster, Schlösser, herrschaftliche Häuser, Fachwerkhäuser und -höfe gezeigt. Der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach sowie Kreisdenkmalpfleger Dr. Reinhard Lahr freuen sich, dass entsprechend der 22. Auflage in diesem Jahr wieder stadt- und kreisweit auch 22 Objekte bzw. Ensembles dabei sind, elf auf Stadt- und elf auf Kreisebene.
Der 1838 errichtete Nordflügel des seit annähernd 100 Jahren der Familie von Weichs gehörenden herrschaftlichen Herresdorfschen Hauses erfuhr durch Ralph Schulte und sein Büro planexakt in Übereinkunft mit sensiblen konservatorischen Maßnahmen eine intensive statische Ertüchtigung. Der herrschaftliche Dreiflügelbau wurde ab 1699 ausgebaut; der Südflügel datiert 1757, der Westflügel 1781. Die wesentlichste Veränderung fand 1838 statt, als ein viergeschossiges Wohngebäude mit aufgesetztem Laternengeschoss als Aussichtsplattform für einen ungetrübten Blick in das romantische Rheintal errichtet wurde. Bei der Restaurierung 1979-81 wurden die rheinseitigen Fassaden nach dem freigelegten barocken Befund in kräftigem Ocker mit grauen Absetzungen der Fensterfaschen und der Traufzone wiederhergestellt; diese Farbgebung wurde bei der jetzigen, soeben abgeschlossenen Sanierung einer leichten Korrektur unterzogen. Auf dem Bild (v.l.n.r.): Architekt Ralph Schulte, Eigentümer Freiherr Clemens August von Weichs, 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Eigentümerin Felicitas von Weichs,Kreisdenkmalpfleger Dr. Reinhard Lahr.
Das 1792 nach Plänen des kurtrierischen Baumeisters Johann Caspar Rolshausen unter Regie der Abtei Rommersdorf gebaute großzügige Pfarrhaus in Heimbach wurde als Verwaltungs- und Amtssitz der neueingerichteten kath. Pfarreiengemeinschaft Heimbach-Engers denkmalgerecht rück- und ausgebaut; Stefan Schäfer trug hier der Planung Rechnung. In seinem schlichten fünfachsigen Aufriss mit Mansarddach ist es noch barocker Formgebung anhängig, obgleich das Altrosa der Wandflächen gepaart mit einem Blaugrau der Gauben und Klappläden sowie einem Türkisblau der Türen dem Klassizismus verpflichtet ist. Auf dem Bild (v.l.n.r.): 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Pater Daniel, Architekt Stefan Schäfer, Kreisdenkmalpfleger Dr. Reinhard Lahr.Fotos: Kreisverwaltung
Das 1792 nach Plänen des kurtrierischen Baumeisters Johann Caspar Rolshausen unter Regie der Abtei Rommersdorf gebaute großzügige Pfarrhaus in Heimbach wurde als Verwaltungs- und Amtssitz der neueingerichteten kath. Pfarreiengemeinschaft Heimbach-Engers denkmalgerecht rück- und ausgebaut; Stefan Schäfer trug hier der Planung Rechnung. In seinem schlichten fünfachsigen Aufriss mit Mansarddach ist es noch barocker Formgebung anhängig, obgleich das Altrosa der Wandflächen gepaart mit einem Blaugrau der Gauben und Klappläden sowie einem Türkisblau der Türen dem Klassizismus verpflichtet ist. Auf dem Bild (v.l.n.r.): 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Pater Daniel, Architekt Stefan Schäfer, Kreisdenkmalpfleger Dr. Reinhard Lahr.Fotos: Kreisverwaltung
