Heimatverein Alt Ahrweiler lud zu Wanderung ein
Als die Mühlen noch klapperten
Ahrweiler. In einer kurzweiligen Wanderung führte Heinz Schönewald auf Einladung des Heimatvereins Alt Ahrweiler eine Gruppe Mühleninteressierter durch Ahrweiler zu den Standorten ehemaliger Mühlen der Rotweinmetropole. Stilecht mit einem „Glück zu“, der traditionellen Grußformel der Müller, begrüßte der Referent die Teilnehmer. Der Gruß geht auf die Wandertätigkeit der Müllergesellen zurück, die das Glück sprichwörtlich von einer Mühle zur nächsten tragen sollten, also ein „Glückwunsch“ im wahrsten Sinne des Wortes. Dies galt vor allem als Schutz vor Unwetter, Missernte und Brand.
An der westlichsten oder obersten Mühle von Ahrweiler, der Pfahls Mühle erläuterte Schönewald die generellen Pflichten von Mühlenbesitzern und -pächtern: „Die Mühlenbesitzer hatten sich um das Mahlwerk, den Wellbaum, den Mühlstein, das Rad und das Wasserbett zu kümmern. Die Mühlenpächter hatten sich zu kümmern, dass die Mühle in Dach und Gefach instand gehalten wurde und Kämme und Stäbe in gangbarem Zustand waren.“ Schönewald merkte am Rande an, dass Müller mit 9,5 Prozent der häufigste Namen in Deutschland ist. 893 wird im Prümer Urbar, dem ältesten schriftlichen Nachweis der Rotweinmetropole, noch keine Mühle in Ahrweiler erwähnt.
Die „Erste Mühle“/Pfahls Mühle war eine sogenannte Beutelmühle, da das Mehl in dieser Mühle nicht nur gemahlen, sondern auch gesiebt (gebeutelt) wurde. 1888 wurde die Mühle durch einen Brand beschädigt, übrigens der erste Einsatz der neu gegründeten Feuerwehr Ahrweiler. Um 1900 wurde die Pfahls Mühle von Dr. med. Carl von Ehrenwall gepachtet, der hier die erste Dampfmaschine zur Stromerzeugung für seine Kuranstalt einbauen ließ. Die Ehrenwall’sche Kuranstalt verfügte bereits im gleichen Jahr über elektrischen Strom. Mit dem Strom der Klinik wurde auch die Ahrweiler Straßenbeleuchtung und die elektrische gleislose Bahn betrieben. Schönewald erklärte, dass es neben den Getreidemühlen in Ahrweiler auch Öl- und Lohmühlen gab. Ölmühlen oder Olligsmühlen gewannen durch Stampfen und Pressen aus Raps, Walnüssen und Bucheckern das wertvolle Öl. Dieses diente als Küchenfett, zur Herstellung von Salben, als Brennstoff für Öllampen, als Anstreichmittel, zum Einfetten von Wolle und Leder, zum Löten, Härten von Stahl und zur Seifenherstellung. Die Rückstände der Ölbereitung bildeten als sogenannte Ölkuchen ein wertvolles Futtermittel. Lohmühlen mahlten die Rinde (Lohe) einiger Baumarten, meistens Eichenlohe (später auch Fichten), um den Gerbstoff den Gerbereien zuzuführen.
Die Mühlenexkursion führte weiter zur Schicks Mühle, Klosterrather Mühle, Marktmühle, Pulvermühle im Weilergraben, Gereonsmühle, Blankenheimer oder Lindenmühle, Reuters Mühle, Steinfelder Mühle.
Auch zum Mühlenteich hatte Schönewald Wissenswertes zu berichten: „Er ist 4,575 Kilometer lang, zweigt unterhalb von Walporzheim von der Ahr ab und fließt an der Maria-Hilf-Brücke in Bad Neuenahr in die Ahr zurück. Das Gefälle beträgt 14 Meter. Unmittelbar vor der Mühle ist das Gefälle und damit der Wasserdruck an der Arke unvergleichsmäßig hoch.“ Das Wasser des Teichs stand im Eigentum der Mühlenbetreiber; in den dazwischen gelegenen Teilstücken des Mühlenteichs konnten die Einwohner fischen. Müller hatten den Mühlenteich im Winter eisfrei zu halten. Hierzu hatten sich die Müller besondere (wasser- und frostfeste) Stiefel anzuschaffen. Einmal jährlich zu St. Bartholomäus am 24. August wurde das Wasser im Teich abgelassen, um Reparatur- und Reinigungsarbeiten durchzuführen.
Am Freitag, 5. Oktober, 19 Uhr hält Heinz Schönewald in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler zum gleichen Thema auch einen Vortrag „Die Ahrweiler Mühlen“. Der Eintritt zu dieser Vortragsveranstaltung des Heimatvereins Alt Ahrweiler ist frei.
