Senioren-Tennis Bad Neuenahr
71. Deutsche Tennis-Seniorenmeisterschaften in Bad Neuenahr mit spannenden Finalspielen
aus Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Neuenahr. Faszination, Leidenschaft und Anziehungskraft in 48 Konkurrenzen haben einen Namen: Nationale Tennis-Meisterschaften der Seniorinnen und Senioren beim HTC Bad Neuenahr. Die prestigeträchtigen „Tennis Classics“ gehören längst zur Champions-League der Tennisszene. Sie zählen weltweit zu den größten Fünf-Sterne-Turnieren ihrer Art. Die 71. Deutschen Tennis-Seniorenmeisterschaften sind Geschichte. Doch die 71. Auflage hat einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, welchen Stellenwert diese Meisterschaften deutschlandweit inzwischen genießen.
Rund 50 Meldungen mehr als im Vorjahr gingen diesmal ein. Über zwei Wochen hinweg wurde auf der 13-Platz-Anlage im Lenné- und Kaiser-Wilhelm-Park um die Titel gekämpft, ehe am vergangenen Sonntag die letzten Entscheidungen fielen.
Und dabei wurde es noch einmal richtig spannend auf den Courts in Bad Neuenahr. Zumal als Highlights die Endspiele der Damen 50 und 60 sowie der Herren 50, 55 und 60 im Programm standen. In einem hochklassigen und überaus spannenden Finale Frauen 50 setzte sich Susi Fortun (TC Leonberg) gegen Kirsten Jörn (TC Rheinstadion Düsseldorf) in zwei Sätzen (6:3, 6:4) durch. Das Finale entwickelte sich von Beginn an zum Match auf hohem Niveau – und vor allem auf Augenhöhe. Mal war es die amtierende Deutsche Meisterin Fortun, die besonders mit der Vorhand die Akzente in den langen Ballwechseln setzte, bevor dann wieder Jörn mit starker Schlagschnelligkeit das Spiel offenhielt. Zwischenzeitlich zeigten die beiden in ihren Aufschlagspielen Nerven, während sie als Rückschläger dann wieder bestes Tennis boten. Vor allem der zweite Satz bot alles, was das Tennis so dramatisch machen kann: Ein Spiel mit vielen Aufs und Abs, mit Rückständen, Breaks und Rebreaks, leichten Fehlern zum Haareraufen und direkten Punkten zum Staunen. Am Ende verwandelte Fortun ihren zweiten Matchball zum 6:4 und hatte damit das bessere Ende für sich. „Das Match gegen Kirsten Jörn war kein Leichtes für mich“, brachte es Fortun nach dem hart umkämpften Finalsieg auf den Punkt: „Meine druckvolle Vorhand war mal wieder der Schlüssel zum Erfolg.“
Keinerlei Probleme bei seinem Auftritt zum Titelgewinn bei den Herren 50 hatte Christian Boenke (TC Groß-Zimmern) gegen Thomas Wedel (TG Crumstadt). Nach einem leichten Rückhandfehler Wedels führte Boenke im Finale bereits nach nur 20 Minuten mit 4:0. Wedel haderte hörbar, er blickte ratlos auf die Ränge: „Die Bälle fliegen mir alle weg.“ Letztlich konnte er sich nicht mehr aus dem Loch kämpfen, das er sich selbst in die rote Asche auf dem Center Court von Bad Neuenahr gegraben hatte. Besonders im ersten Satz dominierte Boenke fast nach Belieben. Er punktete immer wieder mit hart geschlagenen, langen Bällen über die Rückhand des Crumstädters. Zudem traf der Mann vom TC Groß-Zimmern die Ecken und ließ seinen Gegenüber ein ums andere Mal laufen. Auf der anderen Seite bewegte sich Wedel nicht rund, daneben unterliefen ihm immer wieder viele leichte Fehler. Das Bild änderte sich auch im zweiten Satz wahrlich nicht wirklich: Boenke ließ seinem Gegenüber Wedel kaum eine Chance und setzte sich schließlich im Sauseschritt (6:0, 6:2) durch.
Der elfmalige Deutscher Meister Marc Pradel setzte in der Altersklasse 55 auch bei der 71. DSM eine Reihe sportlicher Glanzlichter: Im Finale wurde Pradel dann auch seiner Favoritenrolle gerecht. Dabei ließ er keinerlei Zweifel aufkommen. Pradel fegte seinen Gegenüber Gerd Albiez (TC RW Tiengen) deutlich und im Eiltempo mit 6:0, 6:2 vom Feld. Nach der Krönung richtete er noch lobende Worte an das Team um Turnierdirektorin Annette Bartsch: „Es ist faszinierend, wie die das hier alles machen.“
Auf der 13-Platz-Anlage des HTC Bad Neuenahr setzte der Weltmeister- und Europameister Stefan Burchard in der Altersklasse 60 wieder einmal auf nationaler Bühne ein beeindruckendes Ausrufezeichen. Burchard habe vor Jahren schon mal den HTC Bad Neuenahr trainiert, erinnerte sich Turnierdirektorin Bartsch. Und: „So war das Interesse an seinem Match gegen Lars Meierling groß, das Finale war besonders gut besucht“, unterstrich Annette Bartsch. Attraktiv und explosiv war das 60er Finale dann allemal. Nach mehr als zwei Stunden donnernder Ballwechsel stand fest: Der Deutscher Meister ist wieder Stefan Burchard (TC Köln). Gegen Lars Meierling (Hagener TC) hatte er mit 6:4 und 6:4 die Oberhand behalten.
Eine erfolgreiche Titelverteidigung feierte auch Norbert Henn im Lenné Park: Henn (Eschborn) setzte sich insgesamt souverän und ohne Satzverlust in einem Endspielkrimi der AK 65 der hätte nicht spannender sein können, gegen Hubert Freudenstein (TC Weilheim) denkbar knapp mit 6:4 und 7:5 durch.
Den Schlussakkord gab’s auch bei den Frauen, und es wurden weitere Deutsche Meisterinnen gekürt: Bei den Frauen stiegen Nicole Liedtke (Kahlenberger HTC, AK 55), Petra Dobusch (TC Doggenburg, AK 60) und Katalin Böröcz (TC Doggenburg, AK 65) voller Freude strahlend aufs Siegertreppchen.
Doch es waren nicht allein die sportlichen Leistungen, die diese Meisterschaften auszeichneten. Auch abseits der Plätze stimmte die Mischung. Die Zuschauer gingen mit, jeder Punkt wurde aufmerksam verfolgt, gefeiert und manchmal auch lautstark kommentiert. Auf den Plätzen wurde um jeden Ball gekämpft, daneben herrschte eine Atmosphäre, die von Fairness, Respekt und guter Laune geprägt war.
Genau das macht die Senioren-DM in Bad Neuenahr seit Jahren aus: Hier geht es um deutsche Meistertitel – aber eben nicht nur. Es geht um Begegnungen, um alte Bekanntschaften und neue Freundschaften und um das besondere Gefühl, für zwei Wochen Teil einer großen Tennisfamilie zu sein.
Danke sagen ist schön und gut, dessen ist sich auch der HTC Bad Neuenahr bewusst. Nach einem anfänglichen „Come Together“ richtete sich Turnierdirektorin Annette Bartsch am Sonntagmorgen beim Sponsorenfrühstück an die Gäste: „Wir können nur danke sagen“, weiß sie nur zu gut, wie wichtig und unverzichtbar es für den HTC Bad Neuenahr ist, engagierte Sponsoren, Partner, Unterstützer und Helfer an der Seite zu wissen. Apropos gegenseitige Unterstützung: Beispiel Bäckerei Simon aus Bad Neuenahr, wo Tradition auf Innovation treffe. In Zeiten der DSM habe die Bäckerei Tennis-Brötchen und Tennis-Brot mit viel Backkunst hergestellt und ins Angebot mit aufgenommen, meint die Turnierdirektorin: „Beim Sponsorenfrühstück werden wir gleich in den Genuss kommen.“ Damit nicht genug: Werntges TraumTorten aus Essen bot den Gästen ebenso kulinarische Spezialitäten an. „Wir werden gleich eine Tennis-Torte anschneiden.“ Damit nicht genug, das Gebäckmotiv Tennisbälle in Keksform stand ebenso zur Verkostung an. Kurz gesagt: Wohl dem, der viele weitere, tatkräftige Unterstützer neben den zuverlässigen und mächtigen Cup-Sponsoren wie Medentis, der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Kreissparkasse, der Volksbank RheinAhr, dem Sportbund Rheinland, den Ahrtal-Werke, der Dagernova, BMW Baum Bad Neuenahr, den Tennisverbänden Rheinland und Rheinland-Pfalz an der Seite hat. Apropos Identifikation und gegenseitige Unterstützung in Bad Neuenahr-Ahrweiler: „Das Engagement ist sichtbar geworden“, sagt Bartsch. Und: „Über die Plakatwerbung nehmen die Besucher der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler die DSM wahr.“ Nicht zu vergessen, während der DSM stellte Baum Automobile auf der Anlage neueste Modelle aus und ermöglichte es somit den Besuchern, die Faszination von BMW zu entdecken.
Die 71. Deutschen Tennis-Seniorenmeisterschaften sind gelaufen. Stillstand heißt dies mitnichten für den HTC Bad Neuenahr. Wie sagt man’s so trefflich? „Nach dem Turnier ist vor dem Turnier“. Und so wirft die nächste Auflage der Meisterschaften bereits ihre Schatten voraus. Die Altersklassen 30 und 35, die bislang in Worms ihre Meister ermittelten, werden künftig in Bad Neuenahr integriert. Und wenn dann in 2027 die jüngeren Seniorenklassen auf der 13-Platz-Anlage in Bad Neuenahr aufschlagen, dürfte die große Tennisbühne an der Ahr noch einmal ein gutes Stück größer werden – qualitativ selbstredend auf höchstem Niveau.
Christian Boenke, Deutsche Meister Altersklasse 50 Foto: HTC, Horst Bach
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Susi Fortun, Deutsche Meisterin Altersklasse 50 Foto: HTC, Horst Bach