Theaterverein „Vorhang auf“ Grafschaft
Auf der Bühne geht es drunter und drüber
Die erwachsenen Schauspieler warten mit zwei Stücken auf und die Jugendgruppe ebenfalls
Leimersdorf. Auf der Bühne im Haus des Dorfes geht es drunter und drüber. Da werden Knüppel geschwungen und mit der Mistgabel gedroht, dass es nur so eine Art hat, und im ganzen Tohuwabohu wird sogar ein Hemd in Stücke gerissen. Doch zum Glück ist alles nur gespielt, denn in dem Theaterstück „Überraschung aus dem Osten“ gibt es neben deftigen Schimpftiraden und launigen Wortgefechten auch so manche Handgreiflichkeiten. Der Theaterverein „Vorhang auf“ Grafschaft hat damit ein Stück ausgesucht, das den Umgang mit dem Unbekannten und mit Fremden ebenso auf humorvolle Art behandelt wie die eigenen Vorurteile.
Bodenständige Bauernfamilie
Die Familie Winkelried ist nämlich eine bodenständige Bauernfamilie mit einem mittelgroßen Betrieb, die sich zur Unterstützung bei den vielfältigen Arbeiten immer wieder Praktikanten aus einem osteuropäischen Land suchen. Dazu kommt, dass ein Ausländer das Land neben dem Hof von Vater Winkelried zu einem überwiesenen Preis an sich reißen will.
Die Nerven liegen blank
Tochter Melanie erzählt von einem neuen Freund, anscheinend ein Araber, wenn man ihren geheimnisvollen Andeutungen Glauben schenkt. Die ledige Schwester, die mit einem Mann aus Moskau plötzlich auftaucht, und die alte Tante, die in jedem Ausländer einen potenziellen Taschendieb und Knastbruder sieht, tragen ebenfalls nicht unbedingt zur Beruhigung der Situation bei.
Die Nerven liegen also blank bei der Familie Winkelried. Kein Wunder, dass Tante Fine Meierhöfer (Carmen Bockshecker) mit dem Knüppel auf Oleg Krassnov (Gert Röder) losgeht, weil sie immer „Knast“ anstatt „Gast“ versteht und den „Knacki aus dem Osten“ um keinen Preis der Welt im Haus haben will.
„Wenn du mir dat Jeld aus der Nähmaschine klaust, mach ich dich kapott“, droht sie ihm an. Oleg sieht sich auch noch von Bauer Paul (Klaus Götsch) mit der Mistgabel verfolgt und muss zahlreiche Anfeindungen von dessen Frau Heidi (Marieluise Moog) und deren Tochter Melanie (Sophie Hanke) über sich ergehen lassen. Derweil trägt Hofpraktikant Wladimir Wieczorek (Alfred Schneider) nach dem Angriff der Hofziege ordentliche Blessuren davon und versteht darüber hinaus mangels Deutschkenntnissen oft nur „Bahnhof“.
Ein Freund von "Multikulti"
Weil also auf diesen deutschen Obsthof viele glauben, etwas zu sagen zu haben, aber keiner wirklich mit dem anderen spricht oder richtig hinhört, lässt das Happy End ein wenig auf sich warten. Doch am Ende trifft Silvia (Anette Besseler), die Schwester des Bauern, endlich auf Oleg, manches Missverständnis klärt sich auf, und sogar Bauer Paul wird letzten Endes ein Fan von „Multikulti“.
Aufregung um einen schwarzen Koffer
Turbulent geht es auch zu beim anderen Stück der Erwachsenengruppe des Theatervereins. Hier dreht sich alles um einen „schwarzen Koffer“, den es gleich in mehrfacher Ausfertigung gibt.
Da ist es natürlich nicht leicht, den Überblick zu behalten und den richtigen Koffer der richtigen Person zuzuordnen. Aus heiterem Himmel will sich Tante Flora (Elke Schmidt) beim jungvermählten Ehepaar Wusserl (Markus Corzelius und Rebecca Grut) einquartieren, und das gleich für fünf Wochen. Sie kommt mit viel Gepäck angeschnauft und hat einen schwarzen Koffer dabei, der erstaunlicherweise voller Banknoten ist. Franz Theo Husserl von Beruf Polizist, riecht sofort Lunte, denn in Frankfurt wurde gerade eine Bank überfallen und der Bankräuber ist flüchtig. Sollte die Tante also der Bösewicht sein? Und wenn ja: Darf er überhaupt die Tante seiner Ehefrau einfach so verhaften? Als dann noch sein Golffreund Rudi Fröhlich (Edgar Weber) als „zweite Tante“ auftaucht und auch noch ein zweiter Koffer ins Spiel kommt, wird es richtig kompliziert. Der wahre Räuber (Marius Schäfer) macht die Verwirrung vollends komplett, und Kommissar Killing (Frank Christophori) muss wirklich hart und unerbittlich ermitteln, um am Ende der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Denn schließlich mischt auch die Nachbarin Fräulein Nachtigall (Frauke Fischer-Engels) ordentlich mit.
Aufführungen im März
Kaum weniger kriminell gibt sich das Stück der Theaterjugend „Stress im Express“. Ein spektakulärer Überfall im Champus-Express hält in Atem, aber vor den Räubern machen auch die Tücken der Bahn-Privatisierung nicht Halt. Und sogar in der Märchenwelt ist manches nicht mehr in Ordnung: „Die Krone ist weg“ im gleichnamigen Stück der Kindertheatergruppe, und Familienzwist macht dem König das Regieren zusätzlich schwer. Im Doppelpack werden das Kinder- und das Jugendstück auch am Samstag, 29. März, um 14.30 Uhr im Haus des Dorfes in Leimersdorf gespielt. Der Einlass erfolgt ab 13.30 Uhr. Ab dann gibt es auch Kaffee und Kuchen. Die beiden Stücke der erwachsenen Theatergruppe sind noch einmal zu sehen am Freitag, 28. März, um 19 Uhr und am Samstag, 29. März, um 19 Uhr.
