-Anzeige- Hunderte von Gästen bevölkerten den Fachwerkhof in Bölingen
Apfeltag und 30-jähriges Bestehen beim Bio Hof Bölingen
Bert Krämer und Elke Inden-Krämer blicken auf drei erfolgreiche Jahrzehnte zurück
Bölingen. Der Apfel in all seinen Größen, Farben und Geschmacksrichtungen stand einmal mehr im Mittelpunkt des 16. Apfelfestes im „Bio Hof Bölingen“ von Bert Krämer und Elke Inden-Krämer. Beim Fest konnten die zahlreichen Besucher aber nicht nur über zwei Dutzend verschiedene Sorten aus eigenem Anbau probieren, sondern zugleich jede Menge über den heimischen Obstbau, die Vorteile der biologischen Schädlingsbekämpfung oder den Reifezustand und die Lagermöglichkeiten von Äpfeln lernen. Schließlich ist Bert Krämer, der 1985 seinen Hof zu einem der ersten Bio-Obstbaubetriebe in Deutschland umstellte, ein Pionier in dem Fach, der Bio-Hof Bölingen feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Bestehen. Er ist damit der älteste Bioland-Obstbaubetrieb in ganz Westdeutschland.
Im Winter 1984 startete Krämer mit der ersten Obstbaumpflanzung und den ersten Gründüngungsflächen. Es war ihm damals wie heute wichtig, mit einer reinigenden und belebenden Gründüngung den Boden für den biologischen Anbau vorzubereiten. 1985 ging es richtig los mit etwa 30 verschiedenen Gemüsesorten, mehreren Kartoffelsorten sowie mit neu gepflanzten Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäumen sowie mit Beerenobst. „Unser Glück war, dass viele Freunde und Bekannte uns bei fast allen Arbeiten kräftig unterstützt haben“, blickt er gerne zurück. Allerdings seien damals nicht alle Bölinger davon überzeugt gewesen, dass der Betrieb auf Dauer durchhalten werde, doch die habe man eines Besseren belehren können.
Einer der Pioniere
des biologischen Anbaus
In den nächsten Jahren habe der Betrieb eine fünf- und zehn-jährige Fruchtfolge entwickelt, denn nur auf einem gesunden Boden können gesunde und lebendige Pflanzen gedeihen. „Ein ganz wichtiger Punkt war uns die ganzjährige Gründüngung, denn nur sie verschafft dem Boden die nötige Erholung und Ruhe“, so Krämer. Da kleinere Bauernhöfe im Dorf altersbedingt und ohne Nachfolger schließen mussten, konnte er im Laufe der Jahre immer wieder Flächen hinzu pachten. Mittlerweile wurde der Betrieb vollständig auf Obstbau umgestellt, zugleich die größte Herausforderung für den biologischen Anbau. Aber Kreislaufdenken, die langjährige Erfahrungen mit dem vorhandenen Boden und der Respekt vor der Natur machen biologischen Anbau auch bei schwierigen Dauerkulturen möglich, ist Krämer überzeugt. In seinen Obstanlagen finde man eine reiche Artenvielfalt – sowohl an verschiedenen Bodenpflanzen, Insekten und Vögeln, als auch an Obstsorten.
V
on Anfang an auf Direktvermarktung gesetzt
Bei der Vermarktung kam dem Betrieb stets die Nähe zu Bonn und Köln zugute. Von Anfang an setzte man auf die Direktvermarktung und entwickelte schon 1985 die erste Abo-Lieferung nach Köln. „Wir waren wahrscheinlich der erste Bio Hof, der die Abo-Belieferung als sicheren Vermarktungsweg erkannt und entwickelt hat“, glaubt Krämer. Durch die Spezialisierung auf den Obstbau habe man dann aber auch andere Vermarktungswege gehen müssen. Dennoch liefert der Bio Hof Bölingen heute noch immer Abokisten. Die größte Obstmenge geht jedoch an den Naturkosthandel im Umkreis von 150 Kilometer. „Dabei sind uns langjährige Beziehungen und die persönliche Anbindung an unseren Hof wichtig.“ Durch geeignete Kühlräume kann der Bio Hof Bölingen von Juli bis April eigenes Obst in bester Bio-Qualität anbieten.
Eine direkte Beziehung zwischen Verbraucher und Erzeuger wird durch regelmäßige Verkostungen im Laden und durch organisierte Besuche auf dem Hof gewährleistet – und natürlich mit dem Apfelfest, bei dem die Türen für alle offen sind. Die Idee dahinter: Wenn der Kunde den Bauern und seine Bioflächen kennengelernt hat, ist das Vertrauen viel größer. Und Kinder, die sich selber Äpfel gepflückt haben, essen diese auch weiterhin am liebsten. Beim selber pflücken in den weitläufigen Obstplantagen konnten sich die Besucher auch davon überzeugen, dass der Betrieb über ein intaktes Ökosystem verfügt. Dazu tragen auch Insektenhotels, pflanzliche Extrakte und in der Natur vorkommenden Substanzen bei, die unterstützend eingreifen und lenken.
Mehr als 25 verschiedene Apfelsorten im Angebot
Heute bietet der Betrieb mehr als 25 verschiedene Apfelsorten, mehrere Birnensorten, Zwetschgen und Mirabellen. Mit Respekt vor der Natur erzeugen drei Vollzeit- und sieben Teilzeitkräfte sowie 20 Erntehelfer während der Saison gesunde und leckere Bio-Lebensmittel voller Lebenskraft, Vitalität und eine besonders hohe innere Qualität. Mittlerweile zwölf Hektar Fläche kann das Obst immer zum optimalen Zeitpunkt geerntet werden. „Dadurch erhalten wir sowohl für frisches als auch für gelagertes Obst immer wieder höchste Auszeichnungen für Aroma und Geschmack“, freut sich Krämer.
Zum Apfeltag luden im Fachwerkhof in Bölingens Mitte derweil Kürbiscremesuppe, frisch gepresster Apfelsaft und auch selbst gebackener Apfel- und Zwetschgenkuchen zur gemütlichen Pause ein. Besonders beliebt bei den Kindern war das Selbstpressen von ganz frischem Apfelsaft mit der kleinen Handpresse und dem Schredder, mit dem die Äpfel erst einmal klein geschnitten werden mussten. In der Kinderecke gab es den ganzen Tag über ein lehrreiches Kinderprogramm rund um den Apfel. Beim Apfelsorten-Memory galt es, die richtigen Paare zu erraten, und Biowaffeln am Stiel fanden reißenden Absatz.
Informative Ausstellung über den biologischen Anbau
In der Scheune und der Halle gab es darüber hinaus eine informative Ausstellung über den biologischen Anbau. Um die Biodiversität kümmert sich der „Bio-Hof Bölingen“ nämlich nicht zuletzt dadurch, dass die Apfelbäume von Wildbienen befruchtet werden. Die fliegen auch bei niedrigen Temperaturen und sind nicht so anfällig wie die Honigbiene. In den Anlagen wurden für die Bienen in den vergangenen Jahren große Nistmöglichkeiten geschaffen und zwischen den Baumreihen Wildblumen eingesät.
An einem Informationsstand der Bonner Universität konnten die kleinen Nachwuchsforscher etwas über das Leben und Aussehen diverser Insekten lernen. Unter dem Mikroskop durften sie dazu Bienen und Wespen betrachten und dabei „der Biene in die Augen schauen“. Auch in diesem Jahr interessierten sich besonders die allergiegeplagten Menschen am „Apfelprobierstand“ für die allergikergeeigneten Apfelsorten „Santana“ und „Elise“. Diese sind in ihrer süß-säuerlichen Geschmacksrichtung einerseits saftig und knackig, besitzen aber andererseits ein bestimmtes Protein nicht, das Allergien auslöst. Das habe die Universität Bonn herausgefunden. „Einige Menschen, die wegen ihrer Allergie schon seit über zehn Jahren keinen Apfel mehr essen konnten, durften jetzt endlich wieder beherzt zubeißen und waren überglücklich“, freute sich Elke Inden-Krämer über den großen Erfolg.
Dieses Wochenende geht das Apfelfest weiter
Zum 30-jährigen Bestehen hatte der Bio-Hof die Grafschafter Kindergärten zu einem Malwettbewerb aufgerufen. 15 Gruppen hatten ein Bild eingereicht. Den Siegern winkt ein Apfelbaum für den Garten und ein Projekttag rund um den Apfel. Auch am kommenden Wochenende, 19. und 20. September, lädt der „Bio Hof Bölingen“ von 11 bis 18 Uhr zum Apfelfest ein. Bis Mitte Oktober können Interessierte jeden Sonntag zwischen 13 und 17 Uhr selbst Äpfel pflücken.
Beim Apfeltag auf dem Bio Hof Bölingen hatten Kinder und Erwachsene ihren Spaß, unter anderem beim Herstellen von selbstgemachtem Apfelsaft.
