Gute Nachrichten für die ganze Kreisstadt
Ahr-Thermen laden wieder zum Schwimmen und Wohlfühlen ein
Erste Sanierungsmaßnahmen wurden erfolgreich abgeschlossen - Kompetenter und solventer neuer Eigentümer gesucht
Bad Neuenahr. Diese Nachricht wurde in der ganzen Kreisstadt mit Erleichterung aufgenommen: Die siebenmonatige Schließung der Ahr-Thermen hat bald ein Ende; am Freitag, 8. August, soll das Thermalbad wieder seine Pforten öffnen. Nach einer umfassenden Renovierung und technischen Modernisierungen will sich der Wohlfühltempel in seinem außergewöhnlichen Gebäude künftig seinen Gästen noch angenehmer präsentieren. Mittlerweile sind nämlich alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, die der Übernahme der Ahr-Thermen, die bislang der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr gehörten, durch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler im Wege standen.
Am 11. Juli wurden die Verträge endgültig unterzeichnet, mit denen die Stadt das 18.335 Quadratmeter große Areal samt seinen Nebengrundstücken zum Preis von insgesamt 2,9 Millionen Euro kauft. Bürgermeister Guido Orthen und AG-Vorstand Christoph Reinicke besiegelten das Grundstücksgeschäft mit ihren Unterschriften. Zuvor hatte der Stadtrat diesen Deal mit großer Mehrheit abgesegnet, lediglich Rainer Jakobs hatte dagegen bestimmt. Somit ist die Kreisstadt jetzt auch offiziell Eigentümerin eines der Wahrzeichen der Kreisstadt, den Ahr-Thermen samt ihrer dazugehörigen Liegenschaften im Zentrum des Stadtteils Bad Neuenahr. Orthen betonte, in der Kaufsumme sei das mobile Betriebsinventar ebenso enthalten wie die Namensrechte an den „Ahr-Thermen“, wenn auch die Interims-Betriebsgesellschaft den Namen „Walburgis-Therme Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH“ trage. Für die Gebäude selbst werde nichts bezahlt.
Lange und schwierige Verhandlungsreise
„Nach der erfolgreichen Reinigung der Walburgis-Quelle, die das Wasser für die Thermen liefert, sind wir endlich am Ende einer langen und manchmal auch recht schwierigen Verhandlungsreise angelangt,“ kommentierte Orthen den Vertragsabschluss. Mit der zusätzlichen Redundanzleitung zwischen dem Großen Sprudel und den Ahr-Thermen sei nun im Bedarfsfalle eine zusätzliche Wasserversorgung sichergestellt, die dann direkt über die Heilquelle erfolge.
Den Betrieb des Thermalbades übernimmt nach Aussage des Bürgermeisters ab 1. August 2014 eine Betriebsgesellschaft, die von der Stadt als alleiniger Gesellschafterin mit einem Stammkapital von 800.000 Euro ausgestattet ist. Als Geschäftsführer der neuen GmbH hat sich der Stadtrat für den Tourismusexperten Maternus Fiedler ausgesprochen, als sein Stellvertreter wird der städtische Rechtsassessor Achim Schäfer fungieren. Fiedler ist Diplom-Verwaltungswirt und Industrie-Betriebswirt und war von 1977 bis 1987 Mitarbeiter der Kreisverwaltung Ahrweiler, leitete dort unter anderem das Referat für Fremdenverkehr. Von 1987 bis 1991 war er Geschäftsführer der kreisweiten Fremdenverkehrsorganisation „Bäder-, Wein- und Wanderland“ und von 1991 bis 1995 Geschäftsführer bei einer Fremdenverkehrs- und Kurorte-Beratung. Seither ist er selbstständig im Tourismusbereich. Maternus Fiedler gehört seit 2000 dem Aufsichtsrat der shapefruit AG an und ist seit September 2004 Vorsitzender des Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Zeitlich begrenzte Geschäftsführung geplant
Geplant ist allerdings nur eine zeitlich begrenzte Geschäftsführung von voraussichtlich etwa zwei Jahren, in denen man nach einem kompetenten und solventen Betreiber für die Ahr-Thermen suchen will. „Unser gemeinsames Ziel ist es nach wie vor, einen privaten Dritten für den Betrieb der Ahrthermen zu finden“, hatte Orthen in der entscheidenden Stadtratssitzung ausgeführt. In jedem Fall solle ein künftiger Betreiber auch in die Lage versetzt werden, die Therme langfristig und operativ wirtschaftlich zu betreiben.
Allerdings sei auf der anderen Seite auch nicht einzusehen, dass ein künftiger Pächter ohne eigenes finanzielles Engagement gleichsam vom gesamten wirtschaftlichen Risiko freigestellt werden solle. Vielmehr sei gerade das Engagement mit eigenem Geld der notwendige Anreiz, für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes zu arbeiten, fand der Bürgermeister. Deshalb soll der künftige Betreiber auch nach Möglichkeit einen Teil der noch zusätzlich erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen mitfinanzieren.
Insgesamt kostet die Übernahme rund 11 Millionen Euro
Die Übernahme der Ahr-Thermen ist nämlich weitaus teurer als nur die reine Kaufsumme von knapp drei Millionen Euro. Zwingend sei nämlich auch noch die Sanierung der mittlerweile ziemlich veralteten Technik, die praktisch komplett ersetzt werden müsse, was stolze 4,9 Millionen Euro kosten soll. Außerdem ist vorgesehen, das Süßwasserbecken zu einer Kalt-Heiß-Kombination umzubauen, die Umkleiden und den Sanitärbereich zu erneuern, die Behandlungsräume im Wellnessbereich im Untergeschoss zu modernisieren sowie ein Lichtkonzept für die Badehalle zu entwickeln und diese energetisch zu optimieren. Diese Maßnahmen summieren sich noch einmal auf 2,3 Millionen Euro, was zusammen mit der Technik-Erneuerung insgesamt 7,2 Millionen Euro an Sanierungskosten ergibt. Ob und wann all diese Maßnahmen auch tatsächlich durchgeführt werden, müsse der Rat allerdings noch zu einem späteren Zeitpunkt beschließen.
Insgesamt sind für Erwerb und Sanierung der Ahr-Thermen sowie für das Stammkapital der Betriebsgesellschaft demnach rund 11 Millionen Euro erforderlich. Zur Finanzierung dient eine Kreditaufnahme der vollen Summe mit einer Laufzeit von 25 Jahren zu. Bei einer jährlichen Tilgung von vier Prozent entstehe zuzüglich der anfallenden Zinsen von 2,5 Prozent eine jährliche Belastung von rund 715.000 Euro, so Orthen weiter. Um das notwendige Geld in die Stadtkasse zu bekommen, hat der Stadtrat mittlerweile schon die Anhebung der Steuern, eine Verteuerung der Gästekarte sowie Einsparmaßnahmen im städtischen Haushalt beschlossen. Dabei habe man auch die Zukunft der Stadt und ihrer Einwohner im Auge, so Orthen, „denn die nächste Generation soll nicht mehr für das zahlen, was wir heute beschließen.“ Deshalb werde man versuchen, die gesamte Summe innerhalb von 25 Jahren zu tilgen.
Keine Zeit mehr zu verlieren
„Jetzt, wo die Stadt und die Betriebsgesellschaft das Heft des Handelns in der Hand haben, wollen wir keine Zeit mehr verlieren“, betonte der neue Ahrthermen-Chef Maternus Fiedler. „Wir werden uns im Sinne unserer Tourismusdestination darauf konzentrieren, die Ahr-Thermen wieder als Frequenzbringer und als wichtigen Imageträger für unsere Stadt zu positionieren.“ Nach Ansicht von Experten werden insbesondere die Hotellerie und Gastronomie in der Kreisstadt von der Wiedereröffnung profitieren, aber auch viele andere Geschäfte dürften auch Umsatz durch die kaufkräftige Ahr-Thermen-Klientel hoffen.
Mittlerweile ist die Betriebsgesellschaft schon auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern für den Betrieb der Ahr-Thermen, wobei man insbesondere mit der bisherigen Stammbelegschaft Verhandlungen führe. „Bereits in den ersten Gesprächen habe ich bei allen Mitarbeitern eine außerordentlich hohe Motivation und Identifizierung mit den Ahr-Thermen verspürt“, so Fiedler, doch die Betriebsgesellschaft wolle durchaus auch neuen Fachkräften eine Perspektive geben.
Aktiengesellschaft sieht neue Situation positiv
Auch bei der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr sieht man die neue Situation positiv. „Ich denke, dass wir einen vernünftigen Interessensausgleich erzielt haben. Die Stadt erhält als Tourismusstandort einen wichtigen Magneten zu einem akzeptablen Preis, und die Aktiengesellschaft ist ein nicht zu beherrschendes Risiko los“, erklärte der Vorstand der Aktiengesellschaft, Christoph Reinicke, nach dem Vertragsabschluss. „Ohne diesen Verlustbringer sieht unsere Bilanz natürlich direkt besser aus.“ Zumal man sich auch in einigen „Nebenschauplätzen“ einig geworden sei. So wollen beide die Entscheidung des Landes Rheinland-Pfalz bezüglich der Spielbankabgabe anerkennen. Demnach soll der bisher der Aktiengesellschaft zustehende Anteil von etwa einer Million Euro pro Jahr künftig der Stadt zugutekommen, die wiederum damit eine Instandhaltungsrücklage in Höhe von 200.000 Euro sowie jährliche Unterhaltskosten für Gebäude, Technik und Geräte von ebenfalls 200.000 Euro bestreiten möchte. Ebenfalls verständigt habe man sich darauf, den Besuchern der Ahr-Thermen in dem AG-eigenen Parkdeck an der Felix-Rütten-Straße weiterhin einen vergünstigten Tagestarif von 2,50 Euro anzubieten. Weitere einvernehmliche Themen seien unter anderem das Betreten des Bademantelganges während der Öffnungszeiten der Ahr-Thermen, die Nutzungsrechte der Kurhaussäle für Veranstaltungen oder die Übertragung von Namens- und Markenrechten.
