Politik | 05.02.2013

Auf der Suche nach einem Investor

Einstimmiges Votum des Rates für die Erstellung einer Informationsbroschüre zur Entwicklung der Kurparkliegenschaften

Der Blick auf die derzeitige Ansicht der Kollonaden am Kurzentrum. -FIX-

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Stadtrat stimmte der Erstellung einer Informationsbroschüre zur Entwicklung und Vermarktung von Teilflächen der städtischen Kurparkliegenschaften mit Option für die Folgenutzung der heutigen Stadtbibliothek zu. Stadtbürgermeister Guido Orthen betonte zur „Kernbotschaft“, dass grundsätzlich dauerhaftes Wohnen im Bereich der Kurkolonnaden nicht möglich sein wird. Und weiter: Es ist derzeit mit Abstand das wichtigste städtebauliche Projekt der Kreisstadt. Die Broschüre wird aufgelegt, um das Interesse bei Investoren zu wecken. Gesucht ist eine „städtebaulich optimierte Lösung“. Im Februar, spätestens März, soll die Broschüre erscheinen, so Orthen.

Zur Broschüre

Das Informationswerk ist durchaus spannend zu lesen. Und das nicht nur für Kenner der Stadt. Der Einstieg informiert über die Eckdaten der Stadt, bei der die wesentlichen Säulen Gesundheit, Tourismus und der Weinbau sind. Die Einkaufsstadt als Zentrum des Landkreises Ahrweiler ist zudem ein Wohnstandort mit hoher Lebensqualität. 800.000 Übernachtungen und eine Million Tagesgäste hat die Stadt jährlich zu verbuchen. Die Entwicklungsfläche hat eine Größe von 1,5 Hektar. Die Kurgartenstraße wird als „erste Adresse“ genannt. Elementare Kureinrichtungen liegen innerhalb der Entwicklungsfläche. Mit der Entwicklungsmaßnahme wird das Ziel verfolgt, sie städtebauliche Funktion durch eine intensivere bauliche Nutzung und eine höherwertige Nutzung deutlich zu steigern. Zahlreiche Farbfotos in der Broschüre geben einen schnellen und beispielhaften Eindruck. Mit dieser Broschüre will die Stadt im Vorfeld des angedachten Vergabeverfahrens bereits jetzt über das Projekt informieren. Mit der Bekanntgabe des Verfahrens ist ab dem Herbst 2013 zu rechnen.

Entwürfe für Neubebauung

Bereits in den Jahren 2004/2005 sowie im Jahre 2011 hatte der damalige Eigentümer der Liegenschaft, die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr, Entwürfe für eine Neubebauung des Kurparkrandbereiches entlang der Kurgartenstraße in den städtischen Gremien vorgestellt, so der erste Beigeordnete Detlev Koch. Im Rahmen der Diskussion im Jahre 2011 wurde ein Arbeitskreis gebildet, der Rahmenbedingungen und Kriterien für eine neue Bebauung für diesen Grundstücksabschnitt ausgearbeitet hat. Mit dem Kaufvertrag vom 21. Juni 2012 hat die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler neben weiteren Liegenschaften das Grundstück des heutigen Kurparks mit den darauf stehenden Gebäuden und der dort gefassten Heilwasserquelle von der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr erworben. Entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen ging das Grundstück zum 1. Januar 2013 in das Eigentum der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler über.

Eine deutliche Aufwertung

Die nun städtische Liegenschaft soll im Hinblick auf die heutige Nutzungsstruktur, die bauliche Ausnutzung und die Gestaltung eine deutliche Aufwertung erhalten. Im Vordergrund steht hierbei eine deutlich verbesserte Angebotsstruktur in einer erdgeschossigen Ladenzone. In den oberen Geschossen ist eine Mischung verschiedener kurgebietsverträglicher Nutzungen wie zum Beispiel freiberufliche Tätigkeiten oder ein Beherbergungsbetrieb denkbar, so Koch weiter. Im Rahmen der Diskussionen in den vergangenen Jahren ist man in verschiedenen Beratungen und zuletzt im Arbeitskreis übereingekommen, dass eine teilweise Nutzung für dauerhaftes Wohnen nur dann opportun erscheint, wenn hiermit keine Einschränkung für die Nutzung des Kurparks verbunden ist. Ergänzend zu den vorgestellten Entwürfen der vergangenen Jahre, sind nun die Gebäudeteile der Konzerthalle, der Trinkhalle und des Kurparkcafés mit in den vorgesehenen Planbereich einbezogen. Dies geschah mit dem Hintergrund, auch diese Gebäude mit in die Überlegungen zur baulichen Entwicklung und der Folgenutzung einzubeziehen und somit ein gesamtheitliches Konzept zu erstellen. In den Neukonzeptionsprozess soll ebenfalls das Gebäude der Stadtbibliothek einbezogen werden. Hierbei steht nicht eine Veräußerung oder die Schließung der Einrichtung im Fokus, sondern die Prüfung potentieller Alternativnutzungen für das Gebäude. Ebenfalls sollen Überschneidungen mit Angeboten in direkter Nachbarschaft, zum Beispiel Lesesaal im Kurpark überprüft werden. Zur Umsetzung des Vorhabens soll ein Partner gefunden werden, der sowohl für eine bauliche Neugestaltung als auch den späteren Betrieb der neuen Infrastruktur verantwortlich zeichnet. Form und Umfang einer etwaigen Grundstücksübertragung auf den Partner sind zum jetzigen Stand des Projekts noch offen, betonte der Beigeordnete. Mit dieser entsprechenden Broschüre soll frühzeitig auf das geplante Investitionsvorhaben hingewiesen und das Interesse möglicher Entwickler und Betreiber geweckt werden. Die präsentierte Vorlage spiegelt den Inhalt einer noch gestalterisch auszuarbeitenden Informationsbroschüre wider. Zur weiteren Vorgehensweise ist vorgesehen, so Koch, nach einer ersten Marksondierung noch vor der Sommerpause 2013 die weitere Ausgestaltung der Projektentwicklung in den städtischen Gremien zu beraten. „Wir beginnen heute mit einem Projekt, den Weg zu bereiten. Es geht vorerst um die Erstellung einer Informationsbroschüre, aber schließlich beginnt hiermit zwar nur ein Projekt, aber dieses Projekt ist für den Stadtteil Bad Neuenahr und für das Bad ein großes und zukunftsträchtiges Projekt“, sagte in der Aussprache für die CDU-Fraktion Ratsmitglied und Bad Neuenahrs Ortsvorsteher, Dieter Brand.

Von großer Bedeutung

Zukunftsträchtig ist es nicht nur wegen der exponierten Lage, sondern vor allem wegen seiner großen Bedeutung für den Fortbestand und den Ausbau des Fremdenverkehrs. Und für dieses so wichtige Projekt „haben wir nur einen Versuch“. Geht dieser Schuss daneben, dann ist vorläufig die Zukunft verspielt oder die Entwicklung des Ortes unterbrochen, zumindest aber um Jahre zurückgeworfen, so Brand weiter.

Mit aller größter Vorsicht und Sorgfalt sollte der Stadtrat dieses Projekt beraten und begleiten. Mit seinem Vorschlag zu einem Architekten-Wettbewerb kann sich der erste Beigeordnete Detlev Koch nicht anfreunden. Für die SPD-Fraktion begrüßte Elisabeth Graff die Auflegung einer Broschüre. „Es ist gut auf diesem Weg an die Öffentlichkeit zu gehen“. Der erste Beigeordnete Detlev Koch sicherte ihr und dem Rat eine ständige Information zum Stand der Dinge zu. Wolfgang Schlagwein betonte für das Bündnis 90/Die Grünen, dass von vornherein sicher auszuschließen ist, dass der Kurpark durch eine bauliche Entwicklung. in seiner Funktionalität für das Heilbad nicht eingeschränkt und gefährdet wird. In den Zielen für das Klimaschutzkonzept der Stadt heißt es: Klimaschutz solle den Kurstatus der Stadt festigen. Das Heilbad solle das „Schaufenster für den Klimaschutz“ werden.

Und die Kurparkliegenschaft ist genau das Schaufenster des Heilbades. Auf diese Ziele der Stadt gehören die Investoren hingewiesen, ergänzte Schlagwein. Zum Dauerthema Sperrung der Kurgartenbrücke, bedauerte er, dass in der Broschüre hierzu jeglicher Hinweis fehlt. GMI

Stadtbürgermeister Guido Orthen und der Erste Beigeordnete Detlev Koch stellten gemeinsam mit den Fachleuten der Verwaltung ein Konzept vor, mit dem die Stadt Investoren für ein neues Konzept für die Kurparkgebäude ansprechen möchte.

Stadtbürgermeister Guido Orthen und der Erste Beigeordnete Detlev Koch stellten gemeinsam mit den Fachleuten der Verwaltung ein Konzept vor, mit dem die Stadt Investoren für ein neues Konzept für die Kurparkgebäude ansprechen möchte.

Der Blick auf die derzeitige Ansicht der Kollonaden am Kurzentrum. Fotos: -FIX-

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