„Tabula Pintura“ - Die Kunst des Sven Schalenberg
Ausdrucksvolle Werke auf vom Feuer geschwärzten Tafeln
Gebürtiger Breisiger und Mitglied der Are-Gilde präsentiert sein Schaffen im Kulturbahnhof der Quellenstadt
Bad Breisig. „Kunst ist Philosophie mit visuellen Mitteln“, dozierte der Frankfurter Kunstprofessor Dr. Carsten D. Siebert, und er nahm damit Bezug auf die Präsentation des Oeuvres von Sven Schalenberg, des in Bad Breisig aufgewachsenen Kunstmalers. Im quellenstädtischen Jugend- und Kulturbahnhof legte dieser außergewöhnliche Künstler Zeugnis ab von seiner Auffassung über gegenständliche Malerei in Öl. „Tabula Pintura“ (bemalte Tafeln) nennt er die Sammlung von mit viel Empfinden für Form und Farbe komponierten Gemälden.
Kunst mit Feuer
Schalenberg hat dazu seinen ureigenen künstlerischen Weg gefunden: das mit Feuer schwarz angekohlte Holz als Untergrund. Naturbelassene Balkenstücke, angekohlte Bretter oder Holztafeln, deren Zustand sonst wohl kaum Beachtung gefunden hätte. Sven Schalenberg versteht es, die Struktur des angesengten Holzes zu nutzen und darauf eindrucksvolle Sujets in Öl zu malen.
Auf Schalenbergs künstlerische Meisterschaft, verbunden mit dem nicht gerade typischen Werkstoff, ging auch der durch die Präsentation führende Siebert ein - mit sehr viel positiven Anmerkungen. Er erläuterte Details der fantasievollen Kompositionen, die auf den Holztafeln verwirklicht sind, viele eigene kreative Ideen des Künstlers, Beobachtungen aus der Natur, Akte, aber auch Anlehnungen an große Vorbilder: Interpretationen großer Werke von Dürer, Michelangelo, Spitzweg, Lukas Cranach, Richter, Duchamp, Caspar David Friedrich, Boucher, Spranger, Weston und anderen, übertragen auf die vom Feuer geschwärzten Hölzer, die den Gemälden einen reizvollen, antikisierenden Touch geben. Sven Schalenberg hat für diesen Werkstoff augenscheinlich das richtige Empfinden, die Technik und die Farben, und so finden seine Arbeiten die angemessene Bewunderung der Besucher.
Schalenbergs Ausbildung hat durchaus „rustikal“ angefangen: im Handwerksbetrieb seines Vaters Kurt, eines Bad Breisiger Malermeisters.
Das später folgende Kunststudium und die umfassende künstlerische Fortbildung gipfeln in seinem aktuellen Wirken als renommierter Maler und Kunstdozent in der Landeshauptstadt Mainz. Nun fand im Jugend- und Kulturbahnhof seiner Heimatstadt Bad Breisig der „Große Bahnhof“ statt. Die Vernissage vereinte große Teile der künstlerischen Familie aus dem Ahrkreis, der Region und darüber hinaus. Auch eine prominente Delegation der Are-Künstlergilde mit Präsidentin Eva-Maria Kreuter und Otto Kley gab sich die Ehre; die Kreativen aus der Kreisstadt reihten sich in den Kreis der Bewunderer der Kunst des bereits vor sieben Jahren der Gilde beigetretenen Mitglieds Sven Schalenberg ein.
„Die Are-Künstlergilde wird in Zukunft mit der Bad Breisiger Künstler-Initiative unter Hildegard Hildebrand verstärkt zusammenarbeiten, unter anderem auch gemeinsame Aktionen und Kunstausstellungen konzipieren,“ kündet Eva-Maria Kreuter an, und „Hilla“ Hildebrand stimmte zu.
Der Rundgang durch die Ausstellung nötigt den Betrachtern viel Bewunderung hinsichtlich der Fantasie und malerischen Technik Sven Schalenbergs ab. Jedes der 24 ausgestellten Werke verlangt geradezu nach einer intensiven Betrachtung, und der Künstler selbst wurde nicht müde, zu seinen Kunstwerken Rede und Antwort zu stehen. „Nein, ich arbeite natürlich auch auf Leinwand, aber die Ölmalerei auf Holz ist mein exklusives Merkmal. Meine Beziehung zu Bad Breisig, meiner Heimat, aber auch zur katholischen Tradition ist tief und innig.“ Und zum Beweis führt er die Interessierten zu einem seiner erst kürzlich entstandenen Gemälde, das die hinter einem schützenden Gitter verborgene wertvolle Reliquie der quellenstädtischen Pfarrei St. Marien zeigt. Es ist das kostbare Silberkreuz mit dem von Tempelrittern einst mitgebrachten Holzsplitter vom Kreuz Jesu.
Liebe zum Rheintal
Viel Liebe zu seinem Lebensbereich, zum Rheintal, spricht aus vielen Werken, so zum Beispiel die fantasievolle Darstellung „Wie die Loreley sich ein Bild vom Niederwalddenkmal macht“.
Daneben überaus ästhetische Aktgemälde, zum Beispiel die Übertragung von Gerhard Richters „Akt auf einer Treppe“ auf ein ausrangiertes Gitarren-Griffbrett - eine extravagante künstlerische Idee. Ebenso eindrucksvoll „Der deutsche Hase“, in unverkennbarer Schönheit bei Dürer ausgeliehen - Eindrücke, die nicht so schnell vergehen werden.
Dazu wird auch die Finissage der Ausstellung am Freitag, 17. März beitragen. An diesem letzten Tag der Sven-Schalenberg-Schau wird die Performancekünstlerin Karin Meiner um 14 Uhr zu Tisch bitten und versuchen, die Besucher zu animieren, auch einmal „den ihren zu tauschen“. Die Aktion ist ein Teil des rheinland-pfälzischen Kunstprojekts „Tischtransaktion“. Bis dahin wird die Ausstellung täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet sein, samstags und sonntags zwischen 11 und 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Angelehnt an Albrecht Dürers berühmten Hasen: Sven Schalenbergs wunderbare Komposition auf verkohltem Holz.
